Edmund Steppes

Edmund Steppes hat sich vor allem als Landschaftsmaler einen Namen gemacht, dessen innovativer Stil bereits zu seinen Lebzeiten von Kunsthistorikern diskutiert wurde. Nicht leicht in das Korsett einer Definition zu zwängen, lassen sich in seinen Bildern sowohl impressionistische Impulse wiederfinden als auch explizit konservative. Schon bald im Laufe seiner Malerkarriere erlangte Steppes Berühmtheit, stellte seine Werke deutschlandweit ebenso wie im Ausland aus und bewegte sich in Kreisen der angesehensten Künstler seiner Zeit. Noch 1953 wurde ihm für die Verdienste um die Landschaftsmalerei das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Nach seinem Tod im Jahre 1968 jedoch versiegte das Interesse an dem Künstler Edmund Steppes nahezu. Lediglich zwei größere Ausstellungen, 1973 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und 1991 im Passauer Oberhausmuseum, zählten gleichsam wie die zugehörigen Kataloge lange zu den einzigen Aufarbeitungen, wie auch der Biograph Andreas Zoller in seiner 2000 erschienenen Biographie Steppes‘ beklagt.

  • 1873    Am 11. Juli wird Edmund Steppes als Sohn des Bezirksgeometers Karl Steppes in Burghausen in Oberbayern geboren.

  • 1882    Bedingt durch den beruflichen Aufstieg des Vaters zieht die Familie nach München.

  • 1892-1893       Nach dein Gymnasium besucht Edmund Steppes die Malschule von Heinrich Knirr, um sich auf die Aufnahmeprüfung für die Münchner Kunstakademie vorzubereiten.

  • 1893-1895       Steppes wird in die Akademie aufgenommen, verläßt sie aber nach weniger als zwei Jahren, um sich autodidaktisch weiterzubilden. Zurückgezogen arbeitet er zuerst in der elterlichen Wohnung, später zieht er mit seiner Frau Anna in die Prinzenstraße 7 in München. Durch den Freund Heinrich Reifferscheidt findet er Verbindung zu Emil Lugo (1840-1902), der, wie auch Albert Lang (1847-1933) und Adolf Bayersdorfer, der Konservator der Alten Pinakothek, für seine künstlerische Entwicklung Bedeutung erlangt. Beziehungen gibt es darüber hinaus zu Hans Thoma (1839-1924), Karl Haider (1846-1912), Albert Welti, Mattäus (1869-1939) und Rudolf Schiestl (1878-1931) und den Kunsthistorikern Josef August Beringer und Henry Thode. 
    Als Motiv interessieren ihn neben Bildnissen fast ausschließlich Landschaften, darunter das Voralpenland, das Hochgebirge und vor allem der Jura.
    Stilprägenden Einfluss gewinnen das Allgäu mit dem Ifengebiet nordwestlich des Kleinen Walsertales und die Alb mit dem Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen. Reisen führen ihn aber auch nach Mittel- und Oberitalien.

 

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  • 1907    Im Münchner Verlag Georg D. W. Callwey erscheint von Edmund Steppes die Schrift „Die deutsche Malerei“ mit vornehmlich maltechnischen und theoretischen Erörterungen. Neben zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen zeigt Edmund Steppes seine Werke unter anderem in Einzelpräsentationen in München, Bonn, Wien, Hannover, Hamburg, Köln, Dresden, Düsseldorf, Kassel und Ran. Jetzt gelangen seine Bilder in öffentliche Sammlungen. Ankäufe der Münchner Staatsgalerie, der Lenbachgalerie, der Nationalgalerie Berlin, der Stuttgarter Staatsgalerie, der Karlsruher Kunsthalle und aus Düsseldorf, Heidelberg, Kassel, Ran und Wien sind belegt.

  • 1927    verleiht ihm das Bayrische Kultusministerium den Professorentitel. Zu seinem 70. Geburtstag wird Steppes 1943 mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

  • 1945    Im Januar zerstören Bomben sein Atelier in der Freystraße in München. In den Jahren bis 1948 lebt und arbeitet Steppes in Tuttlingen und auf dem Ulrichsberg bei seiner Tochter Erica.

