Hendrik Voogd
1767 Amsterdam - Rom 1839
Ponte Molle bei Rom
Feder, braun laviert, auf Papier, verso bezeichnet, datiert und signiert: "N: 3765. Ponte Molle a Roma. 1790. H. Voogd fecit.", Wz: "D&C Blauw"; 46,4 x 59 cm
Wie sein Zeitgenosse und Freund Johann Christian Reinhart verbrachte auch Hendrik Voogd die meiste Zeit seines Lebens in Italien. Ersten Unterricht erhielt er durch Juriaan Andriessen, einem privaten Zeichenlehrer in Amsterdam. 1788 konnte er dann die so wichtige Italienreise antreten, gefördert durch Dirk Versteehg, einem Sammler aus Amsterdam.
Die Freundschaft zu dem ein Jahr später nach Rom gereisten Reinhart mündete in gemeinsame Zeichenausflüge und Reinhart äußert über Voogd: "Ich fand ihn schon als ich herkam. Wir wurden gleich Freunde, machten unsere Studien in Tivoli etc. gemeinschaftlich und haben seit dem in ungetrübter Freundschaft gelebt." Gemeinsam mit Joseph Anton Koch sollten sie später die Wände des Caffè Greco mit Gemälden schmücken. Voogd gehörte bald, zusammen mit dem Schotten George Augustus Wallis, zu den wichtigen Landschaftsmalern in Rom, die auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregten. Caroline von Humboldt schrieb 1803 nach Weimar: "Voogd fühlt inniger und wahrer die Natur, besonders schön sind seine Formen, die Einheit seiner Bilder, das verschmolzen duftige einer schönen Morgenbeleuchtung" und auch ihr Mann berichtete wohlwollend an Goethe: "Ein Holländer Voogd hat vielleicht weniger Genie als Reinhart, aber macht im ganzen wohlgefälligere Arbeiten."
Voogd zeigt in dem vorliegenden Blatt die Milvische Brücke, die seit dem 14. Jahrhundert auch Ponte Molle genannt wird. Sie bildete den Zugang zu Rom für jeden, der sich von Norden der Stadt näherte. Besonders die deutschen Künstler machten die Ponte Molle zu einem Kult, indem sie Künstlerneuankömmlinge in die so genannte Ponte Molle-Gesellschaft aufnahmen. So wurde die Brücke Symbol für den Übergang von der alten Welt in das heilige Land der Kunst. Der Zustand entspricht dem Erscheinungsbild der Brücke seit etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde die Brücke weiter mit Steinen ausgebaut und der Brückenturm vergrößert. An den ufernahen Enden erkennt man die hölzernen Konstruktionen, die erst im frühen 19. Jahrhundert durch steinerne ersetzt wurden. Sie dienten vormals der einfacheren Abwehr von Angreifern, da diese hölzernen Teile leichter abgebrannt werden konnten. Erst 1805/1806 wurden sie durch steinerne Konstruktionen ersetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Brückenturm umgestaltet und der seitliche Eingang, wie er auf unserem Blatt noch zu sehen ist, entfernt.
Für das vorliegende Blatt wählte Voogd den annähernd gleichen Blickwinkel, den schon Piranesi ca. 25 Jahre vor ihm bildlich festgehalten hat. Entgegen dem wilden Strich und dem hektischen Treiben, das dieser verbildlicht hat, zeigt Voogd die Szenerie in einer idealistischen Beruhigung. Die klaren Umrisse der Architektur kontrastieren mit den weichen Farbübergängen in der Vegetation und verleihen der Brücke eine selbstverständliche und in sich ruhende Größe. Vergleicht man Voogds Blatt z.B. mit der zwei Jahre später entstandenen Darstellung der Brücke von Jakob Wilhelm Mechau für die Frauenholzschen Mahlerisch radirten Prospecte von Italien, so fällt auf, das Voogd auf eine idyllische Einbettung der Architektur nahezu verzichtet und der Brücke in ihrer architektonischen Strenge bildbestimmenden Charakter verleiht. Dennoch wirkt die Brücke wie ein natürlicher Teil der Landschaft und verbindet sich mit der Natur ohne als Fremdkörper wahrgenommen zu werden.
Der Verweis auf die Prospecte ist weiterhin aufschlußreich, hat doch auch Voogds Freund und Reisegefährte Reinhart maßgeblich an diesem Prospekt mitgewirkt. Die Thematisierung der Umgebung Roms, also die Abwendung von den bekannten Baudenkmälern und Plätzen der Stadt selbst, war das erklärte Ziel der Prospecte: "Unser Augenmerk wird blos dahin gehen, malerische und nicht behandelte Gegenstände zu wählen, sei es also eine ganze Gegend oder eine einzelne malerische Partie."
In diesem Geiste ist auch unser Blatt Voogds, entstanden im Jahr der ersten Verhandlungen Reinharts mit dem Verleger Frauenholz über das Prospecte-Projekt, zu sehen und die Vermutung liegt nahe, daß Voogd und Reinhart ihre Neigung zur unentdeckten Landschaft auf den gemeinsamen Reisen rund um Rom entwickelt haben.