Johann Adam Klein

  • 1792 Geburt am 25. November in Nürnberg als Sohn eines Weinhändlers

  • 1800 – 1802 Zeichenunterricht bei Georg Christoph Gottlieb Bemmel

  • 1802 – 1805 Ausbildung in der Städtischen Zeichenschule zu Nürnberg

  • 1805 Erste Experimente mit der Technik der Radierung

  • 1805 – 1811 Lehre in der Werkstatt des Malers und Druckgrafikers Ambrosius Gabler | Ausflüge ins Nürnberger Umland, die Fränkische Schweiz und die Oberpfalz | Begründung der Künstlerfreundschaft mit Georg Christoph Wilder und Johann Christoph Erhard

  • 1811 Im September Umzug nach Wien | Besuch der K.K. Kunstakademie | Treffen mit Jugendfreund Johann Jakob Kirchner | Bekanntschaft mit Martin von Molitor, Joseph Mößmer, Jakob Gauermann und Thomas Ender

  • 1812 Krankheit Kleins | Wanderung durch die Steiermark

  • 1814 Reise nach Ungarn

  • 1815 Rückreise nach Nürnberg | Main- und Rheinreise

  • 1816 Rückkehr nach Wien mit Johann Christoph Erhard | wirkt als Protegé und Vermittler

  • 1816/17 Reise ins Burgenland und nach Ungarn

  • 1818 Reise nach Berchtesgaden und ins Salzkammergut gemeinsam mit Friedrich Philipp Reinhold, Heinrich Reinhold, Ernst Welker und Johann Christoph Erhard

  • 1818 Im Juli Trennung von Reisegefährten | Aufenthalte in Salzburg und München

  • 1819 im März Krankheit des Bruders Georg beruft ihn nach Nürnberg

  • 1819 im August Aufbruch zur Italienreise | Aufenthalt in Zürich bei dem Bruder Conrad

  • 1819 Ankunft in Rom im Dezember | Wiedersehen mit ehemaligen Reisegefährten und Erhard | Umgang im Umkreis deutscher Künstler

  • 1820 Reise nach Neapel | Bekanntschaft mit Kronprinz Ludwig von Bayern

  • 1821 im August Besuch Erhards nach dessen Suizidversuch bei befreundetem Maler Johann Joachim Faber in Olevano | Im Oktober Rückkehr nach Nürnberg

  • 1822 im Herbst letzte Kunstreise nach Leipzig und Dresden | Ende der Wanderjahre

  • 1823 im Februar Hochzeit mit Julie Friedrike Wüst

  • 1833 Mitglied in der Königlichen Akademie Berlin | Schreiben der Autobiographie

  • 1838 im FebruarHochzeit mit Catharina Isabella Magdalena Wolf nach dem Tod der ersten Frau im Jahr 1837

  • 1839 Umzug in die blühende Kunstmetropole München

  • 1840 Schwere Krankheit

  • 1848 Beginn der Erblindung

  • Bis 1862 Letzte Erfolge, danach kaum noch künstlerisch tätig

  • 1862 am 24. November Ehrung anlässlich des 70. Geburtstages mit Fest in München | Verleihung des Verdienstkreuzes des Ernestischen Hausordens durch Herzog von Sachsen-Coburg

  • 1869 Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen | fortschreitende Krankheiten