  • 1948    Im Alter von 75 Jahren siedeln Edmund Steppes und seine Frau nach Tuttlingen über. Zu der Stadt an der oberen Donau hat er seit Jahrzehnten enge Verbindung. Freunde und Mäzene wie der Studienrat Gottfried Rieger, die Ärzte Dr. Schroth und Dr. Frohn unterstützen seinen Neuanfang. Hier entsteht in den folgenden neunzehn Jahren sein malerisches Alterswerk. In zwei Veröffentlichungen „Sehen und Malen“, 1953 und „Das Trennende in Kunst und Geistesleben“, 1967 fasst er seine theoretischen Kenntnisse und geistigen Ansätze zusammen. Daneben schreibt er Aphorismen und gelegentlich Erinnerungen nieder.

  • 1953    Edmund Steppes wird mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

  • 1967/1968       Am 7. Oktober 1967 zieht der Künstler zu seiner Tochter in den Bayrischen Wald. Im Alter von 95 Jahren stirbt Edmund Steppes am 8. Dezember 1968 auf dem Ulrichsberg bei Deggendorf.

Am 11. Juli 1873 wurde Edmund Steppes im oberbayerischen Burghausen als Sohn des königlichen Vermessungsbeamten Karl Steppes geboren. Im Mai 1882 zog die Familie nach München um, wo der junge Edmund zur Schule ging und nach eigener Aussage in einem späteren Rückblick mit Begeisterung das Angebot der dortigen Kunstmuseen nutzte. Vielleicht auch angeregt durch die Atmosphäre der Kunstmetropole München, in der um die Jahrhundertwende zahlreiche sezessionistische Bewegungen entstanden, strebte Steppes die Ausbildung zum Künstler an. Als Vorbereitung für das Studium an der Akademie der Bildenden Künste trat er 1891 in die private Schule des Heinrich Knirr (1862-1944) ein. Bereits im November des Folgejahres bestand der talentierte Schüler die Aufnahmeprüfung an der Akademie. Dort besuchte er die Klasse des Malers Gabriel von Hackl (1843-1926) und stellte nach wiederum nur einem halben Jahr der Lehre bereits zwei Landschaftsbilder auf einer Ausstellung des Münchner Kunstvereins aus. Andreas Zoller spekuliert in seiner Biographie aus dem Jahre 2000, dass die auffallend frühe Ausstellung seiner Werke, die eigentlich erst Meisterschülern der Akademie gestattet wurde, zu Unmut unter den Professoren des Künstlers und letztendlich zu seinem vorzeitigen Verlassen der Akademie geführt habe. Andererseits ließe sich daran auch das Selbstbewusstsein des jungen Malers ablesen, dessen Wesen wohl vielmehr dem eines Autodidakten entsprach. Nicht zuletzt äusserte sich Steppes selbst in seiner Schrift "Die deutsche Malerei" von 1907 betont abwertend zu den gängigen Lehrmethoden in der Kunst, die er in seiner jugendlichen Begeisterung mehr als Hemmung denn als Ausbildung verstanden hätte.

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Nach dem Weggang von der Akademie um 1894 fuhr Steppes daher fort, die Kunst im Selbststudium zu verfolgen, sich die technischen Aspekte der Malerei selbst anzueignen und sich im Zeichnen nach der Natur zu üben. In Begleitung seines Freundes Heinrich Reifferscheid (1872-1945), den er an der Akademie kennengelernt hatte, begab er sich bald auf Studienfahrten in die Schwäbische Alb und in die Schweiz. Gerade erstere Landschaft sollte Steppes wie auch das südlich davon gelegene Allgäu zur zweiten Heimat und zu einem „Malerrefugium“ werden.

Reifferscheid verband den Individualisten Steppes zudem in gewissem Maße mit der Münchner Kunstschule und stellte den Kontakt zu dem Maler Emil Lugo (1840-1902) her, der ihm wiederum Kontaktstelle zu Ausstellern und Kunden, nicht zuletzt aber auch Freund und Lehrer wurde. 1895 wurde Steppes zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst in einem Königlichen Infanterie-Regiment eingezogen, zu dem er sich 1891 gemeldet hatte. Schon vor Ablauf des Jahres wurde er jedoch als Dienstuntauglich entlassen, der Ersatzbehörde übergeben und erst in den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges 1918 zu einer erneuten Musterung befohlen. Trotz der Bereitschaft Steppes‘, nach dem Schulabschluss auch die Militärlaufbahn als Alternative zur Kunst einzuschlagen, entging er dem Dienst an der Waffe weitgehend.

