Franz Innocenz Josef Kobell

1749 Mannheim - München 1822

"Schwärmer in Wald und Flur"

Sepia, laviert, auf Papier; 16,2 x 21,1 cm

Franz Kobell hatte sich der Landschaftszeichnung verschrieben. Schon in seiner Jugend durchstreifte er mit seinem Bruder Ferdinand die Umgebung von Mannheim, um die Natur zu studieren. 1779 ermöglichte ihm ein vierjähriges Stipendium des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz einen Aufenthalt in Italien. Aus einzelnen Skizzen vor der Natur komponierte er ideale Landschaften in der Art Claude Lorrains. Der künstlerische Umbruch geschah um 1800, nachdem er sich in München niedergelassen hatte. "Als Schwärmer in Wald und Flur" - wie er selber in einem Brief bekannte - machte er Bekanntschaft mit der Region südlich von München bis zu den "Tyroler Bergen". Zuerst zeichnet er im Stil der Holländer, um später zu einem eigenen Realismus zu finden. Kobell negierte weitgehend die landschaftlichen Details, um die Gegensätze von Licht und Schatten, Ebene und Anhöhe herauszuarbeiten. Dabei konzentrierte er seine Pinselzeichnungen auf wenige Farbtöne oder malte sie gar monochrom wie das vorliegende Blatt, das in Sepia ausgeführt ist. Es zeigt den Wendelstein und Breitenstein von Bad Aibling aus. Dunkel drohen die Bergspitzen über einer Wolkenwand. Häuser eines Dorfes ragen schemenhaft in das Grau. Weit ist die Ebene, die sich davor erstreckt. In verschieden nuancierten Streifen sind die Felder angelegt. Kobell ließ die dunklere Schicht trocknen, bevor er mit einem helleren Ton fortfuhr. Der ausgesparte Papiergrund ist der lichteste Farbwert. Der Pinselduktus ist locker und erinnert entfernt an Zeichnung von Johann Georg von Dillis, mit dem er seit 1806 befreundet war. Für seine ungemein schnelle, sichere Hand war Kobell berühmt. Die Landschaft entstand wahrscheinlich direkt "sur le motiv", wie etliche Blätter in der Staatlichen Graphischen Sammlung München, die diesen Vermerk tragen. Kobell betont das Atmosphärische, indem er die Details verschwimmen läßt, so daß eine flüchtige Momentaufnahme entsteht. Trotz dieser Merkmale kann das Blatt nur mit Vorbehalt datiert werden, da sich Kobells uvre einer linearen Entwicklung verweigert. Die Orientierung an Georg von Dillis 1806 und die Abstraktion der Formen, die um 1810 ihren Höhepunkt findet, mögen Anhaltspunkte sein. Signiert und datiert hat Kobell seine Arbeiten selten. Jedoch ihre große Anzahl, aber auch die zahlreichen Variationen der Motive und die Vereinfachung der Formen wurden von der Nachwelt wenig geschätzt. Erst in den letzten Jahren hat die Forschung gerade darin Kobells Modernität entdeckt: In Deutschland gab es um 1800 nichts Vergleichbares.