Carl Philipp Fohr
1795 Heidelberg - Rom 1818
Die Ruine Tiefburg bei Handschuhsheim
Aquarell über Feder auf Papier, 195 x 258 mm
In den Wintermonaten des Jahres 1813 begann Carl Philipp Fohr seine Arbeiten an dem Skizzenbuch der Neckargegend, dem ein Jahr später auf Anraten der Erbprinzessin Wilhelmine von Hessen das Badische Skizzenbuch folgte. Die Bezeichnung "Skizzenbuch" darf allerdings nicht irritieren: Es handelte sich um detailliert ausgeführte Aquarelle, die allesamt auf Studien vor der Natur beruhen. Gerade diese Hinwendung zur Natur war es, die er von seinem Lehrer Friedrich Rottmann und seinem Betreuer Georg Wilhelm Issel vermittelt bekam. Entgegen den akademischen Traditionen sorgten beide sich bei der Erziehung Fohrs zum Künstler lediglich um die rudimentäre Ausbildung. Im Gegenzug bestärkten sie ihn in seinem Drang, die Natur in sich aufzunehmen und ohne reglementierende Zwänge wieder aus sich heraus auf das Papier zu bringen. Dieser "Zögling der Natur", wie Dieffenbach, sein erster Biograph, ihn bezeichnet, beschäftigte sich mit der Darstellung der Tiefburg in Handschuhsheim, die auf unserem Blatt zu sehen ist, in mindestens drei weiteren Arbeiten, einschließlich des Blattes, das Eingang in das Skizzenbuch fand. Alle zeigen den exakt gleichen Naturausschnitt, was darauf schließen läßt, daß Fohr sich bei der Wahl des richtigen Standpunktes bereits vor dem ersten Strich sicher war. Sein teilweise tagelanges Suchen in der Natur, ohne einen Strich zu tätigen, kommt hier deutlich zum Ausdruck.
In den anderen vorbereitenden Arbeiten erkennt man eine interessante Entwicklung innerhalb des Schaffens Fohrs. Seine künstlerische Aneignung der Natur begann mit der Verfeinerung seiner Fähigkeiten im Zeichnen mit der Feder. Schematisierung und malerische Wirkung zugleich werden durch unterschiedliche Dicke und Farbigkeit der Feder erreicht. Die Aneignung der strukturellen Eigenschaften des Natureindrucks steht hier im Vordergrund.
Die erste Studie zur Ruine von Handschuhsheim zeugt von diesem Verfahren, während die zweite Studie die weitere Entwicklung Fohrs vorbereitet. Das linearische Gerüst der Feder weicht einer mehr auf die Lichtwirkung konzentrierten, reinen Tuschpinselzeichnung. Unsere Arbeit verwendet eben diese Technik, allerdings ersetzt Fohr hier das Grau des Pinsels durch die erlebte Farbigkeit der Natur. Das Blatt des Skizzenbuches schließlich verbindet alle drei Vorarbeiten zu einer geschlossenen Einheit. Somit stellt unser Blatt nicht nur eine wichtige Neuentdeckung im Oeuvre Fohrs dar, sondern erhellt auch auf deutliche Weise seine Naturaneignung und ihre Umsetzung auf das Papier.