Franz Gareis

1775 Klosterfreiheit - Rom 1803

Klassische Anmut

Feder in Braun auf Papier, unten rechts in Bleistift bezeichnet: "Garreis de Dresde", verso weitere Figurenstudie, 218 x 335 mm

Franz Gareis' Schaffen ist geprägt von einer Dichotomie der Kunstauffassungen, denen er sich gegenüber sah. 1775 als Sohn eines Klostertischlers in einen katholischen Haushalt geboren, wurde ihm bereits früh die Kunst des Barock vermittelt, zu dessen Tonigkeit und Formvielfalt er sich stets hingezogen fühlte. Die erste Ausbildung erhielt er allerdings in Dresden seit 1791 durch Casanova, Schenau und Graff. Die beiden letzteren hatten zwar künstlerisch den größten Einfluß auf den jungen Gareis, doch Casanova öffnete ihm die Türen zu den oberen Gesellschaftskreisen. Zusammen mit Fürst Nikolai Putjatin reiste er zwischen 1795 und 1796 in das ehemals russische Narwa. Im folgenden machte er die Bekanntschaft mit Ludwig Tieck und verkehrte in Halle im Hause Johann Friedrich Reichardts, der ausgedehnte Kontakte zu den führenden Dichtern und Denkern der Klassik und Frühromantik unterhielt.

Bis 1799 hielt sich Gareis in Leipzig und Dresden auf, wo er auf der Akademieausstellung ein Gemälde mit Diana und Endymion präsentierte. Dies war das erste Bild Gareis', das ein mythologisches Thema behandelte. Die vorangegangenen Arbeiten schwelgten meist in barocker Tradition und Religiosität. Von nun an begann Gareis sich beständig auf den Klassizismus hinzuentwickeln, stets aber eine barocke Leichtigkeit im Stich mit sich führend, wie auch unser Blatt beweist. Die Komposition mutet zwar klassisch an, doch die Line genügt sich selbst in ihrem Spiel der eigenen Variation. Man spürt die Freude am Volumen und den Drang zur Bewegung.

Bevor sich für Gareis die prägende Möglichkeit einer Reise nach Paris ergab beteiligte er sich zusammen mit seinem Dresdner Freund Philipp Otto Runge 1801 an der Preisaufgabe Goethes, der erwartungsgemäß die eingereichten Arbeiten beider nicht prämierte. In Paris schließlich fand Gareis die verdiente Anerkennung, sein Stil wandte sich stärker dem Klassizismus unter stetiger Bekämpfung seiner barocken Veranlagung zu.

Unser Blatt gehört zu einer Gruppe gleich großer, ebenfalls in brauner Feder ausgeführten, Studien im Kunsthistorischen Museum Görlitz, die vermutlich aus den frühen Pariser Jahren stammen. Hier offenbart sich Gareis' Kunst als Synthese barock schwingender Linien und klassizistisch straffer Kompositionen.