Alice Trübner

1875 Bradford/England - Berlin 1916

Blumenstilleben

Öl auf Leinwand, unten links signiert: "Alice Trübner", 60,0 x 41,5 cm

Nach einer ersten Ausbildung in München bei Max Slevogt lernte Alice Auerbach im Jahre 1899 ihren zukünftigen Ehemann Wilhelm Trübner in Frankfurt am Main kennen, wo dieser gerade Professor am Städelschen Kunstinstitut war. Nach ausgiebigen gemeinsamen Reisen heiratete das Paar 1900. Der damals knapp fünfzigjährige Trübner befand sich auf der Höhe seines Erfolges und begann gerade eine überaus lukrative Kooperation mit Paul Cassirer, in dessen Berliner Galerie er bis 1915 über 18 Ausstellungen mit Werken beschicken sollte. Die Zusammenarbeit endete tragisch, als sich Alice Trübner 1916 im Beisein der Frau Cassirers, der berühmten Schau-spielerin Tilla Durieux, erschoss. Wilhelm Trübner hat nie an einen Selbstmord seiner Frau glauben wollen und verdächtigte Tilla Durieux des Mordes.

Künstlerisch orientierte sich Alice Trübner vornehmlich an der Malerei ihres Mannes und Lehrers, mit dem sie zusammen einige Ausstellungen be-schickte. Besonders in ihren Stilleben entfaltet sich ihre ganze koloristische Kraft. Karl Widmers Äußerung: "Ihre Palette ist reich und voll, aber gedämpft und geschlossen im Ton, von einem tiefen, feinen Lüster zu-sammengehalten" erschließt sich bei einem Blick auf das hier vorgestellte Werk. Die Künstlerin hat die Komposition in einem weiteren Gemälde verwendet, das durch Flaschen und Gläser erweitert wurde.66 Formal findet man Anleihen an die Werke ihres Mannes, so etwa in der aus breiten, pastosen Pinselstrichen zusammengesetzten Bildfläche. Die verschiedenen Felder des Bildes grenzen sich gegenseitig durch die diversifizierten Richtungswechsel der Pinselstriche ab und erzeugen durch dieses Nebeneinander der Formen eine Strukturierung.