Friedrich Preller, der Jüngere

1838 Weimar - Dresden-Blasewitz 1901

Partie aus dem Neuenburger Urwald, um 1855

Öl auf Papier, auf Pappe montiert, unten mittig in rot monogrammiert: "F. P.", verso bezeichnet: "Friedrich Preller", 22,4 x 30,7 cm

Im Sommer 1855 begleitete Friedrich Preller der Jüngere zum ersten Mal seinen Vater auf einer Studienreise. Sie führte die beiden Männer nahe an die Nordsee, in den "Neuenburger Urwald" bei Jever. Preller berichtet in seinen Tagebüchern über die dort erfolgten Unterweisungen des Vaters: "Ich sah jetzt zum ersten Male meinen Vater Studien zeichnen und wurde von ihm darin unterrichtet [...]. Er verlangte von mir unbedingte Strenge, sowohl beim Zeichnen wie beim Malen vor der Natur." Wir erfahren, dass Preller d. J. wohl hier seine ersten Ölstudien geschaffen hat, zu der auch unsere Arbeit zählen könnte. Der Konjunktiv muss hier vorerst beibehalten werden, da gerade in dieser Zeit die Arbeiten von Vater und Sohn nur schwer zu unterscheiden sind. Zwar berichtet der Sohn, dass sein Vater "nie ein Bild davon [vom Neuenburger Urwald] gemalt" hat, doch es befindet sich im Haus der Heimat in Freital ein Ölgemälde aus dem Neuenburger Urwald, das auf den 12. August 1855 datiert ist und wohl von dem Vater stammt. In diesem Bild liegt die Betonung allerdings nicht so sehr auf dem erkennenden Studium der Natur sondern mehr auf dem Effekt, den die knorrigen Eichen mit ihrem wilden Wuchs auf den Betrachter ausüben. Dies wird noch durch die bühnenartige Fläche im Vordergrund verstärkt, die man auf vielen Skizzen und Bildern Prellers dieser Zeit finden kann. Sein Sohn hingegen nähert sich, wie in unserer Studie, analysierender dem Naturobjekt und bringt es direkt vor den Betrachter. Es könnte dies der Unterschied zum Vater sein, der auch in den Landschaftsstudien einer narrativen Bildsprache verhaftet bleibt. Unsere Ölskizze hingegen versucht den verschiedenen Lichteffekten und Farbtönen in der Landschaft und in den Bäumen nachzuspüren. Anstatt Inszenierung wird hier eine harmonische Objektivierung angestrebt. Ina Weinrautner erwähnt in ihrer Monographie zu Friedrich Preller d. Ä. eine weitere Arbeit mit der Darstellung von Eichen im Neuenburger Urwald, diesmal ebenso wie unsere Arbeit in Öl auf Papier ausgeführt. Hier finden wir den gleichen Aspekt der Unmittelbarkeit vor, die bei dem Leinwandgemälde des Vaters fehlt. Weinrautner beschreibt das Bild folgendermaßen: "[...] die Bäume sind weniger als Einzelwesen akzentuiert, sondern stellen eine homogene grüne Laubmasse dar. Ebenso ist die Bodenzone des Vordergrunds weggefallen, die zwischen dem Bildgegenstand und dem Betrachter einen Abstand herstellt und einer rationalen Bildbetrachtung Vorschub leistet." Diese Beschreibung kann ohne Mühe auf unsere Ölstudie übertragen werden. Möglicherweise handelt es sich bei beiden Studien um Arbeiten des Sohnes. Grundsätzlich sind die Werke der beiden Künstler in dieser Zeit und noch bis in die 1860er Jahre schwer von einander zu unterscheiden. Dies mag auch mit der Ausbildung des Sohnes bei dem Vater zusammenhängen, der seine Schüler zu einer intensiven Orientierung am eigenen Werk lenkte. Unsere Studie ist am unteren Rand mit geschwungenem Pinselstrich in Rot monogrammiert. Prellers Vater verwendete für seine Signatur meist eine blockartige Ligatur aus seinen Initialen, er selbst hingegen bevorzugte, wenn auch nicht immer, eine geschwungene Schreibweise. Dies könnte ein weiterer Hinweis auf die Autorschaft des jüngeren Prellers sein.