In den Jahren bis zur Jahrhundertwende konnte Steppes sich in der deutschen Kunstszene etablieren und auch im folgenden Jahrzehnt von anhaltendem Erfolg zehren. Etliche Ausstellungen sorgten für den steigenden Bekanntheitsgrad des jungen Künstlers, der seine Werke an staatliche Museen ebenso wie an private Auftraggeber verkaufen konnte. Im Kunst- und Kulturleben des frühen 20. Jahrhunderts hatte er einflussreiche Kontakte gewonnen. Geschult und unterstützt von Persönlichkeiten wie Henry Thode (1857-1920), Hans Thoma (1839-1924) und Karl Haider (1846-1912), pflegte er zudem den Kontakt zum Bayreuther Wagner-Kreis, dem Münchner Kunstverein sowie der Münchner Secession. Auch in seinem Privatleben begann er bald Wurzeln zu schlagen indem er 1903 Anna Huber (1876-1951) heiratete, die ihm schon im folgenden Jahr die Tochter Erika Sophie Eleonore (1904-1993) gebar. Sein künstlerischer Stil, der zu Beginn seiner Schaffenszeit noch eher den gängigen Konventionen der Landschaftsmalerei gefolgt war, wurde in der Zeit um 1905 zunehmend individueller. Mehr und mehr wurden seine Werke auch im Ausland gewürdigt. Anlässlich einer Ausstellung in Heidelberg im Jahre 1906 wurde Steppes gar zum Hauptvertreter der künstlerischen Jugend gekürt, deren Ideal sich an der symbolistischen Kunst Arnold Böcklins und Hans Thomas orientierte.

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Wie Böcklin und Thoma beschäftigte auch Edmund Steppes sich umfassend mit dem Studium der Alten Meister und der spätgotischen Kunst. In seiner kunsttheoretischen Schrift „Die deutsche Malerei“ warb er dafür, sich vorwiegend an den altdeutschen und altniederländischen Meistern zu orientieren. Besonders die Werke der Künstler des 14. und 15. Jahrhunderts seien vorbildhaft und ließen das „Wesen“ deutscher Kunst erkennen. In einem autobiografischen Manuskript gibt Steppes über sich die Auskunft, dass er bereits als Junge mit großer Freude die Münchner Museen besucht habe und hebt hervor, dass ihm vor allem die Werke Matthias Grünewalds (um 1475-um 1530) und Albrecht Altdorfers (um 1480-1538) imponiert hätten. Zudem berief er sich später auf den nachhaltigen Eindruck, den Grünewalds Isenheimer Altar auf ihn gehabt hatte. Diesen hatte er während etlicher Aufenthalte bei seinem Onkel und Förderer Dr. Fritz Schmidtmüller und dessen Frau Christine von Schleich in Colmar besuchen können. Sich bewusst von dem religiösen Aspekt dieses Kunstwerks distanzierend, lässt sich in den Bildern Steppes‘ doch deutlich eine Orientierung an der teils bizarr dargestellten Landschaft mit bemoosten Bäumen und steilen Felsen feststellen.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, der auch die Kunstproduktion Edmund Steppes‘ ausgebremst hatte, bis in die frühen Zwanziger Jahre knüpfte der Künstler nicht unmittelbar an den rasanten Erfolg der frühen Karriere an. Vielmehr zeichnete sich eine Sattelzeit in seinem Werk ab, während der verhältnismäßig wenig Gemälde und im Gegensatz dazu eine Vielzahl an Studienarbeiten entstanden. Bis um 1923 beschäftigte sich der Künstler auffallend intensiv mit dem Medium der Zeichnung sowie mit eingehenden Beobachtungen der Natur. Mit einem sensiblen Blick selbst für kleinste Details setzte er seine Eindrücke in überwiegend kleinformatigen Zeichnungen und Aquarellen um. Während der Auseinandersetzung mit spätgotischen Zeichnungen bildeten gerade auch die handwerklichen Aspekte des Zeichnens ein nachzueiferndes Ideal. Beim Studium der Natur- und Landschaftszeichnungen Wolf Hubers (um 1485-1553) strebte er etwa ein möglichst hohes Verständnis der Zeichentechnik an und übte sich, genaueste Kopien anzufertigen. Dabei achtete er besonders auf die Federführung des Zeichners und begann seine Kopierübungen sogar mit dem eigenhändigen Zuschneiden von Kielfedern, die dem mittelalterlichen Zeichengerät möglichst nahe kommen sollten. In manchen Fällen färbte er zudem das Papier flächig oder entlang seiner Kanten ein und fügte dem Blatt somit künstliche Alterungsspuren zu. Im Verlauf seiner praktischen Versuche griff er auch auf eine Technik Martin Schongauers (1448-1491) zurück, der die botanischen Vorlagen für pflanzliche Ornamente nicht frisch studierte sondern die Pflanzen zunächst trocknete und erst die erstarrte Form abzeichnete. Gerade in Steppes‘ Zeichnungen von Disteln und Moosen lässt sich die Verwendung ähnlich präparierter Pflanzen erahnen.

