Gustav Heinrich Naeke
1786 Frauenstein - Dresden 1835
Sitzender Jüngling
Bleistift und Weißhöhung auf Papier, unten rechts
fremd bezeichnet: "Prf. H. Näcke", verso weiter Kompositionsskizze,
50,2 x 36,4 cm
Auch wenn Heinrich Naeke in der Rezeption der Kunst der Nazarener nie die ihm gebührende Aufmerksam erhalten hat, so sollte dies nicht über seine bedeutende Stellung innerhalb des Bundes hinwegtäuschen. Nahezu zeitgleich mit seinem bekannteren Kollegen Schnorr von Carolsfeld traf der Sachse im Jahre 1817 in Rom ein. Bald schon wurde sein zeichnerisches Können, welches er im Palazzo Caffarelli meisterlich unter Beweis stellte, von vielen bewundert und gelobt.
In diese frühe Zeit in Italien fällt vermutlich auch unsere großformatige Aktstudie, die deutliche Parallelen zu zeitgleichen Zeichnungen Schnorrs und anderer "Kapitoliner" aufweist. 1820 erhielt er schließlich von Gottlob von Quandt den bedeutenden Auftrag zu dem Gemälde "Die Heilige Elisabeth spendet Almosen", wovon wir den Stich von Ernst Stölzel präsentieren können. Schnorr war es auch, der dem Naumburger Domherr von Anspach Naeke als fähigen Künstler für den neunteiligen Zyklus zum Leben und Leiden Christi empfahl. In diese Zeit der intensiven Geschäftigkeit fiel auch das Angebot, an den Fresken des Casino Massimo mitzuarbeiten. Zwar hätte ihm dieser Auftrag mit Sicherheit zu mehr Nachruhm verholfen, doch Naekes sensible Veranlagung und sein bedächtiger und zeitintensiver Arbeitsrhythmus ließen ihn von dem Angebot Abstand nehmen.
Bereits 1824 kehrte er als Akademielehrer nach Dresden zurück, wohin er die Grundgedanken des Nazarenertums mitnahm und einer breiteren Öffentlichkeit näherbrachte. Naekes Meisterschaft manifestiert sich, wie bei so vielen Nazarenern, in dem Medium der Zeichnung, das er exzessiv betrieb.
Die Linie als letzte und ureigenste Bastion der Wahrheit und somit als grundlegendes und kaum zu übertreffendes Ausdrucksmittel nazarenischen Gedankentums kultivierte Naeke wie kaum ein zweiter. In dieser Tradition sind auch seine, durch ihre Reduktion bestechenden Architekturzeichnungen zu sehen. Deutlich zu erkennen ist Naekes Interesse für das Detail, herausgelöst aus Kontexten und Bezüge. In größeren Kompositionen, wie dem Gemälde der Heiligen Elisabeth, verwendet er diesen Blick für die Einzelheit um hieraus eine Gesamtkomposition zu schaffen, in der sich alles wieder zu einem Mikrokosmos neuer Gestalt verbindet. Die Objekte, die der Künstler vorher mit dem Auge und dem Stift aus der Umgebung aufgesaugt hat geraten im künstlerischen Umwälzungsprozeß zu einer neuen Existenz.