Friedrich Christian Kallmeyer

1804 Dresden 1868

Carl Friedrich Wildenhain als verhinderter Maler

Bleistift, teilweise gewischt, auf Papier, bezeichnet links unten mit Bleistift: "den 13ten Sept. 1827", sowie rechts: "Wildenhein" und "Kleine Plauische Gasse No. 533. 2 Treppen", 250 x 203 mm

Weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen liegen bislang Lebensweg und Werk des vermutlich in Schlesien geborenen und längere Zeit in Dresden ansässigen Friedrich Christian Kallmeyer. Etwa ab 1820 hatte er an der Akademie in Breslau bei dem angesehenen Bildnismaler und Graphiker Johann Heinrich Christoph König studiert, zu dessen Schülern unter anderen der nachmalige Galeriedirektor in Karlsruhe Carl Friedrich Lessing zählte. In den Jahren um 1825 ging er nach Dresden und machte dort die Bekanntschaft einer ebenso faszinierenden wie skurrilen Persönlichkeit, des Privatgelehrten und dilettierenden Malers Carl Friedrich Wildenhain (1791- nach 1831). Ist über die Art ihres Verhältnisses auch nichts Näheres bekannt, so scheint Kallmeyer doch zu einem Kreis von Verehrern gehört zu haben, den der ältere Wildenhain vor allem unter jüngeren Malergenossen fand.

Nach Studienaufenthalten in Freiberg, Leipzig und Jena war der verarmte Pastorensohn Wildenhain (ebenfalls um 1825) nach Dresden zurückgekehrt, um in der Kunstmetropole eine Malerkarriere zu beginnen. Doch schon im Jahre 1830 mußte er sein Scheitern eingestehen: "Ungezählte Tage von Entbehrungen zu mat, auch nur den Stift zu führen oder mit erloschenem Auge die Farbentöne zu finden. (...) Ohne Gyps, ohne Kupfer und irgend eben erwünschteste Hülfsmittel, nicht Ein Monat Begnügung um Entwickeltes anzueignen oder Angefangenes durchzuführen. Eine Krankheit vollendete das Elend. Seitdem (4 Jahre nun) ohne Geld, ohne meine Papiere pp. endlich ohne Farben, Pallette, Pinsel, ohne einen Siz zum zeichnen."

In Wildenhain brannte das echte Gefühl verhinderter Künstlerschaft. Er scheute sich durchaus nicht, zur Veranschaulichung seiner Situation allerhöchste Zeugen aufzurufen und dabei einen "Rafael mit abgehauenen Händen, geblendeten Augen in einem Zustande lebendigen Verwesens" sich vorzustellen. Der Attitüde des aller seiner Mittel beraubten Künstlers verleiht Kallmeyer durch den auf Rembrandt zurückgehenden Bildnistypus eine besondere psychodramatische Note. Die kaum nur angedeutete, leicht vornüber gebeugte Gestalt, die halbverschattete Stirn, der von Wimpern sanft verhangene, etwas matte Blick aus "erloschenen Augen" ? alles Züge eines stumm leidenden, schöpferischen Intellekts. Das malerisch ausladende Samtbarett unterstreicht mit dem schwärmerischen Gestus altdeutscher Tracht den uneingelösten künstlerischen Anspruch.