Ölgemälde

Gebirgslandschaft

Friedrich Preller d. Ä.

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Art.-Nr.: FrPre/Oe 2

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Mehr erwarten lassen, als sehen - was in anderen Gebirgs- und Meeresbildern von Friedrich... mehr
Gebirgslandschaft
  • Technik: Öl auf Papier auf Karton
  • unten rechts ligiert monogrammiert: "FP", verso mit Nachlassstempel: "Nachlass Friedrich Preller senior" und von fremder Hand bezeichnet: "Via Mala"
  • Zustand: Linko obere Ecke angesetzt, am linken Rand mittig kleine Ergänzung.
  • Größe: 53,4 x 42,2 cm (Darstellung)
  • 63,9 x 53,2 cm (Rahmengröße)
  • Epoche: Romantik

Mehr erwarten lassen, als sehen - was in anderen Gebirgs- und Meeresbildern von Friedrich Preller d. Ä. oder auch Caspar David Friedrich Nebelbänke bewirken1, kommt hier durch eine weit massivere Sperre zustande. Überhängende Felsen in bedrohlicher Schräglage schieben sich ins Bildzentrum, drei schlanke Fichten, die bereits auf den kopfstehenden Trümmern wurzeln, verriegeln vollends den Durchblick ins Tal. Auf diese Weise wird die schroffe, erhabene Hochgebirgslandschaft kleinräumig begrenzt, jedoch auch umso unzugänglicher gemacht. Vom unteren Bildrand führt ein Pfad in die Schlucht und abwärts ins Tal, der von dem Felssturz beengt oder sogar unterbrochen wird. Insofern ist diese Landschaft physisch ebenso wenig zu betreten, wie sich der Bildraum visuell durchdringen ließe. Hinzu kommt die besondere Lichtsituation, denn das die Felswände treffende Gegenlicht streift im abgeschatteten Bildzentrum nur wenige Kanten und den Stamm des abgeschlagenen Baumes. Auf diese Weise dominieren zwei Faktoren diese Bildwelt: der Wahrnehmungsmodus des gedämpften, eingeschränkten Sehens, den keine Adaptionsleistung des Auges aufzuheben vermag, und das Thema der omnipräsenten Zerstörung. Die Imagination der Betrachter wird somit von der sichtbaren Wirklichkeit auf mentale Gegenstände gelenkt und zugleich thematisch angeleitet. Damit fügt sich unsere großformatig und bis in Details der Vegetation in differenzierten Grüntönen ausgearbeitete, wohl kaum sur le motif entstandene Ölskizze in eine Reihe von Gemälden, die Preller 1850 in Tirol schuf. Auf den symbolischen Sinn, den der Künstler mit diesen Werken verband, geben aus einem Brief überlieferte Äußerungen Hinweise. Er vergleicht darin ein Seesturmbild mit einer Hochgebirgslandschaft, deren Tiefe ebenfalls von einer Baumgruppe im Bildzentrum begrenzt wird: "Letzteres ist entschieden leidenschaftlich und gewaltig, das Tiroler mehr ahnungsvoll, ja geheimnisvoll. Die schweren Nebelmassen lassen mehr erwarten als sehen. Die höchsten Höhen sind verschleiert, und nur wenige Durchblicke verraten, wie es vielleicht dort oben sein dürfte. Ist es in unserem Leben anders? Das Tal, von Schluchten und anderen kleinen Tälern durchschnitten, durchbraust der schnelle Bote von oben, das Gletscherwasser. Er bringt uns nicht mehr, als dass das Oben vorhanden; eilt weiter, reißt nieder, ist anderen behilflich und steigt endlich wieder zu seinen Höhen als Nebel empor. Ein zweites Bild unseres Lebens!"2 Neben dem Hinweis auf die Transzendenz der Landschaft, die Teil einer unendlichen, nicht im Bilde zu fassenden Natur ist, vergleicht Preller deren zyklisches Geschehen mit einer religiös getönten Sicht des menschlichen Lebenswegs. Im vorliegenden Gemälde jedoch steht der Aspekt der Zerstörung im Vordergrund, denn nur die Bäume streben als Träger neuen Lebens zum Himmel. Zu überlegen wäre, ob dem so auffällig versperrten Weg und dem prominenten gefällten Baum, zwei Jahre nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution, eine ähnliche, zusätzliche Sinnebene zugeschrieben werden kann, wie sie für Friedrichs Eismeer von 1824 diskutiert worden ist.

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1 Zum Goethe-Bezug der Äußerungen Friedrichs, tatsächlich aber auch Prellers zur Imaginationsanregung durch Nebel siehe Grave 2006.
2 Zit. n. Genzel 1904, S. 86f.

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