Alexander Straehuber

1814 Mondsee - München 1882

Das Dankopfer des Noah

Bleistift auf Papier; aus der Slg. Engelbrecht/Lanna; 20,2 x 14,6 cm

Als die von Noah losgeschickte Taube mit einem Ölzweig im Schnabel zurückkehrte, wußte er, daß die Wasserflut vorüber war und er bald wieder mit seiner Familie die Arche verlassen und den sicheren Boden betreten konnte. Er verließ die schützend schwimmende Insel und errichtete auf festem Grund einen Altar und opferte seinem Gott.

Eben diese Taube findet sich auch in Straehubers Zeichnung wieder. Mit einer feinen und dezenten, fast kupferstichartigen Schraffur stellt Alexander Straehuber die Szene in einem Moment von intensiver Bewegung dar. Die Figur Gottes schießt gleichsam aus den Rauchschwaden hervor. Sein Bart weht. Die einen fallen ehrfurchtsvoll auf die Knie, die anderen Blicken voll Verblüffung, fast erschreckt, zum Herren hinauf. Doch dieser wendet sich mit dem Segensgestus an Noah und erlöst die Menschen von dem Unglück.

Die Komposition ist durchzogen von sich emporschlängelnden Linien, die den Blick zu Gott hinleiten. Straehuber stellt die Szene zwar auf klassische Weise, wie auch sein Lehrer Julius Schnorr von Carolsfeld, im Sinne des nazarenischen Bildgedankens dar, doch die Dichte der Komposition und die Energie widersetzen sich dem ursprünglichen Ziel der Nazarener, der Askese und der Ruhe der Malerei. Die vielmehr manieristisch gewundenen Glieder und Gewänder der eng aneinander gruppierten Personen stellen den religiösen Charakter hinter die Dynamik der Komposition. Straehuber entwarf seit 1839 mehrere Illustrationen zu religiösen Themen, zum Beispiel für die so genannte Cottasche Bilderbibel von 1848. Er avancierte bald zu einem der gefragtesten Illustratoren seiner Zeit. Berühmt war er nicht nur für seine Leichtigkeit und Feinheit, die er in seine Entwürfe legte, sondern auch für seine Holzschnitte, die er fast immer persönlich auf den Holzblock zeichnete und so den einmaligen Charakter der Zeichnung gleichsam mit in den Block schnitt. So kam es denn auch, daß "Schnorrs bester Schüler" den Auftrag erhielt, die Zeichnungen des Meisters für dessen Nibelungenlied auf das Holz zu übertragen. Seit 1868 war Straehuber selbst zum Professor der Münchner Akademie aufgestiegen, wo Künstler wie Wilhelm Leibl von seinem genialen Können profitierten.