Joseph von Führich
1800 Kratzau in Nordböhmen - Wien 1876
Hagar und Ismael in der Wüste
Bleistift und Aquarellierung in Braun und Grau auf Papier, 30,6 x 37,4 cm
Nach einer Ausbildung bei seinem Vater, dem Landschaftsmaler und
Steinmetz Wenzel Führich, studierte Führich an der Prager Kunstschule,
wo ihn vor allem die Zeichnungen Albrecht Dürers und die
Auseinandersetzung mit romantischer Dichtung (Novalis, Tieck,
Wackenroder) prägten. Fürst Metternich vermittelte ihm aufgrund
seines Radierzyklus zu Ludwig Tiecks "Genoveva", der größte
Beachtung fand, ein Italienstipendium.
Seine Italienreise im Januar 1827 machte ihn mit dem Kreis der
Nazarener in Rom bekannt, wo er sich 1827 bis 1829 vor allem mit
dem katholischen Flügel der Nazarener um Friedrich Overbeck
anfreundete.
Das Blatt fällt vermutlich in diese römischen Jahre. Es ist sparsam in
zarten Braun- und Grautönen laviert und zeigt in Anlage der Figuren
und der Gesamtkomposition Führichs früh entwickelte Meisterschaft.
Besonderes Gewicht legt er auf eine lebendige Gestaltung der
Gewänder und feine aber ausdrucksstarke Gesichter.
Dargestellt ist eine Szene aus dem Alten Testament, in der die von
Abraham in die Wüste getriebene Hagar und ihr Sohn Ismael, die zu
verdursten drohen, von einem Engel gerettet werden. (1. Buch Mose
16-21)
In einer kargen Landschaft liegt Hagar an eine Palme gelehnt, auf
ihrem Schoß der verdurstende Ismael. Von rechts schwebt der Engel
mit dem rettenden Wasserkrug heran.
Führich faßt die Szene in einer harmonisierenden Ovalkomposition
zusammen. Der Bogen spannt sich vom ausgestreckten Bein der
Hagar über ihren Körper, die Palmwedel, den Flügel des Engels und -
etwas abgestuft - den Strahl des fließenden Wassers. Das Bildzentrum
bleibt leer und öffnet dem Betrachter den Blick in die Tiefe der
unwirtlichen Landschaft.
1829 reist Führich nach Neapel und Capri und kehrte schweren
Herzens nach Prag zurück, bevor er 1834 Kustos an der Gemäldegalerie
der Wiener Akademie, 1840 Professor für geschichtliche
Komposition und ab 1851 Leiter einer Spezial-Meisterschule für
Malerei an der Akademie wurde. Der Freskenzyklus in der Altlerchenfelder
Kirche bei Wien veranlaßte Kaiser Franz Joseph. I.
gar dazu, Führich in den Ritterstand zu erheben.
Vor allem durch seine zahlreichen Reproduktionsfolgen, seine große
Zahl an Schülern und seine Aufträge für Kirchen und öffentliche
Gebäude hat Joseph Führich die nazarenische Schule in Österreich-
Ungarn stark geprägt und gehört nach Overbeck mit Eduard von
Steinle und Leopold Kuppelwieser zu den bedeutendsten Vertretern
der Nazarener in Österreich.