Carl Robert Kummer

1810 Dresden 1889

Im Riesengebirge, um 1850

Öl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen, 265 x 475 mm

Die Ölskizze des Dresdner Landschaftsmalers zeigt eine Ansicht aus dem Riesengebirge, das gerade unter den sächsischen Künstlern wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus oder Ludwig Richter als Studienziel äußerst beliebt war. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die malerischen Reize des Riesengebirges, das mit seinem gigantischen Aufbau, seinen Tälern und Gipfeln, seinen Bauden, Kapellen und Ruinen die Maler lockte, erwandert. Erblickte die ältere Generation der Romantiker in der Gebirgslandschaft noch tiefe Wesens- und Seinsaspekte, so war bei den Künstlern um Robert Kummer der Blick bereits auf die reine Landschaft gerichtet, ohne sentimentalen Beiklang. Auffallend ist die wirkungsvolle, großzügige Auffassung, die ohne Staffagefiguren und seitliche Bildbegrenzungselemente auskommt. Eine klare Bildsprache und ein einfacher Bildaufbau sind die bestimmenden Merkmale dieser reizvollen Arbeit. Im Vordergrund sind im dichten Wald die für das Riesengebirge charakteristischen Bauden zu sehen. Dahinter erstreckt sich die weite Landschaft im matten Dunst. Durch das nuancenreiche Kolorit und die fein abgestimmten Tonwerte vermochte Kummer den herben Charakter dieser Natur authentisch wiederzugeben. Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Maler der Gestaltung des Himmels, der zwei Drittel des Bildes einnimmt. Er gehörte zeitlebens zu Kummers bevorzugten Studienobjekten, was noch aus seiner Ausbildungszeit bei Johann Christian Dahl herrührt. Bei ihm hatte Kummer, der das trockene Studium an der Dresdner Akademie nur widerwillig absolvierte, das Malen im Freien als willkommene Alternative zum akademischen Komponieren kennen gelernt und weiter vorangetrieben. Die Ölskizze ist frei von jedem Effekt, der gerade in den konventionellen Gebirgsbildern dieser Zeit besonders häufig gesucht wurde und überzeugt durch eine realistische Landschaftsauffassung .