Julius Schnorr von Carolsfeld
1794 Leipzig - Dresden 1872
Jesus und die Sünderin
Feder über Bleistift auf Papier, 21,7 x 25,9 cm;
aus der Sammlung Johann Georg von Sachsen
"Der beste deutsche Zeichner des 19. Jahrhunderts" wie Ludwig
Richter ihn in seinen Lebenserinnerungen nannte, erhielt seine erste Ausbildung von seinem Vater bevor er ab 1811 in Wien studierte, wo er Joseph Anton Koch und Ferdinand Olivier kennen lernte.
Angezogen von den Ideen der Nazarener ging er nach Rom, wo er von 1818 bis 1827 als Kopf des protestantischen Flügels der Nazarener lebte und arbeitete. 1825 wurde er von König Ludwig I. an die Münchner Akademie berufen und mit der Ausmalung der Münchner Residenz beauftragt.
Durch nahezu sein gesamtes Schaffen ziehen sich die Arbeiten für die Bilderbibel.
Schnorr greift damit eine Idee auf, die Overbeck bereits entwickelt hatte. Er wollte in klaren und eindringlichen Bildern die Botschaften der Bibel dem einfachen Volk näher bringen. Ohne Auftraggeber oder Verleger verfolgte Schnorr dieses Ziel bis die Bibel schließlich
mit 240 Holzschnitten versehen zwischen 1852 und 1860 zum ersten Mal veröffentlicht und bis weit ins 20.Jh. hinein immer wieder neu aufgelegt wurde. Diese Bibelillustration prägte entscheidend das Bild von der nazarenischen Zeichenkunst.
Mit Blick auf die Bibelausgabe zeichnete Schnorr alle Blätter im selben Format (22 x 26 cm).
Bereits 1818 entstehen erste Zeichnungen für dieses umfassende Lebenswerk, Schnorr von Carolsfeld entwickelte einen äußerst präzisen und feinen Strich, der auch in diesem Blatt heraussticht.
Die Zeichnung des bekannten Themas "Jesus und die Sünderin" ist mit ihren klaren sauberen Linien und den lebendigen Hell-dunkel Kontrasten bereits für die Umsetzung in den Holzschnitt angelegt.
Vor einer schlichten Architektur sitzen im Freien fünf Personen, die sich in zwei Gruppen teilen lassen: links im Vordergrund Jesus, der segnend seine Hände über die kniende Sünderin hält und rechts drei bärtige Männer an einem Tisch, die die Szenen nachdenklich beobachten. Schnorr hält sich recht genau an die Bibelstelle, indem er die Szene im Haus des Pharisäers spielen läßt und sogar den Topf mit Salböl, den die Frau mitbringt, darstellt.
Schnorr von Carolsfelds Leistungen für die Zeichenkunst im Bereich Landschaft, Portrait, Akt und Illustration sind kaum zu überschätzen.