Unbekannter Künstler, Mitte des 18. Jahrhunderts
Johann August Nahl der Ältere
Tusche in Braun über Bleistift, unbezeichnet; 14 x 12 cm; dazu Vorzeichnung in Bleistift, in Feder bezeichnet: "August Nahl - Cassel"
Klar und geradeheraus schildert der Künstler die Züge des Dargestellten in unserem Portrait en profile. Der elegante Herr trägt ein weißes Hemd mit Stehkragen und Schleife, darüber eine zugeknöpfte Weste unter einer dunkleren Jacke. Im Nacken wird das helle, mittellange Haar mit einem Band zusammengehalten, feine Locken winden sich hinter dem Ohr und sanfte Wellen im Haar darüber. Die Darstellung ist in einen ovalen Rahmen eingepasst und imitiert doch keine Büste, sondern scheint nach dem Leben gefertigt zu sein, worauf auch die vorbereitende Bleistiftskizze hinweist, die die Züge des Dargestellten schnell und präzise auf das Blatt bannt und nachträglich die ovale Einrahmung hinzufügt. Die Vorzeichnung trägt die Beschriftung "August Nahl - Cassel". Vergleicht man die bekannten Porträts der Künstlerfamilie Nahl, zu der der Vater Johann August Nahl der Ältere (1710-1781), sein Sohn Johann August Nahl der Jüngere (1752-1825) und dessen Bruder Johann Samuel Nahl (1748- 1813) zählen, so fällt auf, daß alle drei Männer eine große Ähnlichkeit zueinander aufweisen. Kinn und Nase sind hierbei die verbindenden physiognomischen Merkmale. Bei genauerer Betrachtung jedoch stellt sich heraus, daß es sich bei dem Porträtierten auf unserem Blatt höchstwahrscheinlich um Johann August Nahl den Älteren handelt. 1755 zieht der Vater mit den beiden Söhnen nach Kassel, um hier die Ausstattung des Schlosses Wilhelmsthal für den Landgrafen von Hessen-Kassel, Wilhelm VIII., zu übernehmen. Anlässlich dieser Begebenheit könnte unser Porträt entstanden sein. Nahl der Ältere war zu dieser Zeit 45 Jahre alt, was ungefähr dem Alter des Dargestellten entspricht. Ein Vergleich mit einem etwa zeitgleich entstandenen Porträt Nahls von der Hand Emanuel Handmanns (1718-1781) scheint diese Identifikation zu bestätigen. Nach den Arbeiten am Schloß reist Nahl für den Landgrafen nach Italien und nach dessen Tod und der Übernahme der Regentschaft 1763 durch seinen Sohn, Friedrich II. (1720-1785), bleibt er weiterhin in den Diensten der Landgrafen. 1767 wird Nahl zum Professor der Bildhauerklasse am Collegium Carolinum ernannt und 1777 erhält er an der neu gegründeten Kunstakademie die Professur für Bildhauerei. Am 22. Oktober 1781 stirbt Johann August Nahl der Ältere in Kassel.