Ölgemälde

Porträt des Bernhard von Eichthal

Friedrich Dürck

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Art.-Nr.: FrDuer/Oe 1

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Es sind die künstlerischen Rückgriffe dieses im Ovalformat sich rokokohaft präsentierenden und,... mehr
Porträt des Bernhard von Eichthal
  • Technik: Öl auf Kupfer
  • unten rechts monogrammiert (ligiert) und datiert: "FD 1830"
  • Zustand: guter Zustand, Originalrahmen. Vereinzelt kleinere Retuschen.
  • Größe: 22 x 17,5 cm (Darstellung)
  • 34,2 x 29,3 cm (Rahmengröße)
  • Epoche: Biedermeier
  • Jahr: 1830

Es sind die künstlerischen Rückgriffe dieses im Ovalformat sich rokokohaft präsentierenden und, wie im 17. und 18. Jahrhundert für Miniaturen üblich, auf Kupfer gemalten Kinderporträts, die uns sofort ansprechen und nach ihrem Sinn fragen lassen. Bereits die imposante Lockenpracht, deren Feinheit der Maler nicht durch minutiöse Detaillierung, sondern suggestiv und geradezu haptisch hervorzubringen versteht, verleiht dem kleinen Jungen Präsenz. Hinzu tritt die plastisch modellierende Beleuchtung, die den im Profil gezeigten Büstenabschnitt von der Seite streift, so dass sich der Porträtierte erst mit seiner Zuwendung zum Betrachter ins Licht dreht. Sein rosiges Inkarnat, die Weichheit der kindlichen Züge und das den klaren, selbstbewussten Blick aus dem Bild begleitende soziale, gleichwohl 'natürliche' Lächeln weisen auf den Kult der Empfindsamkeit. Gesteigert wird diese keineswegs als Effeminierung aufzufassende Sinnlichkeit durch die Malweise, die über die mimetische Stofflichkeit hinaus in der pastosen Faktur der Glanzlichter und der mehrschichtig erzeugten Locken eine stoffliche Präsenz der Farbe selbst bewirkt. Die Malerei zeigt mit diesen virtuosen, das Porträt belebenden Momenten ihre eigentümlichen Qualitäten. Durch sie verlieh der erfolgreiche Porträtist Dürck seiner Malerei eine Performanz, welche die ebenfalls auf Metallplatten gebannte, ihrerseits heute faszinierende Daguerrotypie niemals erreichen konnte.
Von besonderer Bedeutung ist der Entstehungszeitraum unseres Porträts: Die Datierung in das Jahr 1830 stimmt mit dem zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alten Bernhard von Eichthal überein. Damit ist dieses Bild ein überzeugendes Jugendwerk des einundzwanzigjährigen Dürck, der 1828 erstmals eine Porträtarbeit in München ausstellte und im Laufe der 1830er Jahre einen Ruf erwarb, der ihm zahlreiche Aufträge der Aristokratie sicherte. Auffällig ist, dass sich hier bereits erste Anregungen der eigentlich erst später einsetzenden Neorokokowelle in der angewandten Kunst zeigen.
Bernhard von Eichthal (1823-1893), Neffe des gleichnamigen Philanthropen (1784-1830) und Sohn des für die bayerische Geschichte bedeutenden Bankiers Simon von Eichthal (1787-1854) gehörte der 1814 in den Freiherrenstand erhobenen Familie Seligmann-Eichthal1 an, die in dritter Generation in den Hochadel einheiratete. Aus dieser Sicht dürfte den auf Rokoko und Barock zurückweisenden Elementen eine legitimierende Funktion zugekommen sein. Vergleicht man unsere Miniatur mit Porträts des Münchner Hofmalers Joseph Stieler aus den 1820er Jahren, so finden sich solche Stilmodi dort wieder. Um stilistisch und in der technischen Realisierung das Anspruchsniveau seines Auftraggebers zu treffen, musste sich Dürck folglich an seinem Lehrer orientieren. Stieler selbst hatte sich vor seinem Studium bei dem Wiener Klassizisten Füger mit Miniaturmalerei beschäftigt und niederländische Barockmeister studiert.2 Vor dem Hintergrund der Restauration erlangte diese Werkstatttradition neue Aktualität.

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1 Jungmann-Stadler 1988.
2 Hase 1971, S. 44-50, 53-54.

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