Carl Rottmann

1797 Handschuhsheim - München 1850

Gosausee im Salzkammergut, um 1825

Aquarell in Grau und Blau über Feder und Bleistift auf Papier, verso weitere Landschaftsskizzen in Bleistift, Provenienz: Artaria, Wien19,2 x 25,2 cm

Wenn auch Carl Rottmann von frühester Kindheit an im Kreise der Heidelberger Romantik den Einflüssen eines Carl Philipp Fohr oder den nazarenischen Gedankenschwüngen, beflügelt durch die Sammlung der Gebrüder Boisseirée, ausgesetzt war, so prägte ihn doch nachhaltiger das intensive und unkonventionelle Farbenspiel und die Kraft des Lichtes in den Gemälden des Schotten George Augustus Wallis, der sich von 1812 bis 1815 in Heidelberg aufhielt. Gerade die Abwendung von der Hegemonie der Linie zugunsten des Lichtes sollte Rottmanns historische Landschaften bis an sein Lebensende bestimmen. Besonders in dem Griechenland-Zyklus für Ludwig I. verselbständigen und verdichten sich Licht und Farbe gleich einem Sturm, der losgelöst von jeglicher Lineatur über die Bildfläche fegt und auch vor dem Inhalt nicht Halt macht.

Die Dominanz der malerischen, auf Empfindung durch Licht zielenden Bildgestaltung manifestiert sich auch in dem vorliegenden Blatt Rottmanns, entstanden auf einer Reise im Salzkammergut. Es zeigt den Gosausee mit dem dahinter liegenden Dachstein-Gipfel. Rottmann behandelte diese Gegend mehrmals in seinem Werk, vornehmlich in den dreißiger Jahren. Neben den beiden bekannten Reisen in die Gegend um Salzburg in den Jahren 1822 und 1825 wird er vermutlich auch um 1830 weitere Reisen hierhin unternommen haben.

Die sparsam verwendeten Umrißlinien fügen sich nicht mehr zu einem einheitlichen Linienkomplex, sie umschreiben lediglich vage einen Bildraum, der durch den Einsatz verschiedener Schattierungen der Aquarellierung differenziert hervorgehoben wird. Die Überwindung der Linie reicht sogar soweit, daß diese selbst durch die Nässe des Pinsels verwischt wird, gleichsam Teil der Lavierung wird. Somit findet sich hier bereits die Tendenz zu den späteren, reinen Farbenströmen in seinen Gemälden, die die Linie obsolet werden lassen.