Jakob Fröschle
1742 Krumbach - Augsburg 1782
Imitatio Christi
Tusche in Grau, laviert, auf Papier, signiert links unten "Fröschle del";
9,5 x 11 cm
Jakob Fröschle wurde nur vierzig Jahre alt, doch er begründete eine Dynastie schwäbischer Freskanten und Faßmaler. Er schuf für die barocke Inszenierung seiner Heiligenviten Raumbühnen, die das Auge des Betrachters auf den Kulminationspunkt der Handlung lenken. Nicht umsonst wird er von Habel als "einer der besten schwäbischen Rokokomaler" gelobt. Sein Hauptwerk, die Deckenfresken in der ehemaligen Klosterkirche - jetzt St. Johannes Evangelist und Petrus - in Ursberg (Kreis Günzburg), die er zwischen 1776 und 1778 ausführte, erhöhen das Geschehen durch gemalte Stufen, die in die Bildräume führen. Ebenso verfährt er in den Deckenfresken in St. Justina in Bad Wörishofen, die 1780 datiert sind. Auch das vorliegende Blatt zeigt ein Podium, auf dem ein unbekannter Märtyrer auf dem Rücken liegt, das linke Bein verdreht. Er ist mit dem rechten Arm an einen Säulenstumpf gefesselt: Durch den eisernen Ring auf seiner Deckplatte ist ein Seil gezogen, das das Handgelenk des Heiligen an den Schaft fesselt. Ein weiterer Eisenring fixiert das linke Bein am Boden. Die unnatürliche Haltung verweist nicht nur auf die Folterqualen, sondern ist auch ein Reflex auf den Augsburger Manierismus der Zeit um 1600, dessen Einfluß Fröschle nachgesagt wird. Die starke Wölbung des Brustkorbs, die eingeschnürte Taille und die Modellierung des eingefallenen Unterleibs erinnern zudem an Darstellungen des Gekreuzigten in der Altdeutschen Malerei, insbesondere an Matthias Grünewald. Diese Rückgriffe sind bewußt gewählt, um an mittelalterliche Frömmigkeit zu gemahnen. Die ausgestreckten Arme, die Säule, das Lendentuch und die überkreuzten Beine spielen zudem auf die Leiden und den Kreuzestod Christi an. Der Körper ist darüber hinaus ein perspektivisches Bravourstück, das für die extreme Untersicht komponiert ist. Erst ganz oben, als Fresko im Gewölbe einer Kirche, hätte der Betrachter die Proportionen als geklärt wahrgenommen. Daß das Blatt der Entwurf zu einem Deckenfresko ist, beweist auch die Ausführung als Grisaille. Im Spätbarock war es üblich, kleine monochrome Fresken um ein jochübergreifendes, farbiges Medaillon anzuordnen.
Für welchen Auftrag Fröschle den Entwurf zeichnete, ist ungewiß. Stilistisch läßt sich das Blatt mit den Fresken in Ursberg, aber auch in Bad Wörishofen vergleichen. Es muß in den späten siebziger Jahren entstanden sein. Fröschles Wirkungskreis blieb zeitlebens sein Geburtsort Krumbach und die nähere Umgebung. Gelernt hatte er bei dem Faßmaler Stephan Haberer in Weißenhorn. Auch steht er der Augsburger Akademiemalerei Johann Georg Bergmüllers nahe. Er soll häufig in Augsburg gewesen sein. Entwürfe zu seinen Fresken verwahren die Staatsgalerie (Schaezlerpalais) in Augsburg und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg.