Johann Sperl
1840 Buch (Fürth) - Bad Aibling 1914
Landschaft bei Kutterling, um 1895
Öl auf Leinwand, unten rechts mit der geritzten Signatur: "J. Sperl", 25,7 x 41,8 cm, WVZ: Moritz Nr. 203
Provenienz: Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt
Leben und Werk Johann Sperls sind maßgeblich von seinem engen Kontakt zu Wilhelm Leibl geprägt. Seit ihrem ersten Treffen 1865 verband sie ein künstlerisches und menschliches Band, das für beide von entscheidender Bedeutung sein sollte. Für Leibl war Sperl unersetzlicher Helfer, Ratgeber, Kritiker, Jagdgenosse und Freund. Für Sperl war Leibl ein künstlerisches Vorbild, das ihn in seinem Schaffen bis in seine letzten Lebensjahre prägte. Leibl, der Figurenmaler und Sperl, der Landschaftsmaler. So etwa teilten sich die beiden das Feld ihrer Kunst und jeder erkannte in dem anderen den Meister, der er in seinem Metier war. Leibls Haushälterin und Modell Marie Ebersberger berichtet über die gegenseitige Wertschätzung der beiden Künstler: "Er [Leibl] betrachtete Sperls Kunst mindestens als gleichwertig und sagte mir, daß er der festen Überzeugung sei, daß Sperls Werke noch einmal zu den gesuchtesten Kunstwerken gehören werden. Sperl hatte ebenfalls die höchste Bewunderung für Leibl, sie hatten die gleiche Empfindung für Schönheit und Wahrheit der Natur."
In Kutterling schuf Sperl einige Jahre nach Liebermanns Besuch die hier vorgestellte Ölstudie mit den herbstlich kahlen Bäumen und dem Weg, der zu einigen Häusern am Fuße eines Berges führt. Nach der relativen Unabhängigkeit von Leibl während der Münchner Zeit mieteten beide gemeinsam am 1. Mai 1893 ein in Kutterling gelegenes Bauernhaus. Leibl, der nicht längere Zeit ohne Sperl sein konnte, war hier seinem geliebten Bad Aibling nahe, und Sperl hatte die Möglichkeit sich intensiv der Landschaftsmalerei zu widmen.
Sperl selbst sollte noch über Leibls Tod hinaus bis 1911 in dem gemeinsamen Kutterlinger Haus wohnen und arbeiten. Für Sperl entpuppte sich diese Zeit bis zum Erkranken Leibls als äußerst produktiv und befriedigend. Er fühlte sich auf das Innigste mit der Natur verbunden und die Reihe der Gemälde, in denen er die Winter-, Frühlings- und Herbststimmungen der Landschaft einfing, zeugt von seinem immer weiter entwickelten koloristischen Gespür. Die Lockerung der Formen, die ihm Liebermann vermittelte, vereint sich mit den spezifischen Gegebenheiten der Landschaft zu einer effektvollen Reduktion der Bildelemente. Immer stärker betont er den Kontrast von linearem Baumgeäst und flächigen Ebenen. Der von den Bäumen vielfach durchkreuzte Himmel, der immer stärker von der grünen Natur an den oberen Rand des Bildes gedrängt wird, verdeutlicht die Versenkung in Farberscheinungen der Wiesen und Bäume.