Louis Braun

1836 Schwäbisch Hall - München 1916

Dünenlandschaft

Öl auf Leinwand, unten rechts signiert: "L. Braun", verso von fremder Hand bezeichnet: "Herzegowina", 16,6 x 31 cm

Der für seine großformatigen Schlachten- und Historienbilder berühmte Braun wendet sich hier in dieser intimen Studie einem recht unscheinbaren Fleckchen Erde zu. Er zeigt uns einen Blick von unten, wie aus einer liegenden oder kauernden Position, auf einen kleinen Hügel. Zum Teil bewachsen von dicken Grasbüscheln und hellgrünen und braunen Bodendeckern erhebt sich rechts, unmittelbar vor uns, der Kegel jener Düne, an deren Spitze der sandige Untergrund zwischen den Pflanzen hervorbricht. Links im Hintergrund erkennen wir einen weiteren begrünten Hügel, dessen bräunliche Spitze in den am hellblauen Himmel gemächlich ziehenden Wolkenbändern verschwindet.

Diese Landschaft enthält weder Bedrohliches noch Absonderliches. Sie ist geprägt von einem umfassenden Gefühl der Sorglosigkeit und Harmonie, etwas, was der Kriegsmaler Braun in jungen Jahren wohl selten verspürt haben mag und daher diese heiteren Momente umso mehr zu schätzen wusste. Achtundzwanzigjährig dokumentierte er in eindringlichen Studien deutsch-dänische Schlachtfelder mit toten Soldaten, Pferden, dem umherliegenden Kriegsgerät und heranziehenden Aasfressern auf erschütternd offene Weise. Und auch in den folgenden Jahren nahm er als Kriegszeichner und Berichterstatter an verschiedenen Kriegen der Deutschen teil.

Die Faszination für die Schlachten mag von der durch den Bruder Reinhold erweckten Vorliebe für die Pferdemalerei und durch das Studium bei Bernhard Neher und der Zusammenarbeit mit dem württembergischen Hofmaler Josef Anton Gegenbaur geförderten Interesse an historischen Stoffen herrühren. Das ausschlaggebende Erlebnis für ihn, sich in seinem späteren Werk hauptsächlich Gemälden solchen Inhalts zuzuwenden, war jedoch offenbar im Alter von 23 Jahren die Aufnahme in das Atelier des Schlachten- und Historienmalers Horace Vernet in Paris, wo er Gelegenheit hatte, die Arbeit an den großen Schlachtenbildern für Napoleon III. mitzuverfolgen. Nachdem er Paris verlassen, sich bis in die sechziger Jahre auf Wanderschaft weitergebildet und einen Ruf als Militärmaler geschaffen hatte, zog er als Kriegsmaler zu verschiedenen Zeiten ins Feld. Doch sollte es nicht diese Tätigkeit sein, die seinen Ruhm begründete.

In den Siebziger Jahren wurde er durch seine Panoramen, den großformatigen Historien- oder Schachtenbildern in eigens dafür erbauten Panoramengebäuden, berühmt. Er schuf insgesamt acht Großpanoramen, unter ihnen die Schlacht von Sedan (1879-81) in Frankfurt am Main, das Panorama deutscher Kolonien (1886) in Berlin und in Zürich die Schlacht bei Murten (1894).