Allerdings spricht die Mehrzahl seiner auch hier zusammengestellten Zeichnungen deutlich die Sprache des unmittelbaren Naturstudiums. Einzeln hervorgehobene Blumen, gerade auch die Wiesenstücke, wurden vor Ort gezeichnet und zeigen die Pflanzen in voller Frische und fest verwurzelt. Schon während des kurzen Studiums an der Münchner Akademie hatte Steppes begonnen Ausflüge in die Schwäbischen Alb und ins Allgäu zu unternehmen. Auch die weitere Umgebung von München bis zum Staffelsee bot ihm unendliche Möglichkeiten für zahlreiche Exkursionen, die sich vor allem in den dort gemachten Skizzen und Studien nachverfolgen lassen. Nicht anders als die deutschen Romantiker des 19. Jahrhunderts, durchstreifte Edmund Steppes auch später noch die vornehmlich süddeutsche Landschaft mit Skizzenbuch und Zeichenmaterial und fing die bemerkenswertesten Entdeckungen auf dem Papier ein. Lediglich die aufwendigeren Aquarellierungen und die oft bemerkenswert präzise Reinzeichnung dürften in einem zweiten Arbeitsschritt im heimischen Atelier stattgefunden haben. Er zeichnete vor allem Pflanzen, Bäume und markante Felsformationen und experimentierte dabei auch mit unterschiedlichen Tinte- bzw. Tuscherezepturen. Dank der exakten Datierung der Blätter mit der charakteristischen, kalligraphisch anmutenden Signatur des Künstlers, lässt sich die Sammlung der Studienblätter systematisch erarbeiten und auf eine stilistische Entwicklung hin untersuchen.

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Besondere Aufmerksamkeit nehmen die beinahe an Tierwesen oder Menschen erinnernden Baumdarstellungen ein. Mit ihren oft antropomorph erscheinenden Zügen, wirken die knorrigen und verwundenen Stämme der Bäume wie monströse Ungetüme. Zoller verwendet den treffenden Begriff „Baumleichen“ um die Wesen zu beschreiben, die oft zu grotesk erscheinen um nach unverändertem Vorbild nach der Natur gezeichnet worden zu sein. Sich nicht gänzlich von einer naturalistischen Darstellung lösend, lässt sich an diesen doch auch der Einfluss des Symbolismus und der Phantastik ablesen, der sich in der Malerei Steppes‘ bis in die Mitte der 20er Jahre wiederfinden lässt. Auch eine nahezu schwärmerische Beschäftigung mit der Natur über die unmittelbare Beobachtung hinaus könnte dem Zeichner hier unterstellt werden. Dabei macht sich gerade der Einfluss des Freundes Thode bemerkbar, der nicht zuletzt durch seine Charakterisierung der deutschen Kunst als gefühlsbetontes und an der Natur orientiertes Gegenmodell zum französischen Impressionismus, auch die geistige Grundhaltung Edmund Steppes‘ ausdrückte. Steppes selbst wurde um 1919 bis 1923 Gastgeber regelmäßiger Treffen einer Gruppe von Deutschtümlern, die die Begeisterung für eine neugermanische Naturreligion und die Mystifizierung der Natur teilten.

Steppes, der tatsächlicher Religiösität eher kritisch gegenüber stand und laut Zoller vor allem die Geselligkeit der Gruppe suchte, ließ sich nicht von dem religiösen Anspruch der „Naturapostel“ anstecken, sondern tauschte sich lieber über das geheimnisvolle, mystische Wesen der Natur in der Malerei aus. Im Gegensatz zu den botanischen Studienzeichnungen verschiedener Wiesenblumen, drücken die Baumgestalten gerade auch einen solchen tiefsinnigen Aspekt der Flora aus, ohne dabei religiös überhöht zu erscheinen. In seinem „Bekenntnis zur Kunst“ betont Steppes weiterhin die Erfahrung traumgleicher Einfälle für seine Gemälde, die ihm durch Literatur und Musik verliehen worden wären. Gerade mit Blick auf solcherart Traumwelten als Momente der Inspiration lässt sich vielleicht die Entstehung der Baumwesen erklären, die in ihrer Gestalt zwischen innigem Naturstudium und Traumgebilde stehen.

