Otto Greiner

1869 Leipzig - München 1916

Studie zu "Ganymed"

Rötel in zwei Farben auf Papier, unten signiert und datiert: "O. Greiner Rom. I.98.", 54,5 x 35,6 cm

"In seiner knappen, sicheren, charaktervollen Zeichnung und derben Phantastik ein echter Nachfolger Menzels". So äußerte sich mit Hochachtung der Weltmensch Harry Graf Kessler über Greiner, den die Verbindung zu Menzel mehr als geschmeichelt hätte, war doch dieser in Greiners bewegter Jugendzeit eine wichtige Stütze für sein noch wankendes Künstlergemüt. Greiners Weg zur Kunst führte ihn über eine erste Ausbildung als Lithograph nach München, wo er von 1888 bis 1891 unter Alexander Liezen-Mayer studierte. Daß er der Realität mit all ihren Eigenheiten und Unebenheiten verfallen war, erkannte er schon früh. Diese Liebe zur Natur blieb ihm sein Leben lang erhalten und sie sollte ihn zu ungeahnter Meisterschaft in der Zeichnung führen. Die Schärfe seiner Auffassung steigerte sich gerade durch seine zweite Leidenschaft, die Phantasie. Schon zu Studienzeiten brach sie immer wieder, zum Leidwesen seiner Lehrer, durch, so daß er bitten mußte: "Laßt mich bitte ab und zu ein Fäunchen machen". Ob ihm die Bitte gestattet wurde, wissen wir nicht. Den "Fäunchen" ist er aber treu geblieben.

1891 konnte Greiner sich endlich den langgehegten Wunsch erfüllen und zu einem Studienaufenthalt nach Rom reisen.

Hier machte er die Bekanntschaft Max Klingers, der von großer Bedeutung für ihn wurde. Auch der Freundeskreis um den Bildhauer Artur Volkmann, zu dem auch Hans von Marees und Adolf von Hildebrand gehörten, beeinflußte ihn maßgeblich, doch kämpfte der stets, den ihn oft bedrückenden Schatten Klingers abzustreifen.

Besonders gelang ihm dies in seinen Aktstudien, die zu den Besten ihrer Zeit zählen. Hier offenbart er ein untrügliches Auge für alle Methoden, die die Natur zum Prägen des Körpers verwendet. Es gelingt ihm eine Modellierung der Körper von atemberaubender und eindringlicher Präsenz, die gerade durch ihre unbedingte Realität den Betrachter fesseln. Das vorliegende Blatt ist ein vorzügliches Beispiel für diese Meisterschaft.

Es handelt sich um eine Studie zu der Radierung "Ganymed". Die Studie entstand zu Beginn seiner zweiten Rom-Reise im Jahre 1898, die ihn endgültig der "ewigen Stadt" verpflichten sollte.