Wilhelm Hensel

1794 Trebbin - Berlin 1861

Die Auferweckung des Lazarus, vor 1828

Bleistift; am oberen und unteren Blattrand Reste von Buchblock-Vergoldung; auf Montagekarton von fremder Hand bezeichnet: "Skizze von Wilhelm Hensel"; rückseitig bezeichnet: "Geschenk von Martha Mendelssohn - Percha bei Starnberg - 1949" ; 19,7 x 23,2 cm

Unter den Schilderungen der Heilungen und Totenerweckungen desNeuen Testaments nimmt die bei Johannes (11,1 - 44) geschilderteAuferweckung des Lazarus eine herausragende Stellung ein. Kaum eine Auferweckungsszene ist in der bildenden Kunst so gerne dargestellt worden wie die des Lazarus.

Unsere Zeichnung gehört zu den sehr frühen Arbeiten Wilhelm Hensels. Sie muß vor 1828 entstanden sein, da sie noch nicht in den Aufzeichnungen der Frau des Künstlers aufgeführt ist. Fanny Hensel geb. Mendelssohn Bartoldy führte seit 1829 detailliert Buch über die Arbeiten ihres Mannes.

Der Sohn des Künstlers, Sebastian Hensel, legte nach dem Tod seines Vaters Alben an, in denen er die zahlreichen Zeichnungen unterbrachte.

Unsere Zeichnung stammt aus dem zweiten dieser Alben, die sich heute im Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek Berlin befinden. Die Alben wurden von den Schwestern Mendelssohn in deren Haus am Starnberger See aufbewahrt. Gelegentlich entfernten sie einige Blätter daraus, um sie zu verschenken oder zu verkaufen. Auf diese Weise muß auch diese Zeichnung in Umlauf gekommen sein. Hensel fertigte für seine Gemälde stets eine größere Anzahl von Entwürfen an. So steht auch unser Blatt in einer Reihe mit Detail- und Kompositionsskizzen.

1811 begann Wilhelm Hensel, der Sohn eines protestantischen Geistlichen, das Kunststudium an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Bereits im Jahr darauf war Hensel auf der Akademie-Ausstellung mit eigenen Arbeiten vertreten. Aber schon bald darauf zog er als glühender Patriot in die Befreiungskriege aus denen er 1815 als Leutnant zurückkehrte. Schon 1816 konnte man neue Werke Hensels bewundern. 1819 erhielt Hensel den lukrativen Auftrag, sich an der Ausmalung des unter Karl Friedrich Schinkel wiederaufgebauten Berliner Schauspielhauses zu beteiligen. Im Oktober 1820 erhielt er ein Stipendium für eine Reise nach Italien.

Im Herbst 1823 schließlich machte Hensel sich über Marienbad und Wien auf nach Rom. In Rom war er unzertrennlich mit dem Malerkollegen August Grahl verbunden und verkehrte mit den deutschen Künstlern in der Casa Bartholdy. 1828 kehrte er nach Berlin zurück und begann eine unaufhaltsame Karriere als Künstler und Portraitist der Berliner Gesellschaft.