Während die Bäume, Pflanzen und Felsen in den Zeichnungen Steppes‘ eine Nahsicht des Künstlers suggerieren, bei der man sich ihn im Geiste nahezu bäuchlings am Boden liegend vorstellen kann, zeigen die Landschaftsausschnitte einen Sinn für die Wahrnehmung des Naturraumes im Ganzen. Beinahe ausschnitthaft, aber nichtsdestoweniger mit weit reichendem Blick zeigt Steppes Täler, Hügelketten und Gewässer und hält teils sogar atmosphärische Dynamiken fest. So erwecken einzelne Zeichnungen den Eindruck ruhiger sommerlicher Berglandschaften während andere durch schnelle Schwünge der Tuschfeder und entsprechende Anwendung von Weißhöhungen kräftige Winde und Luftbewegungen zeigen. Wie auch in den später entstandenen Licht- und Wolkenstudien ist jeweils ein flüchtiger Moment festgehalten, der sicherlich rasch und mit frischer Erinnerung zu Papier gebracht wurde.

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Gode Krämer wies auf den reichen Bestand an Zeichnungen und Skizzen hin, die Edmund Steppes im Laufe seines Lebens anfertigte und säuberlich in Kartons sortiert verwahrte. Diese dienten ihm als haptische Erinnerungen an die Eindrücke seiner Ausflüge und Spaziergänge in der Natur, deren Charakter er in seinen Gemälden festzuhalten trachtete.

Einige der Zeichnungen erscheinen dabei auch wie eine Gedächtnisstütze für einen landschaftlichen und naturräumlichen Eindruck. Träge, weiche Formen sind ebenso zu sehen wie scharfkantige Felsvorsprünge, fahle Vollmondnächte ebenso wie kräftig durchgefärbte Wiesen. Obwohl Steppes selbst sich nicht zuletzt in „Die deutsche Malerei“ unmissverständlich abweisend gegenüber dem aus Frankreich stammenden Impressionismus äusserte, verfolgte er in diesen Zeichnungen doch ähnliche Gedanken, indem er diese Eindrücke, Impressionen, mit Pinsel und Feder festhielt, und sei es nur um sie später für die Komposition der „großen“ Gemälde zu verwenden.

Mehrfach stellte Steppes in den 1930er und 40er Jahren auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ aus und stellte somit die politisch akzeptierte Gesinnung seiner Kunst unter Beweis. Als Propagandamittel oder besonderes Beispiel nationalistischer Kunst liessen sich die Landschaftsbilder Steppes‘ allerdings nicht verwenden. Seinen Bildern fehlte es an Figuren oder ideologisch zu überhöhenden Szenen, die sich im Sinne der Nationalsozialisten hätten instrumentalisieren lassen. Einer in der Kunstpolitik gewünschten heroischen Germanisierung der Kunst mit nordischen Aspekten kam Steppes auch nach der Machtergreifung der NSDAP nicht nach. Trotz der teils groben Äusserungen seinerseits gegenüber der nationalsozialistischen Kunstpolitik blieb Steppes doch stets unbehelligt und seine Kunst von ideologischer Überfärbung frei.

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In den letzten Monaten des Krieges wurde das Atelier Edmund Steppes‘ bei einem Luftangriff auf München zerstört. Unzählige Zeichnungen sowie 40 bekannte Gemälde wurden dabei vernichtet. Der Künstler floh daraufhin mit seiner Frau zu der Tochter nach Ulrichsberg in Niederbayern. Als Mitglied der NSDAP musste Steppes sich nach Kriegsende vor Gericht verantworten, wo er betonte, lediglich dem Versprechen Hitlers gefolgt zu sein, die deutsche Kunst zu fördern und einzig in diesem Bestreben der Partei beigetreten zu sein. Als Mitläufer zu einer Geldstrafe verurteilt wurde Steppes von der Anklage befreit. 1948 zog Edmund Steppes mit seiner Frau nach Tuttlingen, wo diese bereits 1951 starb. In den Folgejahren stellte Steppes auf einzelnen Ausstellungen innerhalb Deutschlands aus und erfuhr mehrere Ehrungen - unter zahlreichen kleineren ist vor allem die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande zu seinem 80. Geburstag im Jahre 1953 zu nennen. Noch bis 1967 in Tuttlingen lebend zog der 95-jährige im Oktober wieder zu seiner Tochter nach Ulrichsberg. Dort verstarb Edmund Steppes am 9. Dezember 1968.

Benedikt Ockenfels

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