Carl Friedrich von Rumohr
1785 Reinhardtsgrimma - Dresden 1843
Leibkoch und Mundschenk Joseph König
Feder auf Papier, 335 x 203 mm
In Carl Friedrich von Rumohr geisterten, wie er selbst einmal sagte, viele Talente, denen er aufgrund gesicherter Verhältnisse als ein Dilettant im Goetheschen Sinne nachgehen konnte. Er war Kunsthistoriker und Schriftsteller, Sammler, Zeichner und Maler sowie Agrarhistoriker und Diplomat. Auch in den Belangen der Küche und des Tisches ein leidenschaftlicher Dilettant betätigte er sich neben mannigfaltigen gelehrten Zeitvertreibungen als Gastrosoph. Manchem seiner Zeitgenossen gingen seine Eßlust und seine Schwärmerei für die Küche gar zu weit. So befand Caroline Schlegel 1808 in einem Brief an Pauline Gotter: "Es läßt sich gar nichts über seine Ansicht der Küche sagen, nur ist es abscheulich, einen Menschen über einen Seekrebs ebenso innig reden zu hören wie über einen kleinen Jesus." Mit dem 1822 bei Cotta zunächst unter dem Namen seines Kochs, Joseph König, erschienenen "Geist der Kochkunst" verfaßte Rumohr ein unterhaltsam-brillantes Handbuch, das die europäische Küche erstmals auf ihren natürlichen Boden stellte und die veraltete Schmorküche reformieren sollte.
Nach seiner Rückkehr aus Italien im August 1821 hatte Rumohr das Manuskript in München fertiggestellt. Im August 1822 schrieb er seinem Verleger: "An die Kupferstiche will ich jetzt unverzüglich gehen. Wenigstens mit dem Porträt hoffe ich fertig zu werden." Zwar wurde aus der geplanten Illustration des Werkes nichts, doch es haben sich Studien erhalten, zu denen auch unser Blatt zählt. Es zeigt Joseph König, ausstaffiert mit einer Kochmütze. Der dunkle, fast schwermütige Blick erinnert daran, daß König zu jener Zeit bereits schwer erkrankt war und wohl noch vor der Veröffentlichung des Buches starb. Eine weitere Tuschzeichnung in der Staatlichen Graphischen Sammlung München zeigt ihn, wie er vor einem leeren Teller sitzt und ein gefülltes Champagnerglas erhebt.
Joseph König fand wahrscheinlich im Frühjahr 1815 bei Rumohr als Koch und Bediensteter Anstellung. Er ließ Frau und Kinder in München zurück, um ihn auf seinen langen Reisen zu begleiten. Die Lebenserinnerungen der Malerin Louise Seidler enthalten die Skizze eines Essens in Rumohrs Villa in Florenz: "Während jener Tafel wurden Kunstgegenstände besprochen; dazwischen zeichnete Baron von Rumohr auf kleinen Stückchen Papier mit flinker Hand eine Menge der ergötzlichsten Karikaturen; (...) Die Aufwartung bei Tisch versah ein (...) sehr gewandter Mensch, der zugleich als Koch fungierte, dabei aber gebildet genug war, um häufig mit seinem Herrn dessen Lieblingsspiel, das Schach, spielen zu können."