  • 1875 am 21. Mai verstirbt Johann Adam Klein in München

Ein Leben im Überblick

Die Kunst Johann Adam Kleins war stets dem Realismus zugeordnet. Nicht zuletzt die Schule bei Ambrosius Gabler inspirierte ihn zu intensiven Studien nach der Natur und der naturgetreuen Darstellung der gewählten Motive. Schon seit frühester Zeit begeisterten ihn dabei vor allem Tierstudien und heimische Landschaften. Auf seinen Reisen lernte er auch andere Regionen kennen und besonders die Schweizer Bergwelt lieben. Er entwickelte eine Faszination für volkstümliche Trachten, aber auch Uniformen, die er in detaillierten Zeichnungen und Aquarellen festhielt. Gerne kombinierte er Personen in landestypischen Trachten mit markanten topografischen Landmarken und verstärkte somit den lokalen Bezug. Gerade die unruhigen Zeiten der Napoleonischen Kriege gaben ihm die Gelegenheit zur Darstellung verschiedener Uniformen und soldatischen Genredarstellungen, die er kaum anders handhabte als Studien vom Leben des Landvolks. Die Natur animierte ihn gerade durch das direkte Erleben beim Spazieren und Wandern zu realistischen Veduten, in denen nur selten die Anwesenheit von Tieren fehlt. Zunächst an der niederländischen Tier- und Genremalerei durch Karel Dujardin und Paulus Potter und der heimischen Fauna orientiert, skizzierte Klein gerne auch exotische Tiere, die er in Tierparks und Wandermenagerien bestaunen konnte.

In den ersten drei Lebensjahrzehnten sammelte Klein einen großen Vorrat an Zeichnungen, Skizzen und Aquarellen, die ihm später zur Vorlage für Gemälde oder Radierungen dienen sollten. Besonders das druckgrafische Werk Johann Adam Kleins beeindruckt durch seine Vielfalt und Fülle. Allein in seiner Autobiographie erwähnt er in der stolzen Auflistung seiner Werke 302 radierte Platten, die er für namhafte Kunsthändler und Verlage erstellt hatte. Als er 1833 seine Biographie schrieb, befand sich Klein auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die junge Familie wuchs an, es mangelte nicht an Auftraggebern oder Ideen für neue Werke und die Gesundheit des Künstlers war unerschüttert. Geradezu tragisch mutet es daher an, dass er seine Biografie mit den Worten schließt: „Vielleicht bin ich mit Gottes Beistand in der Folge einmal wieder aufgelegt, eine Fortsetzung zu liefern.“ Obwohl bis zu seinem Tod 1875 noch 42 Jahre vergehen sollten, zeigte sich diese zweite Lebenshälfte weniger von Erfolg und Gesundheit gesegnet. Eine fortsetzende Autobiografie schrieb Johann Adam Klein nicht mehr.

Wie alles begann

Nicht zuletzt durch seine Autobiographie, die Johann Adam Klein schon im Alter von 41 Jahren verfasste, sind die Lebensstationen des Nürnberger Künstlers gut zu überblicken. Gemeinsam mit den gewissenhaft bezeichneten Zeichnungen seiner Reisen sowie Porträts seiner Reisegenossen lässt sich ein ausführliches Bild des Künstlerlebens erfassen.
Johann Adam Klein wurde am 25. November 1792 in Nürnberg in die Familie des Weinhändlers gleichen Namens geboren. In der dem Handel und Handwerk verschriebenen Familie dürfte er zunächst keinen selbstverständlichen Kontakt zur Kunst gefunden haben. Dennoch zeigte sich schon in jungen Jahren das künstlerische Talent des Knaben, das von seinem verständnisreichen Vater bedachtsam gefördert wurde. Im Alter von acht Jahren wurde Klein von Georg Christoph Gottlieb von Bemmel (1738-1794) unterrichtet, dem Sproß einer großen Nürnberger Künstlerdynastie. Zwei Jahre darauf trat er in die Städtische Zeichenschule zu Nürnberg ein. Dort wurde unter Christoph Johann Sigmund Zwinger (1744-1809/13) vor allem das praktische Zeichnen gelehrt, das für die Arbeit im Kunsthandwerk vorbereiten sollte. Die Ausbildungsmethode folgte dabei den längst veralteten Vorgaben der Lehrwerke von Johann Daniel Preißler (1666-1737), in denen die Komposition von Landschaften oder Figurendarstellungen nach strengen Regeln normiert war. Auch die darüber hinaus geübte Praktik des Kopierens nach bekannten Künstlern ließ zunächst wenig Freiraum für kreative Entfaltungen. Nach eigener Aussage begeisterten Klein vor allem die Tier- und Jagddarstellungen des Johann Elias Ridinger (1698-1767), die er mit Freude nachzeichnete. Schon hier ließ sich die Begeisterung für Tiermotive und Tierstudien erkennen, die sein gesamtes Œuvre begleiten sollte.

