François-Marie Suzanne
geb. um 1750 in Paris
Jean-Jacques Rousseau
Bronze auf Marmorsockel; keine Gießermarken; zweite Hälfte 19. Jahrhundert; Höhe 36 cm (ohne Sockel)
Dem Journal de Paris war François-Marie Suzannes Rousseau-Statuette schon in ihrem mutmaßlichen Entstehungsjahr 1790 eine wohlwollende Rezension wert. Der anonyme Schreiber bemerkte ihre verblüffende Ähnlichkeit und Naturtreue, würdigte die Haltung und lobte die äußerst sorgsame Ausführung des Modells.
Das Lob galt nicht dem Rousseau allein, sondern auch seinem Gegenstück in Form des Voltaire. Tatsächlich hatte Suzanne neben Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) und Voltaire (1694-1778) aber noch einen weiteren großen Denker seines Landes plastisch verewigt: den Politiker und Publizisten Mirabeau (1749-1791). Am 11. Juli 1792 vermachte Suzanne die drei Gipsentwürfe der Assemblée législative als Zeichen seiner Wertschätzung zum Geschenk, um eine ehrenvolle Erwähnung davonzutragen.
François-Marie Suzanne war um 1750 in Paris zur Welt gekommen und Schüler an der Académie Royale. Mit fünfundzwanzig Jahren erhielt er den 2. Preis der Bildhauerklasse, drei Jahre später, 1778, den Rompreis. Seine Darstellung des Schriftstellers und Philosophen Rousseau soll sich einem Rezensenten in den Annales de la Société Jean-Jacques Rousseau zufolge "la plus grande popularité" erfreut haben. Davon zeugen nicht zuletzt die in verschiedenen Größen nach Suzannes Modell hergestellten Gips- und Bronzestatuetten, von denen wir hier eine vorstellen.
Suzanne gibt Rousseau in schreitender Haltung wieder. Den linken Fuß hat er vor den rechten gestellt, der gerade in der Vorwärtsbewegung verharrt. In der erhobenen linken Hand hält der Philosoph seinen Spazierstock, in der herabgesunkenen Rechten eine Schriftrolle als Anspielung auf seine Profession. Indem er den enthusiastischen Wanderer und Naturliebhaber Rousseau als Spaziergänger porträtierte, traf Suzanne ihn in seinem glücklichsten Zustand. Nichts schätzte Rousseau nach eigenem Bekunden mehr als "die Zeiten meiner Zurückgezogenheit, meine einsamen Spaziergänge". Der Spazierstock wurde zum Markenzeichen. Mehrere Künstler bildeten den Gelehrten beim Aufenthalt in der Natur ab (etwa Jean Michel Moreau le Jeune und Georg Friedrich Mayer).
Die Skulptur zeigt den alternden Rousseau. Im Glauben, von seiner Umwelt nicht verstanden und angefeindet zu werden, lebte er in seinen letzten Jahren zurückgezogen. Wenige Wochen vor seinem Tod zog er mit seiner Frau Thérèse auf das Landgut Ermenonville im Norden von Paris zu seinem letzten Gönner, René de Girardin. Sein unvollendet gebliebenes, autobiographisches Alterswerk trägt nicht ohne Grund den Titel "Träumereien eines einsamen Spaziergängers". Suzannes Skulptur verbildlicht über die Attribute Spazierstock und Schriftstücke zwei zentrale Leidenschaften Rousseaus: das Leben in der Natur und die geistige Arbeit.