Druckgraphik

Nach Gustav Heinrich Naeke (1786-1835): Die Heilige Elisabeth

Christian Ernst Stölzel

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Art.-Nr.: ChStoe/D 1

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Naekes Gemälde „Die Heilige Elisabeth im Hofe der Wartburg Almosen spendend“ gehört zu den... mehr
Nach Gustav Heinrich Naeke (1786-1835): Die Heilige Elisabeth
  • Technik: Kupferstich auf Papier
  • Unterhalb der Darstellung bezeichnet: "DIE HEILIGE ELISABETH. Genaue Nachbildung einer Zeichnung von H. Näke/welche sich nebst dem großen danach ausgeführten Oehlgemälde in der Sammlung des Herrn v. Quandt in Dresden befindet Angekauft vom Sächs. Ku
  • Zustand: Insgesamt gut, im Rand und leicht in der Darstellung mit Stockflecken.
  • Größe: 14,8 x 22,4 cm (Darstellung)
  • Weitere Größen: Papier: 30,6 cm x 42,4 cm, Platte: 22,0 cm x 26,5 cm, Darstellung: 14,8 cm x 22,4 cm
  • Jahr: 1834
Naekes Gemälde „Die Heilige Elisabeth im Hofe der Wartburg Almosen spendend“ gehört zu den Hauptwerken der deutschen Nazarenerkunst. Der Rang des lange Zeit verschollenen Gemäldes ist heute unbestritten. Naeke arbeitete sieben Jahre lang in Rom und Dresden an dem großformatigen Bild, in dem sich das Wesen deutsch-römischer Romantik in ungewöhnlicher Reinheit spiegelt. Das Thema aus dem christlich-altdeutschen Legendenkreis bildete in den 1820er Jahren bei den Nazarenern eher die Ausnahme, denn hier wurden in der Tafelmalerei fast ausschließlich Stoffe aus dem Neuen Testament, wenige auch aus dem Alten Testament bevorzugt. Bewundernswert ist die kunstvolle Komposition der figurenreichen Szene, in der sich vor einer mittelalterlichen Architekturkulisse zwei Personengruppen gegenüberstehen. Die der barmherzigen Pfalzgräfin mit ihrem Gefolge, die die Armen und Kranken in ihrem Burghof empfängt, nimmt fast genau ein Drittel der Bildfläche ein, deren größerer Teil dem als bittstellende Untertane charakterisiertem „Volk“ vorbehalten ist. Die Idealisierung der Elendsgestalten und deren schönlinige Umrißführung - heute eher mit Befremden wahrgenommen - wurde von den Zeitgenossen gelobt. Während die edlen Damen im linken Drittel des Bildes glatt und schön wie geschminkte Models wirken, gibt es unter der andrängenden Menge interessante Charakterköpfe in sorgsamer Durchzeichnung. 1834 erhielt der Zeichner und Kupferstecher Christian Ernst Stölzel den Auftrag, nach Naekes Gemälde eine Radierung als Jahresgabe für die Mitglieder des Sächsischen Kunstvereins anzufertigen. Das Blatt, im Todesjahr Naekes 1835 ausgegeben, zeigt eine Reihe bemerkenswerter Abweichungen von der Gemäldefassung. Stölzel benutzte als Vorlage für seine Radierung eine gleichgroße Zeichnung des Künstlers, die sich im Dresdner Kupferstich-Kabinett befindet. Der Vergleich zeigt, daß die Veränderungen gegenüber dem Gemälde dessen Absicht entsprechen. Sie beziehen sich insbesondere auf die Hauptgestalt, die Heilige Elisabeth selbst. Deren Sonderstellung wird in der Graphikfassung von 1834 in zweifacher Hinsicht zurückgenommen. Im Gemälde hat Naeke ihren sozialen Status besonders betont. Da ist es die edle Fürstin in prächtigem Gewande, geschmückt und ausgezeichnet mit der goldenen Grafenkrone, die sich huldvoll zum armen Volke herabläßt. Die späte Fassung dagegen läßt die Heilige, auch in ihrem Äußeren eher schlicht, ohne Krone und fürstliches Kostüm, fast wie eine Bürgersfrau erscheinen und in die Gruppe ihrer Begleiterinnen zurücktreten. Damit wird hier eher das franziskanische Element der Elisabeth- Legende betont. Nicht zu übersehen ist auch die Veränderung der phantasievollen, romanisch gemeinten Architektur. Die oktogonale Abschrägung sowohl der Palast-Ecke als auch der im Gemälde zweistufigen Treppe zum Portal wird durch kubisch vereinfachende „Begradigungen“ ersetzt. Hier scheint noch einmal das Studium Albrecht Dürers gewirkt zu haben, bei dem es so gebrochene Formen wie im Gemälde nicht gibt. Viel entschiedener sind in der graphischen Fassung die beiden Gruppen durch Mauerecke und Schattenkante optisch getrennt. Klarer steht die Gestalt der Elisabeth nun vor dunklem Grund. So erscheint die Komposition von 1834 strenger als die des Gemäldes. Die Vereinfachung der Architektur und die klare Trennung der Licht- und Schattenflächen kommt auch der graphischen Wirkung des Blattes zugute. Wie viele Malwerke der Nazarener zeigt auch Naekes Gemälde koloristische Schwächen, denn die Farbe wird nicht als sinnliches, optisches Phänomen eingesetzt, sondern ordnet sich kolorierend dem plastisch-linearen Gerüst unter. So war dem später düsseldorfisch orientierten Nazarenerfreund Athanasius Graf Raczynski der unfarbige Nachstich lieber als das Gemälde, denn „er gibt alles Schöne wieder, ohne das Peinliche zu enthalten.“ Im Übrigen zeigen Stich und Vorzeichnung Naekes Zeichenstil auf der Höhe seiner späten Reife. Man darf die heute stark vergilbte, durch Fleckenbildung in seiner Wirkung beeinträchtigte Zeichnung des achtundvierzigjährigen Dresdner Akademieprofessors als den vermächtnishaften Ausdruck seines ästhetischen Credos bezeichnen, denn wenige Monate nach Vollendung dieser Arbeit ist er verstorben. Es ist das Bekenntnis eines Nazareners zur Linie als Ausdrucksträger und zur menschlichen Gestalt als vornehmstem Gegenstand bildender Kunst. Stärker noch als im Gemälde verdichtet sich in dem transparenten Gefüge der abstrahierenden Zeichnung die Idee zu geschlossener Form. Mit goldschmiedhafter Feinheit und Präzision hat Naeke die an Binnenform so reiche Komposition bis in die Details der kleinsten Gestalten im Hintergrund durchgezeichnet. Nichts bleibt unklar, nichts dem Zufall überlassen, nichts geht in Dämmerschatten unter. Alle die kunstvollen Verschränkungen sind in ihren Formzusammenhängen verstanden. Hier wird die additive Methode der plastisch-linearen Zeichnung noch einmal auf einen Höhepunkt getrieben. Stölzel, selbst ein „Nazarener“, der zusammen mit Naeke in Rom gewesen war, hat die Zeichnung des Freundes genau und einfühlsam in die graphische Technik umgesetzt. Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt

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