Rolf Escher

  • 1936 am 04. September geboren in Hagen, Westfalen

  • 1956-1962 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und der Universität Köln

  • 1968 Einrichtung einer Radierwerkstatt in Essen

  • 1976 Ehrenmedaille der 4. Internationalen Graphiktriennale in Frechen

  • 1977 Preis der 12. Internationalen Graphik-Biennale Ljubljana

  • 1978 Hans-Thoma-Medaille Reutlingen

  • Seit 1980 jährliche Studienreisen in Italien

  • 1988 Preis der 5. Internationalen Porträt-Biennale Tuzla

  • 1990-2004 Studienreisen zu den alten europäischen Bibliotheken

  • 2008–2009 Wiederholte Studienaufenthalte in Paris und in der Normandie

  • Lebt und arbeitet in Berlin und Essen

 

Werkszyklen

  • 1973/74 Radierzyklus zu Franz Kafka, Die Verwandlung

  • 1983 Schauplätze – Zeichnungen aus italienischen Städten

  • 1989 10 Lithographien zu Alfred Polgar, Erzählungen

  • 1997 19 Lithographien zu William Beckford, Venedig

  • 2003–2004 Bücherzeiten – Gezeichnete Entdeckungen

  • 2008-2009 Ein Geisterfrühstück in Paris | Illustrationen zu Wolf von Niebelschütz

  • 2010 Zeitenbrüche und Passagen | Istanbuler und Pariser Skizzenbücher

  • 2012Lebensräume des Königs, Friedrich der Große zwischen Brandenburg und Niederrhein“, Wesel/Berlin

  • 2013 DichterOrte, Orte der Arbeit, Orte der Inspiration, Münster | Erinnerungsräume von Berlin bis Venedig, Konstanz | DichterOrte mit den Ausstellungen in Münster, Düsseldorf und Essen (2014)

  • 2014 Kölner Fundstücke – Eine zeichnerische Spurensuche | 80 Zeichnungen zu Motiven aus dem Historischen Archiv und verschiedenen Museen der Stadt Köln

Ein Künstler verträumter Erinnerung

Am 4. September 1936 im westfälischen Hagen geboren, schlug Rolf Escher den Weg des Künstlers an der Kunstakademie Düsseldorf ein, bevor er sich einem Studiengang der deutschen Philologie an der Universität Köln zuwandte. Dass von beiden möglichen Lebenswegen der des Künstlers offenbar bevorzugt beschritten wurde, belegt die frühe Einrichtung eines eigenen Ateliers zunächst in der Heimatstadt Hagen, später in Düsseldorf. Schon 1968 richtete Escher zudem in Essen-Stadtwald eine Radierwerkstatt ein, die von Beginn an äußerst produktiv war und dem Künstler im Laufe der Jahre eine enorme Erfahrung im Umgang mit der Radiernadel einbrachte. In den Jahren 1967 bis 1978 wurde ihm der Einfallsreichtum seiner Motive sowie der gekonnte Umgang mit den Drucktechniken durch verschiedene Ehrenmedaillen und Preise entlohnt. 1967 erhielt er die Ehrenmedaille der 4. Internationalen Graphiktriennale in Frechen, 1977 den Preis der 12. Internationalen Graphikbiennale Ljubljana und 1978 die Hans-Thoma-Medaille Reutlingen. 1988 reihte sich zudem der Preis der 5. Internationalen Porträtbiennale Tuzla ein. Den Erfolg, den Escher mit seiner Druckkunst und mit seinen Zeichnungen hatte, bezeugen die vielzähligen Einzel- und Dauerausstellungen seiner Werke, unter anderem in großen Häusern wie der Kunstsammlung des Landtages in Düsseldorf, der Bibliothèque Royale Albert I. in Brüssel, dem Art Institute of Chicago, dem Rheinischen Landesmuseum Bonn und dem Museum Folkwang in Essen.
Seit 1965 ging Rolf Escher auch einer kunstpädagogischen Lehrtätigkeit nach, zunächst am Grashofgymnasium in Essen-Bredeney, später als Professor im Fachbereich Design und Zeichnerische Darstellung an der Fachhochschule Münster. Diese legte er im Jahr 2000 nach 36 Jahren nieder, um sich seitdem ganz der Kunstschöpfung zu widmen.

