Albert Venus

1842 Dresden 1871

Römische Campagna mit Blick auf die Sabiner Berge, um 1866

Öl auf Leinwand, auf Pappe montiert, unten rechts monogrammiert (ligiert): "AV.", 17,6 x 26,8 cm

Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Paul Geipel

Als Victor Paul Mohn seinen Studien- und Reisefreund Albert Venus 1869 in Italien wieder traf, da berichtete er von einem Künstler, der sich von der Linie der Richter-Schule abzuwenden begonnen hatte: "Der Teufel reitet ihn, sein zweites Wort ist - Achenbach." Malerisches Kolorit, Lichteffekte und eine freie Formensprache sind Elemente, die für Venus nun die Dominanz der Linie zu ersetzten beginnen.

Unsere hier vorgestellte Ölstudie entstammt allerdings vermutlich der ersten Italienreise Venus' 1866, denn sie zeigt noch deutliche Anleihen an das Formenrepertoir seines Lehrers Ludwig Richter und offenbart auch im Vergleich zu der anderen hier vorgestellten Ölstudie, dass Venus erst beginnt, das Graphische aufzulösen. Die Farbe erinnert in ihrer kontrastreichen Verwendung an die Aquarelle der ersten Italienreise. Hier sind die Flächen nicht nur mit der Feder umrissen, sondern auch durch eine plakative Farbigkeit bestimmt, die sich nahezu gänzlich von dem Naturvorbild löst. Sie erhalten einen Eigenwert, der sie nicht mehr als Abbild einer Naturgegebenheit erscheinen lässt, sondern als eine Flächenorganisation, die sich durch Kontrast strukturiert. In unserer Ölstudie finden wir diese Auflösung bereits angedeutet. Das Blau der Berge setzt sich als große Fläche gegen das Braun des Vordergrund ab. Die einzige horizontale Staffelung findet sich in den dünnen Pflanzenstengeln unten links, die in ihrer Linearität noch ganz der Richter-Schule angehören und sich in dieser Art besonders häufig in den vor-italienischen Arbeiten von Venus finden lassen. Die strenge Vertikalität und die reduzierte, aber kontrastierte Farbpalette verbildlicht die Liebe des Künstlers für die Campagna-Landschaft: "Das schweigende Meer feingeschwungener, erstarrter Hügelwellen, das feierlich stille, erinnerungsreiche und ergreifende Trümmer- und Gräberfeld vor den Toren Roms" scheint aus dieser Studie zu sprechen. Anfang November weilte Venus mit Mohn und Carl Wilhelm Müller in der Campagna. Eine Zeichnung Mohns, datiert auf den 15. November 1866 zeigt einen sehr ähnlichen Blick, allerdings hatte er die Ponte Nomentano noch vor sich im Bilde. Venus scheint sie in unserer Ölstudie bereits im Rücken zu haben. Das flache Land breitet sich so harmonisch vor dem Künstler aus. Am rechten Bildrand vermag man noch in Andeutungen die Ponte Salaro zu erkennen.

Unsere Ölstudie stammt aus der Sammlung des in Zwickau geborenen Pathologen und Mäzens Prof. Dr. Paul Geipel, die größtenteils Eingang in eine Stiftung im Museum Schloss Glauchau und in der Geipel-Stiftung im Museum der bildenden Künste in Leipzig gefunden hat.