Mit dem Abschluss der Lehrzeit in der Zeichenschule im Jahre 1805 musste Klein sich erneut orientieren. Nach einer unmittelbar abgebrochenen Lehre zum Mechaniker verschaffte der duldsame Vater ihm einen Platz in der angesehenen Nürnberger Kunstschule und Werkstatt des Ambrosius Gabler (1762-1834). Gablers Lehrprinzip fußte auf dem Studium nach der Natur und förderte ganz besonders individuelle Beobachtungen und die Anfertigung vieler Studienskizzen. Dennoch wurde auch das Kopieren geübt, vornehmlich am Beispiel niederländischer und deutscher Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts. Auch bei diesem Lehrer muss Kleins Neigung zur Tierdarstellung aufgefallen sein, da er häufig zum Besuch des Nürnberger Viehmarkts und der Futterplätze angeregt wurde, um dort zu zeichnen.

Mit zunehmendem Alter unternahm Klein auch erste Ausflüge in das Umland Nürnbergs um weitere Motive für seine Studienskizzen zu finden. Allein oder in Begleitung seiner Mitschüler und Künstlerfreunde wanderte er durch die Natur der Fränkischen Schweiz und der Oberpfalz und fing mit Bleistift und Feder Ansichten der heimischen Landschaft sowie pittoreske Ruinen und bäuerliche Gehöfte ein. Oft begleitete ihn der etwas jüngere Nürnberger Künstler Johann Christoph Erhard, mit dem ihn auch nach der gemeinsamen Lehrzeit ein enges Freundschaftsband verbinden sollte. Bei diesen frühesten Wanderungen entstand außerdem ein völlig neuartiges Bildthema, das sich in Kleins Lebenswerk sowie denen vieler befreundeter Künstler häufig wiederfindet: Das Porträt von Künstlern auf Reisen. Die gegenseitigen Porträts zeugen von dem Zusammenhalt der Freundesgruppe um Klein, der sich neben Erhard auch die gemeinsamen Mitschüler Georg Christian Wilder (1797-1855) und Conrad Wießner (1796-1865) anschlossen. Die oft nahezu genrehaften Porträts zeigen die Künstler mit ihren Zeichenutensilien inmitten der Natur oder bei der Tätigkeit des Zeichnens selbst und dokumentieren die gegenseitige Zuneigung gleichermaßen wie die Ausflüge als gemeinsames Studium.

Neben der selbstständigen Lehre anhand der Natur lernte Klein in der Werkstatt Gablers den fachgemäßen Umgang mit den druckgrafischen Techniken kennen, mit denen er selbst bereits im Alter von 13 Jahren experimentiert hatte. Als junger Autodidakt fertigte er seine erste Radierung schon im Jahre 1805 unter Verwendung eines zurechtgebogenen Stückes Dachrinne als Druckplatte und billiger, offenbar unter zwielichtigen Bedingungen erstandener, Salpetersäure an. Erfolgreich, jedoch nicht ohne geringe Schäden an Kleidung und Leib zu hinterlassen. Drei Jahre später wagte er sich zudem als einer der ersten Nürnberger Künstler an die Technik der Lithographie, kaum zehn Jahre nach deren Erfindung durch Alois Senefelder (1771-1834). Die eigenen Erfahrungen sowie die bei Gabler unter professioneller Anleitung gewonnenen Kenntnisse wusste der geschäftstüchtige Händlerssohn noch während seiner Lehrjahre anzuwenden indem er um 1809 begann, die beliebteren seiner Naturskizzen zu radieren und zum Verkauf anzubieten.

