Johann Wolf

1749 Frain /Mähren - Wien 1831

Der Maler Stella im Gefängnis

Federzeichnung, weiß gehöht, auf braunem Papier, 28,8 x 40 cm

Über das Leben von Johann Wolf ist sehr wenig bekannt. Er ist aber mit Sicherheit dem frühen Nazarenerkreis in Wien zuzuordnen. Der Künstler entfaltet auf dem bräunlich getönten Blatt eine figurenreiche Szene in einem düsteren Kerkerraum. Dargestellt ist der Maler Stella, der im Gefängnis vom Richter überrascht wird, wie er gerade eine Madonna auf die Gefängnismauer malt, deren Anblick auf mehrere Gefangene einen solchen Eindruck machte, daß sie auf der Stelle ihre Schuld bekannten und zusammen mit dem Maler in Freiheit gesetzt wurden. Auf einem Podest kniet ein Maler und zeichnet eine Madonna mit dem Christuskind auf dem Arm an die Wand. Ein angeketteter Gefangener im Vordergrund kniet mit erhobenen Händen nieder. Der Gefängniswärter, der sich offensichtlich im Gespräch mit einem Richter und einer weiblichen, edel gekleideten und bekrönten Figur befindet, deutet auf die Szene hin.

Um in der dunklen Umgebung die Volumen der Körper hervortreten zu lassen, arbeitet der Zeichner sehr stark mit Weißhöhungen und starken Schlagschatten, so daß in der Figur des Wärters der Eindruck schummriger, flackernder Beleuchtung entsteht. Inhaltlich ist es ein Thema, das den Nazarenern sehr entgegen kam, denn die erneute Zuwendung zum Christentum nach dem Rationalismus der Aufklärung war ihnen zentrales Anliegen. Besonders Overbeck sah in der Kunst einen Weg zur christlichen Erziehung des Menschen. Die Kunst sollte ausschließlich der Verbreitung religiöser Inhalte dienen. Ihr wurde also eine klare gesellschaftliche Aufgabe übertragen. Die Kunst sollte dadurch eine ganz neue und viel stärkere Verankerung in der Gesellschaft erfahren als zuvor. Der missionarische Aspekt, der von der Kunst erwünscht wird, erscheint hier wörtlich genommen und illustriert.