Eduard von Steinle

1810 Wien - Frankfurt am Main 1886

Kopf eines Schergen

Bleistift auf Papier, bezeichnet: "Kopf eines Schergen im Schloss zu

Reineck - Zum Wandgemälde" und "Die Enthauptung Johannes des Täufers

Schloßkapelle Reineck", 43 x 26,9 cm

Eduard Jakob von Steinle gehört zu den Spätnazarenern. Als er geboren wurde war der Lukasbund in seiner Heimatstadt bereits gegründet und nach Rom übergesiedelt. Er nimmt die nazarenische Arbeitsweise auf und führt sie bis weit in die letzten Jahrzehnte des 19Jh. fort. Als er seine letzten Fresken im Frankfurter Opernhaus und im Dom fertig stellt (1878-1885) bestimmten bedeutende Vorreiter der Kunst des 20. Jahrhunderts das zeitgenössische Kunstschaffen. Eduard Manet war schon gestorben und Paul Cezanne und Claude Monet hatten viele ihrer Meisterwerke bereits geschaffen.

Zu Beginn seiner Karriere traf Steinle - nach dem Studium an derWiener Akademie und einer Ausbildung bei Leopold Kuppelwieser - 1828 in Rom unter anderem auf Friedrich Overbeck und Joseph Führich. Diese Begegnung mit dem katholischen Flügel der Nazarener und vor allem der Einfluß Overbecks wurde für sein ganzes Leben prägend.

1839 übersiedelt Steinle nach Frankfurt und schließt sich dort dem Nazarenerkreis um Philipp Veit an, durch dessen Zuspruch er 1850 Professor für Historienmalerei am Frankfurter Städel wird. Seit 1840 erhielt er zahlreiche umfangreiche öffentliche Aufträge wie die Fresken im Chor des Kölner Doms (1842-45) oder im Treppenhaus des Kölner Wallraf-Richartz-Museums (1861-79). Sein Leben lang beschäftigt er sich ganz im Geiste der Nazarener mit biblischen Darstellungen, heroischen Kostümbildern, Andachtsbildern und Allegorien.

Der schöne Profilkopf fällt in eine Zeit, in der Peter Cornelius für Steinle große Bedeutung hatte. Bereits im Herbst 1838 war er unter der Leitung von Cornelius in der Münchner Ludwigskirche tätig und wurde dort von ihm in der Freskotechnik unterrichtet. Als Steinle Cornelius kennen lernte, war er mit Wandbildern für die Kapelle der Burg Rheineck bei Breisig (1837-40) beschäftigt, in dessen Zusammenhang der vorliegende Kopf eines Schergen entstanden sein muß. Mit wenigen Umrißlinien gelingt es Steinle dem Profilkopf Charakter sowie durch Andeutungen von Rüstung und Helm einen martialischen Ausdruck zu verleihen. Mit seinem umfangreichen Werk, das neben Gemälden und Zeichnungen auch Entwürfe für Skulpturen, sakrales Gerät oder Glasfenster umfaßt, fungiert er gewissermaßen als Stadthalter der Nazarener im ausgehenden 19. Jahrhundert.