Julius Schlegel

1825 Potsdam - Berlin um 1884

Romantischer Dreiklang

Bleistift und Weißhöhung auf Papier, links unten bezeichnet, datiert und signiert "Villa Doria in Albano 1852 J. Schlegel";

24,8 x 41,2 cm.

Im Juni 1855 kehrte Julius Schlegel aus Italien zurück, eine Empfehlung für den Preußischen Hof in der Tasche. 1859 wurde er Hofmaler des späteren Kaisers Friedrich III. und unterrichtete dessen Kinder im Zeichnen. Die entscheidende Erfahrung aber blieb für Schlegel sein Malerleben in Rom. Es sollte sein Oeuvre prägen.

Am 17. Mai 1847 hatte er sich zusammen mit Carl Gustav Wegner, seinem Zeichenlehrer an der Berliner Akademie, in das Passregister der Preußischen Gesandtschaft in Rom eingetragen. Schlegel nahm Quartier in der Via S. Isidoro Nr. 9 und wurde Mitglied im deutschen Künstlerverein in Rom. Ein Mäzen ließ nicht lange auf sich warten: Es war Alfred von Reumont, Abgeordneter der Preußischen Gesandtschaft, der Friedrich Wilhelm IV. auf Schlegels Talent aufmerksam machte. Jener beauftragte ihn, die durch den Freiheitskampf gegen die Franzosen beschädigten oder zerstörten Bauwerke auf dem Gianicolo zu zeichnen. Aus dem Maler Schlegel wurde 1849 ein Kriegsberichterstatter, der im Wettstreit mit Stefano Lecchis bekannten Kalotypien die Verwüstungen festhielt. Schlegel wählte ein bräunliches Papier für seine um eine genaue Wiedergabe bemühten Bleistiftzeichnungen, die er mit Weiß höhte, so daß die Blätter entfernt an Fotografien erinnern. Das Verfahren behielt Schlegel in seinen späteren Veduten bei, wie die vorliegende großformatige Ansicht der Villa Doria in Albano aus dem Jahre 1852 zeigt.

Die weitgehend unberührte Natur der Albaner Berge lockte die Künstler seit dem 17. Jahrhundert. 1852 nahm Julius Schlegel an einer Exkursion des Künstlervereins teil, die nach Ariccia, dem Nemi-See und Frascati führte. Daß Schlegel noch in demselben Jahr - vielleicht in Verbindung mit dem Ausflug - auch Albano auf der Westseite des Gebirges besuchte, belegt die Inschrift links unten auf der Zeichnung.

Für unser Blatt suchte sich Schlegel einen leicht erhöhten Standpunkt, um das hügelige Gelände in die Komposition einzubeziehen. Ein verschlungener Pfad führt in das Tal, auf dessen gegenüberliegender Seite sich das mittelalterliche Städtchen in seinen Mauern erhebt. Links ragt der romanische Campanile von S. Pietro empor. Der Vorgängerbau wurde 514 auf den Ruinen der antiken Thermen erbaut, die zu dem ehemaligen Villenort der Römer gehörten. Antike und Mittelalter sind in Albano allgegenwärtig. Schlegel wußte sie mit dem Landschaftsgarten der Villa Doria zu einem romantischen Dreiklang zu verbinden.

Die Anlage des Parks erscheint natürlich und ist doch genau kalkuliert. Blumenkübel auf Postamenten, von denen das eine, das ein Relief schmückt, wohl antiker Herkunft ist, akzentuieren den Rundweg. Der kräftige Stamm einer blühenden Agave im Mittelgrund lenkt das Auge des Betrachters auf den Campanile. Schlegel setzte Weißhöhungen großflächig, aber nur an zwei Stellen ein: Der Himmel empfängt durch die helle Tönung sein Licht und der Weg in das Tal gewinnt an räumlicher Tiefe und Plastizität. Mit großer Sensibilität hat Schlegel den Bleistift zu führen gewußt. Die Spanne zwischen Dunkel und Helligkeit hat er in zarten Abstufungen herausgearbeitet. Die fast fotografische Genauigkeit verrät, daß Schlegel vor Ort die Entwürfe für das Blatt zeichnete und später die Vedute im Atelier ausführte.