Das Leben wird intensiv

1811 verließ Klein die Schule Ambrosius Gablers und wurde nicht zuletzt auch durch seinen Vater motiviert, seine Fähigkeiten im Ausland zu vervollkommnen. Der Tod der Mutter im selben Jahr bestärkte den Entschluss, eine Reise nach Wien anzutreten, wo er die nächsten vier Jahre verbrachte und die Kunstakademie besuchte. Insbesondere der Kontakt zu Künstlern um Erzherzog Johann von Österreich beeinflusste den jungen Künstler zu weiteren Studienreisen in der Umgebung. Ergriffen vom Patriotismus in Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Epoche regte der Erzherzog die topografische Erfassung der Landschaften in Österreich an und zur Aufnahme der heimischen Natur in die Kunst. Gleich im Jahre 1812 unternahm Klein gemeinsam mit den Freunden Johann Georg Mansfeld (1764-1817), Heinrich Joseph Mansfeld (1785-1866) und Joseph Feil (1783-1814) eine vierwöchige Wanderung in die Steiermark und zeichnete die dortigen Landstriche, herausstechende Architekturen und nicht zuletzt Szenen des bäuerlichen Lebens und Tiere. In den folgenden Jahren durchwanderte Klein, teils ebenfalls mit den genannten Gefährten, die Gegend um Wien und unternahm 1814 eine Reise bis nach Ungarn.

Kleins Zeichenstil sowie die Wahl der Bildthemen hatte sich bereits in den letzten Lehrjahren herauskristallisiert und wurde mit der Zeit noch stärker in die Richtung realistischer Naturdarstellungen gelenkt. Kontinuierlich sammelte er Skizzen bei den unzähligen Spaziergängen und Ausflügen und füllte damit einen reichen Bestand an Tier-, Landschafts-, und Genredarstellungen der Gegend an. Die unruhigen Zeiten der Napoleonischen Kriege sorgten zudem für den häufigen Kontakt mit dem soldatischen Milieu. Ungleich seinen Zeitgenossen, die große Schlachtenzyklen und heroische Kampfszenerien bevorzugten, interessierte Klein sich vielmehr für den soldatischen Alltag, Uniformen, Fuhrwerke und einfache Lagerszenen. Das Militärische reizte ihn dabei nicht anders als die volkstümlichen Trachten, rustikalen Bauernhäuser und Ochsenkarren, die er bei seinen Ausflügen ins Wiener Umland entdecken konnte. Die barocke Pracht Wiens mit seinen beeindruckenden Bauten und der kostbar gekleideten Hofgesellschaft verlockte ihn hingegen kaum zu Zeichnungen.

1812 traf Klein in Wien auf den Nürnberger Kunsthändler Johann Friedrich Frauenholz (1758-1822), den er schon in seiner Heimatstadt kennengelernt hatte. Frauenholz, der zu den bedeutendsten Kunsthändlern und Verlegern Nürnbergs zählte, hatte schon früher das Talent des jungen Künstlers entdeckt und ihn unter anderem mit Empfehlungsschreiben für seine Reise nach Wien unterstützt. Überdies kaufte er sämtliche von Kleins Radierungen und bestellte begeistert auch zukünftige Blätter vor. Bei einem späteren Besuch in Wien nahm er Klein als Reisebegleitung nach Nürnberg mit, sodass dieser 1815 erstmals wieder seine Familie und Heimatstadt zu Gesicht bekam. Dort nutzte er seinen kurzen Aufenthalt, um nach dem Vorbild der Jugendjahre Ausflüge mit seinen Freunden zu machen, von denen hier gerade Georg Christoph Wilder, Conrad Wießner und Johann Christoph Erhard Erwähnung finden sollen.

Noch in Wien hatte Johann Adam Klein die Bekanntschaft von Graf Franz Erwein von Schönborn-Wiesentheid (1776-1840) gemacht, der später zu einem treuen Kunden des Künstlers werden sollte. Dieser hatte zu einer Reise entlang des Rheins angeregt, die aufgrund der noch andauernden Kämpfe der Befreiungskriege jedoch vorerst aufgeschoben werden musste. Im Juni 1815 schien die Situation nach der endgültigen Niederlage Napoleons bei Waterloo jedoch sicher genug, dass Klein diese Reise anzutreten wagte. Über Bamberg gelangte er von Nürnberg an den Main und folgte dieser pittoresken Wasserstraße an den schönen Rhein. Dort angelangt konzentrierte er seine künstlerische Expedition besonders auf das eindrucksvolle Mittelrheingebiet zwischen Rüdesheim und Koblenz, in dem über malerischen Weinorten eine Vielzahl von Burgruinen und mittelalterlichen Festungen aufragen, die sich an die steilen Felsen des gewundenen Flusstals schmiegen. Wie die meisten seiner Zeitgenossen verfiel Klein der Romantik des Flusslaufs und griff das Element des Wassers in seinen Landschaftsdarstellungen auf, das in seinen österreichischen Zeichnungen hinter den Motiven von Bergen und Wiesen stets zurückgeblieben war.

