Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
1751 Haina - Eutin 1829
Beruhigende Natur
Tusche und Aquarell auf Papier; 20,8 x 18, 8 cm
Provenienz: Walter Müller-Wulckow, Oldenburg; Arnold Blome, Bremen
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein haben einzelne Motive ein Künstlerleben lang begleitet. Dazu zählt "die Eiche", die er 1777 für sich im Berliner Tiergarten entdeckte und zugleich kommentierte: "Wenn in Tagen erregter Phantasie der Pinsel lange nur meinen Träumen und ihren lustigen Bildern gehorcht hatte, dann verweilte das ermüdete Auge und die beruhigte Seele oft mit doppeltem Wohlgefallen auf wenig beachteten Gegenständen der Natur. So erschien mir auf einem einsamen Spaziergange diese alte Eiche bewundernswürdig wie ein kraftvoller Mann, der den Stürmen des härtesten Schicksals muthig widerstanden ..." 1820, mehr als vierzig Jahre später, sollte er die Eiche aus dem Thiergarten in seinen "Idyllen-Zyklus" für den Herzog von Oldenburg aufnehmen. Doch es gibt noch eine Variation des Eichenmotivs, "die Eiche auf einer Insel im See", die Tischbein ebenfalls wiederholte, zuletzt im Idyllen-Zyklus. Die vorliegende aquarellierte Tuschezeichnung rückt die Eiche, die auf einem Felsvorsprung im Wasser wächst, an die Uferböschung heran. Auf ihr sitzt ein junger Mann, der seine Angel auslegt. Die menschliche Gestalt ist das Maß, um die Größe des Baumes vor Augen zu führen. Die Eiche aber ist das eigentliche Thema. Mit großer Akribie hat Tischbein ihre Rinde gleichsam modelliert. Aus einem Spalt tritt das nackte Holz hervor. Die Blätter jedoch abstrahierte er zu halbrund oder spitz zulaufenden, eng aneinandergefügten Einzelformen. Dabei erscheint das Gesamtbild der Baumkrone durchaus als geklärt und hell. Sie fügt sich in den Kontext einer lichtdurchfluteten Komposition, die sich auf wenige Bildelemente konzentriert und damit die Leichtigkeit unterstreicht. Stilistisch läßt sich das Blatt in den Zeitraum der Jahre 1799 bis 1806 einordnen. Das Blattwerk der Eiche, aber auch der Ranken, die die Böschung bewachsen, erinnern an das bodenbedeckende Grün in der aquarellierten Federzeichnung "Der Schwachmatikus auf dem Esel in der Campagna", die um 1799 datiert wird. In diesem Blatt finden sich noch weitere Parallelen: der schlanke Körper des Mannes, der dürre Ast und die lichte helle Weite der Landschaft.