Jakob Friedrich Peipers
1805 Elberfeld - Frankfurt am Main 1878
Die Faszination von Pompeji
Aquarell und Gouache auf Papier, auf altem Unterlagekarton bezeichnet: "Wandgemälde aus dem Hause der Bacchantinnen" und "gez. von F. Peipers Architekt 1826/32", 196 x 179 mm
Jakob Friedrich Peipers war von 1821 bis 1825 Schüler am Polytechnikum zu Karlsruhe und ließ sich später in Frankfurt am Main als Architekt nieder. Als Schöpfer zahlreicher Privatbauten in Frankfurt und Umgebung genoß er schon bald den Ruf eines renommierten Architekten, so daß ihm 1840 die Bauleitung für die Frankfurter Alte Börse nach Plänen von Friedrich August Stüler übertragen wurde.
Ein auffallendes Talent zeigte Peipers auch als Maler und Zeichner. Neben einer beträchtlichen Anzahl qualitätsvoller Architekturveduten, die höchst geschätzt waren und vielfach in Radierungen umgesetzt wurden, hielt er auf seinen Studienreisen durch Frankreich und Italien Landschaften und Alltagsszenen fest, die bis heute nichts von ihrem Reiz verloren haben. Einen hohen Stellenwert nehmen dabei die Aquarelle ein, welche Peipers in Pompeji fertigte. Daß diese Arbeiten für den Künstler von ganz besonderer Bedeutung waren, legt die Überlieferung nahe, die meisten dieser Blätter habe er bis zu seinem Tode selbst aufbewahrt.
Peipers Aquarell kündet von den erlesenen Farben, vom Detailreichtum und vom raffinierten Illusionismus der römischen Wandmalerei in Pompeji. Das Blatt zeigt ein Wandgemälde aus dem "Haus der Bacchantinnen". Auf dem satten Zinnoberrot der großflächigen Mittelzone erscheint das Bild einer gleichsam schwebenden römischen Gottheit, dem thronenden Bacchus mit Thyrsosstab und seinem Erfurcht erregenden Begleiter, dem Panther. Seitlich gestatten phantastische Architekturen Ausblicke auf einen imaginären Raum. Die in warmes Ocker getauchten Felder unterhalb dieser durchbrochenen Wandflächen zeigen groteske Masken, während Ornamente, Pflanzen, Tiere und Fabelwesen das rotbraun getönte Sockelfeld zieren.
Das mit der größten Sorgfalt ausgeführte Aquarell läßt nur erahnen, welch große Faszination Pompeji auf Peipers ausgeübt haben mag - jene antike Stadt, die bei einem Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. verschüttet und mit einer meterhohen Lavaschicht bedeckt wurde. Nachdem im 18. Jahrhundert größere Ausgrabungen stattfanden, gehörte der Besuch der einst so prächtigen Stadt im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Stationen der Bildungsreisenden aus ganz Europa. Auch Winckelmann, Goethe und Seume nahmen die Beschwerlichkeiten des Wegs auf sich, um die Ruinenfelder in Pompeji zu erreichen. Deren Reiseberichte, aber auch Peipers Aquarelle, verliehen dem untergegangenen Pompeji nach über siebzehnhundert Jahren wieder Gestalt.