Johann Sperl
1840 Buch/Fürth - Bad Aibling 1914
Wäscheleine, um 1882
Öl auf Pappe; verso Nachlaßstempel: C. Seiler, 24,8 x 33,9 cm
In den Jahren, in denen diese intime und lichtdurchflutete Skizze entstand, pflegte Johann Sperl engen Kontakt zu Max Liebermann. Vermittelt durch Wilhelm Leibl trafen die beiden Künstler 1879 erstmals zusammen. Liebermann jedoch, der zu dieser Zeit gerade aus Venedig zurückgekehrt war, hatte seine Malerei bereits zu einer wesentlich summarischeren, auf den Impressionismus ausgerichteten Malweise entwickelt. Sperl hingegen fühlte sich noch ganz der Malerei Leibls verpflichtet und so stellt die Beschäfti-gung mit dem Werk Liebermanns einen entscheidenden Einschnitt in seinem künstlerischen Schaffen dar. So erkennt man bis zu Liebermanns Abreise aus München im Jahre 1884 in den Gemälden Sperls eine Auflockerung des Farbauftrages und ein gesteigertes Interesse an der modellierenden Wirkung des Lichts.
Das Motiv der Wäscheleine findet sich bei Sperl direkt in seinem Gemälde Der Kindergarten von 1882, doch auch Liebermann macht von den Möglichkeiten des sich auf dem Weiß der Wäsche reflektierenden Lichts mehrfach Gebrauch. Allerdings löst sich Sperl nicht von den Kontur-vorgaben der Objekte, wie dies Liebermann durch seinen wuchtigen Pinselstrich teilweise tut. Die große Bedeutung dieser Arbeit für Sperls spätere Entwicklung liegt in der Vorbereitung eines neuen Verständnisses von Licht und dessen Auswirkungen auf die Objekte an sich.