Johann Alexander Thiele

1685 Erfurt - Dresden 1752

Der Schneeberg in der Böhmischen Schweiz

Öl auf rot grundierter Leinwand; 19,8 x 23,5 cm

"Ich, Johann Alexander Thiele, königl. Pohlnischer HoffCommissarius, bin auch königl. Hof u. Prospect Mahler...". Mit diesen einfachen und selbstbewußten Worten beginnt Thiele seine Autobiographie aus den letzten Jahren seines Lebens. Doch der Weg hin zu einem der bedeutendsten und einflußreichsten Landschaftsmaler seiner Zeit, besonders unter König August III. von Sachsen und dessen Minister Graf Heinrich von Brühl, begann in bescheidenen Verhältnissen als Buchdrucker. Gerade diese Befähigung, sowie seine "ganz besondere Neigung zu der Mahlerey" öffneten ihm bald die Türen zum Kunstbetrieb. Seine früheste und nachhaltigste Beeinflussung empfing Thiele durch die berühmten Kabinettstücke Christoph Ludwig Agricolas (1667-1719), die durch ihr gekonntes Lichtspiel und den Umgang mit atmosphärischen Sonderheiten in Anlehnung an Lorrain bestechen.

Entscheidend für Thieles weitere Entwicklung sollte sein Übersiedeln nach Dresden im Jahre 1714 werden. Hier prägten besonders Ismael Mengs (1688-1764) und Adam von Mányoki (1673-1756) sein künstlerisches Schaffen und schon bald avancierte Thiele zu einem der gefragtesten Landschaftsmaler, nicht zuletzt durch den ersten, 1716 erteilten Auftrag von August II. Trotz einiger innerhöfischer Intrigen, die seine feste Anstellung untergruben, genoß Thiele das Privileg mehrfach persönlich mit August II. zu sprechen, eine Ehre, die seine hohe Stellung deutlich bezeugt. Dennoch bewogen private Gründe und das Ausbleiben des Titels als Hofmaler Thiele im Jahre 1726 Dresden zu verlassen und nach Arnstadt zu ziehen. Hier erreichte er nun durch Fürst Günther I. von Schwarzburg-Sondershausen die ersehnte Anstellung am Hofe.

Im Jahre 1738 kehrte Thiele dann, vermutlich dem Engagement Graf Brühls geschuldet, als königlicher Hofmaler zurück nach Dresden.

Neben den außergewöhnlichen Prospekten widmete sich Thiele stets dem landschaftlichen Kabinettbild, wie es in dem hier vorliegenden Werk zu finden ist. Es zeigt die für Thiele so charakteristische, amorphe Struktur des Waldes und die ineinander verschlungene Schichtung der Bildebenen, sowie ein zartes Spiel des Lichtes mit den einzelnen Konturen. Auch die Staffagefiguren fügen sich in ihrer getupften Malweise und leicht überlängten Wiedergabe in die Kabinett-Inventionen Thieles ein.

Auch verbindet Thiele in diesem Werk Invention und Realität, indem er den Blick auf den Schneeberg der Böhmischen Schweiz vom rechtselbischen Ufer in der Höhe von Bad Schandau aus durch eine erfundene Waldlandschaft mit Brücke einrahmt.