Sigmund Hesselbach
Tätig um 1825 in Würzburg
Die Saale bei Bad Kissingen
Aquarell und Weißhöhung über Feder auf Papier, unten links signiert "S. Hesselbach fecit", verso bezeichnet: "Der Hirschheimer Garten in Kissingen", 191 x 292 mm
Über den Künstler und seine Lebensumstände ist wenig überliefert, nachweislich war er 1825 in Würzburg als Zeichner und Maler tätig. Neben Landschaftsbildern sind auch anatomische und naturhistorische Zeichnungen von ihm bekannt. Es spricht vieles dafür, daß er für einen Verlag oder eine größere Graphikwerkstatt tätig war.
Das hier gezeigte landschaftliche Motiv ist am Stadtrand von Bad Kissingen aufgenommen, mit der Fränkischen Saale im Vordergrund. Offenbar geht der Blick nach Norden, zu den Salinen mit dem Gradierwerk, die im Hintergrund auszumachen sind.
Kompositionell äußerst geschickt ist die sommerliche Landschaft ins Bild gesetzt:
Die Vegetation am rechten Saale-Ufer mit der hoch aufragenden Pappel bildet eine Dreieckskomposition. Entsprechend verbindet sich der Uferweg links mit der Kontur des aufsteigenden Hügels zu einer Keilform. Die beiden im Wasser stehenden Knaben ließen sich ebenfalls in eine weitere imaginäre Dreiecksform einschreiben. Durch diese Komposition ergibt sich an beiden Bildrändern ein Tiefensog in das Bild hinein, wo das Auge an der lang gestreckten Anlage des Gradierwerks zur Ruhe kommt.
Der plastisch gewölbte Felsen im Fluß schafft zwischen diesem Hintergrundmotiv und dem Vordergrund eine optische Spannung, wobei der Grasbewuchs auf dem Felsrücken den Kontrast farblich abmildert und mit dem fast parallel verlaufenden Rasenstreifen am rechten Flußufer korrespondiert. Des weiteren ließe sich eine imaginäre Linie von den Baumwipfeln und dem Hügel links über den Felsrücken bis zur rechten unteren Bildecke ziehen.
Diese Diagonallinien verebben am Horizont, wo sie in den Hügel- und Bergketten ruhig ausschwingen. In einer gegenläufigen Bewegung werden die Wolkenberge in den weiten Himmel hoch aufgetürmt, dabei die Diagonalbewegung der rechten Uferböschung wieder aufnehmend.
Das Aquarell, das vermutlich im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts entstand, ist in vielen Details, wie dem am Hügel angelegten Garten, minutiös und liebevoll ausgeführt. Der Bildaufbau und die lebendige Farbgebung zeigen das große handwerkliche Geschick Hesselbachs. Das Blatt ist somit mehr als nur die einfache Landschaftsvedute oder das für einen Kurgast geschaffene Erinnerungsbild.