Reisen, Reisen, Reisen

Im Juni des Jahres 1816 brach Klein erneut zu einer Reise nach Wien auf. Als Reisegefährte begleitete ihn diesmal sein Jugendfreund Johann Christoph Erhard, der sich in Wien einen ebensolchen Erfolg erhoffte wie ihn Klein in den vergangenen Jahren erlebt hatte. In gewohnter Manier diente schon der Reiseweg den beiden Freunden, die bis Regensburg noch von Wilder und Wießner begleitet wurden, zur Erstellung zahlreicher Studien und Zeichnungen. Zurück in Wien empfing der alte Freundeskreis die beiden Künstler freudig und Klein wurde sogleich mit Aufträgen bestürmt. In dieser Zeit widmete er sich neben der Zeichnung und Radierung auch der Technik der Ölmalerei, die er jedoch kaum zur Meisterschaft betrieb und die in ihrer Konturhaftigkeit oft die Bevorzugung des spitzen Bleistifts erahnen lässt. Während seines zweiten Wienaufenthaltes genoss Klein viele Aufträge und wieder macht er sich zu Wanderungen in die Umgebung auf, bei denen er Trachten, Tiere und ländliche Szenerien skizzierte.

Zugleich protegierte er den jungen Künstlergenossen Erhard und verhalf auch diesem zu Kontakten und Aufträgen in Wien. Gemeinsam mit den Freunden Ernst Welker (1788-1857), Heinrich Reinhold (1788-1825) und Friedrich Philipp Reinhold (1779-1840) traten sie bald eine Reise in das Salzkammergut an, besuchten Salzburg und Berchtesgaden. Während die Gefährten sich daraufhin wieder Wien zuwandten, trennte sich Klein im Juli 1818 von ihnen und begab sich nach München. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt dort berief ihn die schwere Krankheit seines Bruders Georg zurück nach Nürnberg. Nach dem Tod des Bruders brach Klein im August des Jahres 1819 wieder nach Süden auf, mit dem Ziel, Italien zu bereisen. Zunächst wanderte er jedoch durch die Schweiz und machte einen Abstecher nach Zürich, wo er den Bruder Conrad besuchte. Vermutlich nicht nur um nach dem familiären Verlust Trost zu finden, sondern auch um die Landschaft in der malerischen Schweizer Bergwelt besser kennenzulernen, die ihn nachhaltig beeindruckte.

Die Weiterreise führte Klein über den Simplonpass durch die Walliser Alpen zu Zwischenhalten in vielen italienischen Städten auf dem Weg nach Rom, bis er kurz vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1819 die ewige Stadt erreichte. Dort angekommen wurde er sogleich von seinen einstigen Reisegefährten empfangen, die bereits vor ihm von Wien kommend eingetroffen waren, und fand rasch Anschluss an die deutsche Künstlerschaft in der italienischen Hauptstadt. Auch zu der Gruppe der Nazarener hielt er einen freundschaftlichen Kontakt, wenngleich er als getreuer Realist deren Begeisterung für religiöse und historische Bildthemen sowie feierlich überhöhte Darstellungsweisen nicht teilte. Gemeinsam mit anderen Künstlern nahm er an Ateliersitzungen in der Villa Malta teil und zeichnete nach den eingeladenen Modellen. Auch die Angewohnheit, Ausflüge in die Umgebung und Studien der Landschaften zu machen sowie umliegende Höfe und Orte zu besuchen, um Volkstrachten und Tiere zu zeichnen, verfolgte er begeistert weiter.

