Otto Höger

  • 1881 Geboren am 27. Mai in Hamburg

  • 1896 Besuch der Hamburger Kunstgewerbeschule

  • 1897-1900 Auf Drängen des Vaters wird Höger Lehrling in einem Hamburger Dekorationsgeschäft

  • 1902 Die ersten Gemälde entstehen, angeregt durch Besuche an der Nordsee

  • 1906 Im Frühjahr Besuch der Weimarer Kunstschule als Schüler von Hans Olde

  • 1908 Im Oktober Wechsel in die Klasse von Ludwig von Hofmann

  • 1907-1909 Höger verbringt die Sommermonate an der Flensburger Förde

  • 1909 Höger lernt Bilder von Hans von Marées kennen. Im Herbst wird Höger für fünf Monate als Kunstlehrer an der Freien Schulgemeine Wickersdorf verpflichtet

  • 1910 Rückkehr nach Weimar und Beteiligung an der Darmstädter Künstlerbund-Ausstellung mit seinem Gemälde Scene am Waldrand, für das er den Villa Romana-Preis gewinnt. Im Sommer ausgiebiger und künstlerisch inspirierender Aufenthalt auf Bornholm. Im Oktober fährt Höger nach Florenz; hier häufige Aufenthalte in Forte dei Marmi; Hinwendung zur Bildhauerei.

  • 1911 Auf der Leipziger Künstlerbund-Ausstellung erhält er erneut den Villa Romana-Preis; das Leipziger Museum für bildende Künste erwirbt sein Gemälde Die Hafendammarbeiter

  • 1912 Im Oktober Ende des Italienaufenthaltes und direkte Berufung als Hilfslehrer an die Kunstakademie in Kassel durch Hans Olde

  • 1914 Zweite Reise nach Italien auf eigene Kosten (Florenz, Cinquale, Rom). Im Herbst und im Frühjahr 1915 Lazarett-Dienst in Kassel; Entlassung wegen Krankheit.

  • 1916 Beginn der Arbeiten an einer großen Brunnenfigur

  • 1917 Im Winter 1917/18 wechselt Höger als Meisterschüler zu Hugo Lederer nach Berlin, wo er aber wegen Kohlemangel nur zwei Wochen arbeiten kann. Im Dezember erneut zum Heeresdienst verpflichtet, diesmal in einer Schreibstube in Straßburg.

  • 1918 Nach dem Tode Hans Oldes Entlassung als Hilfslehrer an der Kassler Akademie, ohne dass er sich um eine neue Anstellung bemühen konnte

  • 1918 Otto Höger verstirbt am 4. Dezember im Militärlazarett in Rastatt

Ein Hoffnungsstrahl ist nun entzündet!

Otto Höger gehört zu jener Generation von Künstlern, die am Scheideweg der Moderne ihr Existenzrecht suchten. Als Zeitgenosse von Franz Marc, Paul Klee, Erich Heckel oder Karl Schmidt-Rottluff hätte er seinen jugendlichen Elan in expressionistische Bahnen lenken können, kubistische Wahrnehmungs-modalitäten in seine Bilder einfließen lassen können, futuristische Geschwindigkeitsideologien über-nehmen oder sogar die Abstraktion zum Maßstab seiner Kunst erheben können. Doch diesem Abbild einer auseinanderfallenden und unsicher werdenden Anschauungswelt bot Höger die Stirn und versuchte gerade im Menschen und in der ihn umgebenden Natur ein Gegengewicht zu finden. Die großen ‚Figurenmaler‘ des ausgehenden Jahrhunderts wurden ihm zu Weggefährten: Hans von Marées, Ludwig von Hofmann oder Max Klinger. Ihre Bildfindungen entsprachen seinem Drang nach einem harmonischen Leben des Menschen in der Natur und in sich selbst. Sogar der beginnende Krieg, der für so viele junge Künstler die Zerschlagung ihrer Ideale brachte, änderte an seiner Sehnsucht nach dem vollkommenen Sein nichts.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Richtungsstreit der unterschiedlichen Kunstauffassungen unentschieden. Julius Meier-Graefe und Henry Thode konnten sich auf hohem Niveau und umso erbitterter darüber streiten, ob Max Liebermann oder Hans Thoma als strahlender Prophet einer modernen, ‚deutschen‘ Kunst die Stürme der Zeit überdauern werde. Ein Blick auf den Lauf der Kunstgeschichte macht unmissverständlich deutlich, wer aus diesem Rezeptionskampf als Sieger hervorgegangen ist. Die Gruppe jener jungen Künstler, die nicht im Felde der sich durchsetzenden Avantgarden operierten, blieben häufig vom Vergessen der Nachwelt nicht verschont. Seien es die vielen Künstler der Neuen Sachlichkeit, die erst in den letzten Jahren zu neuem Ruhm gelangten, seien es die Künstler, die sich im weiteren Umfeld der Lebensreform-Bewegung aufhielten: Sie alle eint das Schicksal, einer dominanten Rezeptionskultur zum Opfer gefallen zu sein.

Unter jenen Künstlern fand sich lange auch Otto Höger, der nun in der vorliegenden Publikation erstmals umfassend gewürdigt wird. Die aus dem Nachlass des Künstlers stammenden Zeichnungen, Fotografien, Briefe und Dokumente erlauben es, eine Künstlerpersönlichkeit auferstehen zu lassen, die mit einer unbeirrten Zielstrebigkeit und Genauigkeit am Bild des idealen Menschen festhielt, ohne ihn dabei aus der Realität in eine ersehnte Idealwelt herauszuschleudern. In den Zeichnungen und Fotografien begegnet dem Betrachter eine Reinheit der Realität, die gerade im Umfeld einer im Umbruch befindlichen Welt durch ihre Reduktion auf das Beständige zu begeistern vermag.

Möge dieser Katalog ein Beitrag zur verstärkten Auseinandersetzung mit einer Künstlergeneration sein, deren Bedeutung erst wieder aus dem Schatten der ‚Klassischen Moderne‘ hervortreten

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