Anton Hallmann

1812 Hannover - Livorno 1845

Das alte Kapuzinerkloster in Amalfi

Aquarell in Braun über Bleistiftzeichnung auf Bütten: Wasserzeichen: "PM", unten links bezeichnet und datiert: "Altes Kapuziner Kloster in Amalfi den 7 April 1835";

41,2 x 55,2 cm

Auf einem Felshang bei Amalfi liegt der alte Kapuzinerkonvent, dessen Kreuzgang der Maler-Architekt Anton Hallmann auf seiner ersten Reise nach Rom und Süditalien 1835 hier festgehalten hat. Das Kloster, das heute ein Hotel beherbergt, wurde 1899 durch einen Erdrutsch teilweise zerstört, der Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert blieb jedoch weitgehend unbeschädigt. Die im romanisch-amalfitanischen Stil erbauten Arkaden formen sich aus dünnen Säulenpaaren, die auf einer flachen massiven Brüstung stehen und senkrecht zur Fassade ausgerichtet sind. Den Abschluß bilden schlichte Doppelkapitelle, die als liegende Halbzylinder gestaltet wurden. Lediglich die sich aus der Überlagerung dreier oberhalb der halbzylindrischen Kapitelle entspringenden Bögen ergebenden kleineren Spitzbögen zwischen den einzelnen Säulenpaaren sind durchbrochen.

Die Ansicht des arkadenumstandenen Hofes läßt eine Auffassung von Licht und Schatten erkennen, die bereits sechs Jahre zuvor bei Carl Blechen in seinen berühmten "Amalfiskizzen" (1829, Berlin, Akademie der Künste) zu finden ist. So setzt Hallmann bewußt in beinahe rhythmischer Abfolge dunkle und helle Flächen direkt nebeneinander, wobei die Dunkelheiten, wenn sie nicht Tür- oder Fensteröffnungen beschreiben, dem Gleichgewicht der Komposition dienen. Hierdurch erzielt der Künstler auch den Effekt des gleißenden Lichts des südlichen Italiens in solcher Intensität, daß der Betrachter mit Leichtigkeit die sengende Hitze nachzuspüren vermag. Doch dient diese Rhythmisierung der Komposition im Gegensatz zu Blechens Intention nicht in erster Linie der Wiedergabe der Stimmung. Hallmann gibt uns hier ein sachlich erfaßtes Bild der mittelalterlichen Bauformen wieder, denn er war nicht zuletzt wegen seiner Tätigkeit als Architekt vor allem der naturgetreuen Dokumentation der Bauform verpflichtet. Zudem hatte Hallmann sich auf eben dieser ersten Italienreise mit Heinrich Wilhelm Schulz aus Dresden zusammen getan, um in Kalabrien und Sizilien für dessen Werk "Denkmäler der Kunst des Mittelalters in Unteritalien" Ansichten und Pläne zu zeichnen, das jedoch erst 15 Jahre nach Hallmanns frühem Tod am römischen Fieber erschien.