Im Umkreis der deutschen Künstler in Rom lernte Klein auch den Kronprinzen Ludwig von Bayern kennen, von dem er den Auftrag erhielt, den Ponte Salario zu malen. Während der Studienfahrt zu dieser alten Brücke in der römischen Campagna erlitt der Künstlerfreund Erhard eine Wahnvorstellung und berichtete gar von einer Teufelserscheinung, die ihn später zu einem Selbstmordversuch durch das Trinken ätzender Säure trieb. Klein begleitete Erhard zurück nach Rom, reiste aber im Juli 1820 weiter nach Neapel. Die Pflege des suizidgefährdeten Freundes überließ er anderen, nicht zuletzt auch weil er eine üppige Auftragslage zu bewältigen hatte.

Im Oktober 1821 besuchte er Erhard bei dem befreundeten Maler Johann Joachim Faber in Olevano, der ihn gemeinsam mit seiner Frau beherbergte und pflegte. Klein versuchte noch, Erhard bei diesem Treffen zu überreden, ihn zurück nach Nürnberg zu begleiten, musste aber nach einer Absage den Heimweg allein antreten. So erreichte ihn die Nachricht vom Tod des Freundes nach einem zweiten Selbstmordversuch im Januar 1822 erst mit Verzögerung. Auf den ersten Schock der Nachricht erwog er eine Rückkehr nach Rom, die er aber nicht mehr weiterverfolgte. Stattdessen verarbeitete er den Verlust des Freundes im Anfertigen einer Titelvignette für dessen künstlerischen Nachlass.

Im Herbst 1822 unternahm Klein eine letzte Studienreise mit den Zielen Leipzig und Dresden, die augenscheinlich als Wendepunkt in seiner Biografie steht. In den ersten 30 Jahren seines Lebens war er als Künstler häufig unterwegs und unterließ es nie, Skizzen von Landschaften, Tieren und Personen anzufertigen, die er in über 50 Skizzenbüchern festhielt. Dabei bereiste er besonders den süddeutschen Raum, Österreich, Ungarn, die Schweiz und die nördliche Hälfte von Italien und hielt alle in seinen Augen bildwürdigen Eindrücke fest, die sich ihm boten. Zudem gelang es ihm als Künstler Berühmtheit zu erlangen und Kontakte zu einflussreichen Auftraggebern zu knüpfen. Der Erfolg der frühen Jahre hatte sich zu einem Höhepunkt entwickelt, Erinnerungen und Skizzenbücher waren reich mit Ideen und Impressionen gefüllt und konnten in den folgenden Jahrzehnten ausgenutzt und verwertet werden.

Der Mühen reiche Ernte

Wie zum Zeichen dieses Umbruchs und dem Wandel zur Sesshaftigkeit heiratete Klein im Februar 1823 Julie Friedrike Wüst aus Castell mit der er sieben Kinder hatte. In den folgenden Jahren produzierte Klein eine große Zahl an druckgrafischen Folgen, die sich sowohl Tiermotiven als auch Erinnerungen seiner Reisen widmeten. Zudem schuf er zahlreiche Zeichnungen, Radierungen und Gemälde auf Bestellung und erfreute sich einer guten Auftragslage. Diese nahm im Laufe der Jahre zusehends ab, sodass der Vater der vielköpfigen Familie sich vor die Situation immer unsicherer werdender Einnahmen gestellt sah und sogar damit begann, einzelne Blätter seiner Skizzenbücher zu verkaufen. 1837 starb seine Frau Julie und hinterließ Johann Adam Klein als Witwer. Weiterer familiärer Bande beraubt und ohne die Möglichkeit sich als Künstler zu verdingen, beschloss er sich der aufblühenden Kunstmetropole München zuzuwenden, die zu dieser Zeit durch die „Münchner Schule“ deutschlandweite Beachtung genoss. Die zeitweise veralteten und unbeliebt gewordenen Motive der Landschafts- und Trachtendarstellung wurden wieder modern, worin Klein die Chance sah, seine Bildwerke abermals auf den Markt zu bringen.

