Benno Friedrich Törmer
1804 Dresden - Rom 1859
Tempel des Antoninus und der Faustina in Rom, um 1840
Öl auf Papier, verso in Feder bezeichnet: "Tempel der Faustina in Rom", 27,5 x 30,7 cm
Benno Friedrich Törmer erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater, dem Zeichenmeister der Dresdner Ingenieurkompanie Johann Gottlieb Törmer. An der Dresdner Akademie studierte er zwischen 1819 und 1829 bei Johann Carl Rößler und Carl Christian Vogel von Vogelstein. Nach Abschluss seiner Akademiezeit brach er nach Italien auf und gelangte über München, Innsbruck und Florenz nach Rom. Hier entsteht circa elf Jahre nach seiner ersten Ankunft in Italien unsere Ansicht des Tempels des Antoninus und der Faustina. Ursprünglich 141 nach Christus von Kaiser Antoninus Pius zu Ehren seiner verstorbenen Frau erbaut, wurde der Tempel im 11. Jahrhundert in die Kirche San Lorenzo in Miranda umgewandelt. Später erhielt die Kirche eine Barockfassade, der jedoch die antiken Säulen und der Architrav des Tempels vorangestellt blieben.
Der Blick aus südöstlicher Richtung, den Törmer für seine Arbeit wählt, betont diese architektonische Besonderheit. Eine Ansicht des Tempels aus der gleichen Perspektive malte Christoffer Wilhelm Eckersberg 1814, jedoch bettet der Däne das Gebäude in die Umgebung ein. Die Darstellung Eckersbergs zeigt den Platz um den Tempel an der Via Sacra noch vor der Freilegung des viel tiefer liegenden republikanischen Niveaus des Forums, mit der man im 19. Jahrhundert begonnen hatte. Törmer hingegen lässt hier weder einen Ausblick auf das Dahintergelegene noch eine sichere Verankerung in Form einer Wiedergabe des Bodens, auf dem das Bauwerk steht, zu. Er verführt den Blick des Betrachters zur Konzentration auf das Detail, lenkt unsere Aufmerksamkeit gezielt auf die auch heute noch wunderbar erhaltenen Reliefs auf dem Architrav, die Farbigkeit und Struktur des Cipollin-Marmors der Säulen. Auch führt uns Törmer hier die Alltäglichkeit in diesem Teil Roms vor Augen, die sich sowohl im Verfall und der Verwitterung der antiken Gemäuer, in der Porosität des Mörtels, den Kräutern, die sich in den Ritzen des Mauerwerks eingenistet haben, als auch im Leben mit und in den Resten der alten Tempelanlage, den Blumentöpfen am Geländer des Fensters zwischen den Säulen im Hintergrund widerspiegelt.
Törmers Ansicht der Tempelreste ist besonders interessant, weil er sich hier von jeglichen gängigen Darstellungsweisen der römischen Ruinen löst. Weder geht es ihm um eine den Ruinen immer latent eingeschriebene Vanitassymbolik, noch träumt er sich schwärmerisch in ein vergangenes antikes Ideal zurück. Am wenigsten spricht die Bewunderung für die alten Bauten aus seiner Schilderung, wie sie uns noch in Piranesis Graphiken der römischen Ruinen begegnet. Auch wenn bereits ab der Mitte des 18. Jahrhunderts eine zunehmende Entidealisierung der Bauwerke eintritt, so hat doch die Schilderung im Bilde nie eine gewisse ehrfurchtsvolle Distanz vermissen lassen. Doch Törmer reduziert das Gebäude mit seiner ohnehin durch die Anbauten gebrochenen Erscheinung als flächiges Formspiel und lässt es dadurch zum Objekt rein malerischer Interessen werden, frei von Antikensehnsucht und Ruinenromantik.