Lange Studienaufenthalte in Italien, Frankreich, der Türkei und Deutschland führten ihn zu den vielen Orten, die er in intensiven Sitzungen auf Papier skizzierte, um sie später als Szenerie in seinen Werkszyklen, wie etwa Schauplätze - Zeichnungen aus italienischen Städten (1983), Venedig (1996/97), Istanbul (1993-1998), Bücherzeiten – Gezeichnete Entdeckungen (1990-2004) oder Ein Geisterfrühstück in Paris – Impressionen aus Frankreich (2009) abzubilden.

Nicht zuletzt in den zwischen 2010 und 2013 entstandenen Zeichnungsfolgen Lebensräume des Königs, Friedrich der Große zwischen Brandenburg und Niederrhein sowie DichterOrte – Orte der Arbeit, Orte der Inspiration manifestiert sich die elegante Kombination von Eschers Kunstfertigkeit und der lebenslangen Beschäftigung mit der deutschen Kultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Wie sonst hätte er die Studierzimmer der großen Dichterfürsten mit so viel Feingefühl und Sinn für Wesen und Schöpfungskraft der Poeten wiedergeben können? Escher gelingt es nicht zuletzt durch seine Kenntnis der Biographie und der Werke, den Schaffensorten der Dichters Leben einzuhauchen, selbst wenn sie tatsächlich keine Personen zeigen.

Die Beredsamkeit der Leere

Auch in seinem druckgrafischen Werk favorisiert Escher die Darstellung von Orten und Gegenständen, die von menschlichem Einwirken berichten oder daran erinnern, in den seltensten Fällen aber wirklich Personen mit einbeziehen. Die dargestellten Räumlichkeiten und Requisiten erzählen selbst über die dortigen Geschehnisse und den Lauf der Geschichte bis zu dem Moment, in dem der Künstler persönlich die Zimmer betritt. Noch 1977 äußerte sich Escher selbst diesem Gedanken eher rational distanziert gegenüber: „Wenn ich mich in meinen Zeichnungen und Radierungen immer wieder mit alten, abgenutzten Dingen und Menschen beschäftige, so geschieht das nicht aus nostalgischem Interesse, welches sich sentimental oder ironisch amüsiert den Relikten einer vermeintlichen ‚Belle Époche‘ zuwendet. An den alten Stühlen, Tüchern, Eingängen, die ich ins Bild setze, suche ich vielmehr die Beschädigungen aufzuzeigen, die die Zeit den Dingen zugefügt hat, ihr Fremdwerden, ihre Einsamkeit.“ (Rolf Escher Katalog Gelsenkirchen 1977, S. 10, zitiert nach Georg Reinhardt (Hrsg.): Rolf Escher. Zeichnungen und Radierungen, Albstadt 1982, S. 30).
Doch lässt sich nicht gerade in der knapp 25 Jahre später entstandenen Serie DichterOrte auch eine sentimentale Erinnerung an die Zeit erblicken, in der die Dichter selbst durch diese ehrwürdigen Räume und Gegenden schritten und dabei die großen Werke schufen, die bis heute den Schulkanon begleiten? Auf ähnliche Weise zeigt Escher in der Serie Bücherzeiten Einblicke in die Lesesäle altehrwürdiger Kloster- und Universitätsbibliotheken aus ganz Europa, die seit Jahrhunderten Wissen in gebundener Form gesammelt haben und nun im Zeitalter der Online-Recherche und des E-Books wie ein Relikt aus alten Tagen wirken.

Die Vorliebe, Alters- und Abnutzungsspuren an Gegenständen zu zeigen, fügt sich hier in eine eher konservierende Szenerie ein, die sensibel die Stimmung im Dichterhaus oder in der prunkvollen Architektur der Bibliotheken einfängt. Ungleich der Fotografie, die es zwar vermag realistische Abbildungen von Gegenständen und Räumen zu erstellen, jedoch stets dokumentierend bleibt, vermag Rolf Escher es, geschult durch viele Jahre der Kunsttätigkeit und die aufmerksame Beschäftigung mit seinen Werken, die Atmosphäre und den Charakter von Räumen wiederzugeben und zugleich Objekte behände dazu zu verwenden, eine Geschichte zu erzählen. Oftmals nicht ohne dabei eine gewaltige Portion Humor zu verarbeiten, indem etwa die bibliophilen Nutzer der Büchersammlungen zu Insekten oder Gerippen werden.

Benedikt Ockenfels

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