Albert Venus

1842 Dresden 1871

An den Gestaden des Albaner Sees

Öl auf Leinwand, verso Etikett mit Provenienz: Wolfgang Müller - Dresden, 35 x 57 cm

Albert Venus ist einer der begabtesten Maler in der Nachfolge Ludwig Richters. In seinem Tagebuch nennt Richter selbst ihn "einen meiner liebsten und talentvollsten Schüler", K. Heyden in seinem Gedächtnisaufsatz von 1932 sogar "Richters besten Schüler". Angesichts der erstaunlichen Qualität besonders seiner Landschafts-Ölstudien ist es um so weniger verständlich, daß sein Werk lange Zeit vergessen war. Der Grund dafür ist vermutlich, daß das Oeuvre des Frühverstorbenen relativ schmal blieb und nur wenige ausgeführte Gemälde enthält.

Venus war seit 1858 Schüler der Dresdener Kunstakademie und arbeitete 1859 bis 1866 in Ludwig Richters Atelier. 1866 kam der vierundzwanzigjährige mittellose Studiosus mit einem Stipendium der sächsischen Prinzessin Amalie erstmals nach Italien, wo er ein knappes Jahr verweilte. Hier erfuhr der bis dahin streng dem linearen Stil seines Meisters Verpflichtete eine bemerkenswerte Wandlung zum malerischen Sehen. Ein zweiter Italienaufenthalt von Januar bis November 1869 - diesmal mit dem Großen Sächsischen Staatsstipendium - bestärkte ihn auf seinem künstlerischen Wege.

Beide Male hat sich Venus in jener malerischen Berglandschaft südöstlich von Rom aufgehalten, die für Ludwig Richter-Schüler durch des Meisters Besuche in den Sommern 1824 und 1825 "geweiht" war. Venus weilte vom 1. Juli bis 4. September 1866 in Albano, einem Bergstädtchen oberhalb des Albaner Sees. Dort, auf dem Hochufer des Sees war des Künstlers Standort, als er dieses Bild malte.

Bewundernswert ist die malerische Frische und Spontaneität, mit der Venus den Eindruck eines Sommermorgens farblich erfaßt hat. Dazu trägt selbst das Infinito der nur locker angelegten Partie am unteren Bildrand bei. Sensible Stufungen zwischen Grün, Braun und Violett zeigen, wie unmittelbar sich der junge Künstler auf sein Auge verlassen hat. Das Phänomen des südlichen Lichtes muß ihn ähnlich wie Jahrzehnte zuvor Karl Blechen beeindruckt haben. Solch malerische Auffassungen wie auch die Vernachlässigung der klassischen Kompositionsregeln führten Venus freilich von der Richterschen Schultradition hinweg, verhalfen ihm aber zu eigenwilliger Profilierung. Mit seiner Hinwendung zu Farbe und Licht fügt er sich in jene progressive Entwicklung, die letztlich zum Impressionismus hinführte.

Das Gemälde gehörte dem Dresdener Maler Wolfgang Müller (1877-1949), dem Sohn des Richter-Schülers und Freund von Venus Carl Wilhelm Müller.

Hans-Joachim Neidhardt