Erfurter Dom mit Taufzug

35.000,00 €*

Versandkostenfrei

Sofort verfügbar, Lieferzeit: 1 bis 3 Tage

Art.Nr.: 21984
Produktinformationen "Erfurter Dom mit Taufzug"
Johann Gottfried Pulian ist als Vertreter der Düsseldorfer Malerschule in der Nachfolge Johann Wilhelm Schirmers bekannt, dessen Schüler er seit 1837 an der Akademie in Düsseldorf war. In der Folge trat er mit fein beobachteten Landschaften von Gegenden vom Nieder- und Mittelrhein, aus Belgien und dem Salzburger Land hervor, in denen er „die Architektur mehr von ihrer genrehaften Seite auffaßt und meist alterthümliche Häuser und Straßen, sowie zerfallende Kirchen darstellt, ohne indeß zugleich die lebendige Vegetation, welche sich als frischer Schmuck in solche Scenerien drängt, zu vermeiden.“ Bevor aber Pulian zu solch einem eher pittoresken Verständnis von Architektur und Landschaft gelangte, malte er ein Bild wie das vorliegende: Es wird beherrscht von einem ins Bild drängenden gotischen Bau, von dem sich der Ausblick auf eine sanfte Hügellandschaft bietet – eine alte Eiche bewacht den Friedhof, auf dem noch einige Grabplatten stehen, während rechts in der Senke ein kleines, ummauertes Städtchen liegt, aus dem gerade ein Taufzug zur Kirche hochsteigt. Der festliche Zug, den eine bekrönte junge Frau mit Kind anführt, wird bereits vom Priester mit seinen Ministranten erwartet, die in einem feingliedrigen, von einem mächtigen Wimperg überfangenen Stufenportal stehen, in dessen Gewände Heiligenstatuen Platz gefunden haben. Es ist gleichsam ein Zeugnis der gotischen Baukunst und jener Begeisterung für das Mittelalter, die die Romantik ergriffen hatte – um diesen Anspruch der Wahrhaftigkeit noch einmal zu unterstreichen, zeigt Pulian die Personen in prächtigen Gewändern des Mittelalters. Das Mittelalter galt der Romantik als Zeitalter nationaler Größe, die der deutschen Nation nicht erst nach der Besetzung durch Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts abhanden gekommen war. In der Folge dieser nationalen Besinnung wurde auch die Baukunst der Gotik wiederentdeckt – berühmt ist Goethes Besuch des Münsters in Straßburg –, wurden diese auch während der Besetzung beschädigten oder zerstörten Bauten erforscht, restauriert und nicht zuletzt auch gemalt. Erinnert sei an Karl Friedrich Schinkels kühne Visionen eines gotischen Domes, in denen er seinen architektonisch-patriotischen Träumen Bildgestalt gab und eine Strömung in Bewegung setzte, die in der als nationale Aufgabe verstandenen Vollendung des Kölner Doms kulminierte. Die romantische Rezeption der gotischen Architektur bewegt sich wie bei Schinkel auch bei Pulian zwischen Fiktion und treuer Abbildung – er geht den Feinheiten der gotischen Architektur mit einer malerischen Ernsthaftigkeit nach, die von geradezu denkmalpflegerischer Treue zeugt. Kleine Schäden im Mauerwerk oder im filigranen Maßwerk werden genauso akribisch beobachtet wie durch Witterung und Zeit hervorgerufene farbliche Veränderungen am Mauerwerk – es ist gleichsam die detaillierte Zustandsbeschreibung eines gotischen Baues, für den ihm der Erfurter Dom als Vorbild diente. Ihn hat Pulian mit seinem berühmten Triangel-­Portal in eine Landschaft von erstaunlich klarer und frischer Farbigkeit versetzt. Ein tiefblauer, von Wolken aufgeheiterter Himmel wölbt sich über eine Szenerie, in der sich Fiktion und Abbild vereinigen, in der Realismus und romantisches Empfinden aufeinandertreffen. Das Gemälde ist bereits in Düsseldorf entstanden, wo Pulian seit 1836 bis zu seinem Tod ansässig war, doch liegen seine Anfänge in Sachsen. In Meißen geboren, hat er ab 1826 dort die Staatliche Zeichenschule besucht, wo er 1828/29 Schüler Adrian Ludwig Richters war, und danach die Klasse Carl August ­Richters an der Kunstakademie in Dresden besucht. Nicht nur in der frischen und klaren Farbigkeit, die schon Pulians Zeitgenossen an seinen Gemälden bemerkten, macht sich seine Schulung in Dresden bemerkbar – noch 1847 griff Pulians Lehrer Ludwig Richter das Thema in seinem berühmten „Brautzug im Frühling“ auf.
Künstler: Johann Gottfried Pulian (1809 Meißen - 1875 Düsseldorf)
Technik: Öl auf Leinwand
Signatur: Unten rechts signiert "G. Pulian.". Unten rechts datiert "Düsseldorf 1836.".
Jahr: 1836
Zustand: Guter Zustand. Restauriert, nur kleinere, punktuelle Retuschen. Keine größeren Beschädigungen.
Gesamtgröße: 86,0 cm x 98,0 cm
Rahmengröße: 99,5 cm x 110,5 cm
Darstellung: Architektur
Epoche: Romantik
Schlagworte: Dom; Kirche; Historizität; Mittelalterrezeption; Dresdner Romantik; Johann Gottfried Pulian; Düsseldorfer Malerschule; Johann Wilhelm Schirmer; Landschaften; Gotischer Bau; Romantik; Mittelalter; Baukunst; Erfurter Dom; Dresden, Architekt [...]

0 von 0 Bewertungen

Geben Sie eine Bewertung ab!

Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit dem Produkt mit anderen Kunden.