Zeichnung

Der Vetter Schauer beim Spielen der Querflöte

Johann Adam Klein

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Art.-Nr.: JoKle/Z 4

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Rahmen, handgefertigt, 25 x 35 cm
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Der Vetter Schauer beim Spielen der Querflöte
  • Technik: Bleistift auf Papier
  • unten rechts signiert, datiert und bezeichnet: "JAKlein del: 1811 Nürnberg", verso bezeichnet: "Der Vetter Schauer aus Nbg", Sammlungsstempel Henirich Lempertz, Köln (Lugt Nr. 1337)
  • Zustand: Insgesamt guter Zustand, minimal fleckig.
  • Provenienz: Sammlung Heinrich Lempertz, Köln
  • Größe: 15,5 x 10,2 cm (Darstellung)
  • Epoche: Romantik
  • Jahr: 1811

Präsent und doch abwesend, so begegnet uns der Vetter Schauer auf Johann Adam Kleins Zeichnung. Der Versenkung in die musikalische Übung steht die Körperlichkeit der Zeichnung gegenüber. Anders als bei Daniel Nikolaus Chodowiecki oder Wilhelm von Kobell, die ähnliche Momentaufnahmen ihres nächsten Umfeldes getätigt haben, ist die ganze Figur des Mannes mit kräftigem Stich betont und verneint somit den flüchtigen Moment. Lediglich die Umgebung bekommt etwas von der Spontaneität zu spüren, wenn sie sich mit dünneren Linien und schemenhaften Andeutung zufrieden geben muss. Doch trotz der Präsenz entzieht Klein dem Betrachter sein Gegenüber wieder, wenn er den Hut tief über die Augen rutschen lässt, so dass sich nur ein halbes Porträt ergibt, das den wichtigsten Teil verschweigt. So nistet sich trotz der vermeintlich klaren Wiedergabe die Ambivalenz des Flüchtigen in die Darstellung ein.
Unser Blatt reiht sich in eine Gruppe von Freundschaftsdarstellungen ein, die Klein gegen Ende seiner Studienzeit bei Ambrosius Gabler in Nürnberg schuf (Vgl. Johann Adam Klein, „Am Brunnen“, 1811, Bleistift auf Papier, 11,9 x 15,8 cm, Kunsthalle Mannheim, Inv. Nr. G 648 [A.I. 774]; „Der Freund Georg Christoph Wilder“, 1810, Bleistift auf Papier, 11,5 x 12,5 cm, Museum der bildenden Künste, Leipzig, Inv. Nr. NJ 805). Bevor er im September 1811 nach Wien aufbricht, hat Gabler ihm in den sechs Jahren seiner Lehre neben einer Einführung in die druckgraphischen Techniken auch die Augen dafür geöffnet, dass sich die Einheit des Ganzen aus der Summe seiner Teile ergibt. Im Detail sollte Klein den Schlüssel für seine Bilder finden. Und auch unsere Zeichnung ist von dieser Sehnsucht nach dem Mikrokosmos geprägt, der für ihn die Welt aufschließt. Jede Falte der damals beliebten Suwarowstiefel mit ihren am oberen Rand tief ausgeschnittenen Bögen, jede Schattierung des langen Fracks, der Ohrring, der große Hut, die Klappen der Flöte: all dies sind Elemente einer Weltaneignung, die aus dem Flüchtigen der Anschauung eine Beständigkeit zu schälen sucht. So scheint der Detailreichtum der Kleidung das versteckte Gesicht gleichsam zu kompensieren und zum eigentlichen Porträt zu werden.
Klein war ein Meister dieser vermeintlich beständigen Transitorik. Oft löst sich in den Zeichnungen die Umgebung in skizzierte Strichlagen auf, ganz so, als würden sie sich nur im Zentrum der Darstellung bündeln, um etwas vorstellig zu machen. Aber so schwebt in ihnen das Moment der Auflösung immer mit und vermittelt trotz der genrehaften Präsenz den Aspekt des Zeitlichen. Gerade in dieser Vereinigung von Gegensätzlichkeiten liegt der große Reiz dieser Blätter, die Kleins meisterhaften Umgang mit dem Bleistift dokumentieren.

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