Johann Baptist Seele

1774 Meßkirch - Stuttgart 1814

Die Bekanntschaft am Brunnen

Gouache auf Papier; 33,3 x 21,4 cm

Johann Baptist Seele, ab 1804 Hofmaler von Kurfürst (später König) Friedrich I. von Württemberg, war als Genremaler seinerzeit eine bekannte Größe. Seele, aus einfachstem Soldatenmilieu stammend, hatte in der Zeit der Revolutions- und napoleonischen Kriege gerade auch triviale Randerscheinungen der unruhigen Zeit geschildert. Im Rahmen dieser Bestrebungen entwickelte er eine unverkennbare, eigenwillig früh-realistische künstlerische Handschrift.

Als beispielhaft für eher idyllische Formulierungen aus diesem Motivkreis erweist sich die um 1804 entstandene "Bekanntschaft am Brunnen". An dem klassizistischen Brunnen mit der lächelnden Satyrmaske sind zwei wasserholende Mägde mit zwei Burschen ins Gespräch gekommen. Einer der Burschen hat bereits die Hand auf die Schulter des Mädchens gelegt, die sie ergriffen hat. Das andere Paar tauscht Blicke.

Begegnungen am Brunnen findet man in der Genremalerei des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten als erotisches Thema. Es sei vor dem Zeithintergrund jedoch auch auf das 1798 erschienene, zur Zeit der Revolutionskriege spielende Versepos »Hermann und Dorothea« von Johann Wolfgang von Goethe verwiesen, das in kurzer Zeit sehr bekannt wurde. Goethes Schilderung einer Begegnung am Brunnen beschwört vergleichbare Bilder, wenn auch in einer verhalteneren Stimmung.

Die Gesamtkonzeption wirkt ruhig und geschlossen, auf eine zurückgenommene Weise idyllisch. Mischungen aus kühlen Blau- und Grüntönen knüpfen an frühere farbliche Lösungen an, doch nun eher dekorativ vorgetragen.

Das Motiv der »Bekanntschaft am Brunnen« scheint sich einer großen Beliebtheit erfreut zu haben, denn J. B. Seele schuf mehrere, teils differierende Fassungen. Dem vorliegenden Blatt am nächsten steht ein Aquarell - und Deckfarbenblatt in der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart; sehr ähnlich ist auch die Ausführung in Öl im Kurpfälzischen Museum Heidelberg.