Kurz vor dem Umzug nach München heiratete er die Witwe des Kupferstechers Georg Jacob Wolf, Catharina Isabella Magdalena Wolf, geborene Riedel, nicht zuletzt um seinen Kindern wieder eine Mutter zu geben. In München begab sich Klein nach alter Gewohnheit auf kleine Reisen ins Umland und skizzierte die regionale Landschaft und die Trachten der Bayern. Darüber hinaus setzte er sich auch mit neueren Entwicklungen wie der Eisenbahn auseinander, die er in einzelnen Werken verarbeitete. Die Ereignisse der Revolution von 1848 interessierten ihn, ähnlich wie im Zeitalter der Napoleonischen Kriege, vornehmlich mit Blick auf Uniformmode und Soldatenleben. Den Erfolg der früheren Jahre erreichte er mit seinen Werken jedoch nicht mehr. Die Familie wurde mehrfach von Krankheiten geplagt und schon 1848 begann die Sehkraft Johann Adam Kleins zu schwinden, womit ihm die Grundlage seiner Arbeit genommen wurde. 1849 erhielt er auf die vorherige Anfrage beim Direktorium der Akademie der bildenden Künste die Zusage einer Staatspension. Im November der Jahres 1862 gab die Münchner Künstlerschaft ihm zu Ehren ein großes Fest zum 70. Geburtstag. Als Ehrung seines Lebenswerkes wurde ihm zudem das Verdienstkreuz des Ernestischen Hausordens durch den Herzog von Sachsen-Coburg verliehen. Beinahe erscheinen diese Ehrungen jedoch bereits als abschließende Anerkennung der vergangenen Leistungen, die produktive Zeit des Künstlers näherte sich hingegen langsam ihrem Ende. In den 1860er Jahren ereilten Klein mehrere Schicksalsschläge und schließlich ein Schlaganfall, der ihn zeitweilig lähmte. Ab 1871 machten eine Augenkrankheit und Unterleibsleiden das Arbeiten letztendlich unmöglich. Nach einem letzten Umzug innerhalb Münchens starb Johann Adam Klein am 21. Mai 1875 und wurde unter großer Anteilnahme der Münchner Künstlerschaft zu Grabe getragen.

Benedikt Ockenfels

Zur Katalogisierung der Druckgraphiken Kleins

Bereits zu Lebzeiten erfreute sich das Werk Kleins großer Beliebtheit und so verwundert es nicht, dass schon bald die Graphiksammler auftraten und das umfangreiche druckgraphische Werk des Künstlers einer gewissenhaften Aufarbeitung unterzogen. Zum siebzigsten Geburtstag Kleins veröffentlichte sein Freund und Sammler C. Jahn in München 1863 einen umfangreichen Werkkatalog mit nahezu allen druckgraphischen Arbeiten. Detailliert hat er die Graphiken nach Entstehungsdatum sortiert und die verschiedenen Zustände der Druckplatten festgehalten. Jahn war damit zwar nicht der Erste, aber keiner hat diesen Umfang und diese Tiefe erreicht wie er, so dass das Werkverzeichnis auch heute noch nach über 150 Jahren das Maß aller Dinge ist, wenn man sich mit Kleins Druckgraphik beschäftigen will. Alle in unserem Webshop angebotenen Arbeiten sind daher mit der entsprechenden Nummer im Verzeichnis von Jahn versehen und der jeweilige Zustand ist vermerkt (dies in römischen Ziffern).

Das Verzeichnis von Jahn können Sie online einsehen:
Online-Verzeichnis

Literaturempfehlungen

  • Angerer, Martin und Inge Rüttinger-Daferner (Hrsg.): Johann Adam Klein & Johann Christoph Erhard. Die Schenkung Dr. Anton Haug, Regensburg 2001.

  • Behrends, Rainer: Einleitung, in Universität Leipzig (Hrsg.): Johann Adam Klein. 1792-1875. Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde, Radierungen. Ausstellung zum 200. Geburtstag, Leipzig 1992.

  • Schwemmer, Wilhelm (Hrsg.): Johann Adam Klein. Ein Nürnberger Meister des 19. Jahrhunderts, Nürnberg 1966.

  • Tschoke, Jutta (Hrsg.): Romantische Entdeckungen. Johann Adam Klein. 1792-1875 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik, Nürnberg 2006.

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