Aquarell

Junges Mädchen auf einem Felsvorsprung bei Potschappel in der Sächsischen Schweiz

Ludwig Richter

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Art.-Nr.: LuRic/A 1

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Die Protagonisten in den Bildern Richters haben stets einen eigenartigen Zug an sich: Sie nisten... mehr
Junges Mädchen auf einem Felsvorsprung bei Potschappel in der Sächsischen Schweiz
  • Technik: Aquarell über Federzeichnung und Bleistift auf Papier
  • oben rechts bezeichnet und datiert: "bei Potschappel 22er Juny"
  • Zustand: Kleiner restaurierter Einriss oben rechts, leichter Lichtrand. Papier leicht gebräunt.
  • Größe: 14,4 x 22,4 cm (Darstellung)
  • Jahr: um 1830

Die Protagonisten in den Bildern Richters haben stets einen eigenartigen Zug an sich: Sie nisten sich ein. Ein kleiner Teil der Welt wird von ihnen okkupiert, sie machen ihn sich zu eigen. Ob es nun italienische Bauern, Dresdner Kinder oder, wie in unserem Fall, isolierte Personen sind: stets haben sie sich im Partiellen einen eigenen Platz geschaffen. Ist die romantische Ausprägung Friedrichs durchwuchert von einer pantheistisch umschließenden Naturmystik, welche die Beziehung zwischen Mensch und Natur unter der Voraussetzung der Trennung untersucht, so kehrt sich dies bei Richter in eine Lösung der inhärenten Spannung. Richters Personal findet sich selbst in einem Raum, der beherrschbar erscheint. Sollte die Überwältigung der menschlichen Existenz durch die Naturerfahrung zu einem neuen Bewußtsein führen, so sieht man bei Richter eben diese Erfahrung ins Menschliche überführt. Der Mensch weiß um seine Position innerhalb des Weltgefüges und sein Dasein im übermächtigen Naturrahmen. Dennoch kapituliert erechts nicht, sondern schafft sich eine Umwelt, die ihm eine Sicherheit der Existenz durch vergleichbare Bezugsgrößen ermöglicht. In unserem Blatt ist dieser Aspekt auf besonders interessante Weise thematisiert. Die junge Hirtin hat sich in einem Stück Natur eingerichtet, das sich durch die wuchernden Wurzeln, das abgebrochene Erdreich und den Wechsel zwischen hell hervortretenden und dunkel zurückspringenden Partien selbst individualisiert und sich von der Monumentalität entfernt. Der Blick der Hirtin schweift zwar noch mit dem Sehnsuchtsblick der Eichendorffschen Dichtung in die Ferne, doch diese ist größtenteils verdeckt von dem, was die Hirtin bereits hat. Das Ersehnte ist zwar noch vorhanden, doch soweit zurückgetreten und -gedrängt, daß es gegenüber dem Partiellen, das man sich zu eigen gemacht hat, seine Wirkung verliert. So ist zwar der Blick der Frau aus dem Partiellen hinaus gerichtet, der Hund jedoch blickt zurück in Richtung Heimat, zu dem, was ist und nicht zu dem, was sein könnte. Die Natur ist nicht mehr menschlicher Gegenpol. Auch ist sie noch nicht der Zufluchtsort vor einer dem Menschen grundsätzlich fremden Städtigkeit, noch Amüsement naturfremder, „moderner“ Menschen. Vielmehr läßt sich von einer Harmonie, einer Aussöhnung sprechen. Natur wird bei Richter als Teil des Menschen begriffen, der weder Revolution noch blinde Ergebenheit evoziert.

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