Ölskizze

Schlucht von Sorrent

Massimo d'Azeglio

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Art.-Nr.: MaDaz/Oes 1

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In einem spontanen, Details mit nass in nass gestrichenen Linien und flüssig verbundenen... mehr
Schlucht von Sorrent
  • Technik: Öl auf Papier, auf Karton
  • unten links signiert: "d' Azeglio", verso bezeichnet: "Firmati Massimo d'Azeglio"
  • Zustand: Sehr guter und sauberer Zustand.
  • Größe: 38,5 x 30 cm (Darstellung)
  • 49,5 x 41,5 cm (Rahmengröße)
  • Epoche: Romantik
  • Jahr: um 1827

In einem spontanen, Details mit nass in nass gestrichenen Linien und flüssig verbundenen Kringeln umschreibendem Duktus, der von der raschen Entstehung unserer Studie zeugt, hält der berühmte Maler, Schriftsteller und Politiker des Risorgimento ein romantisches Motiv fest. Womöglich lässt die Schroffheit des Vordergrunds an eine Alpenlandschaft denken, doch die charakteristischen Profile von Felswand, Brückenbogen und angedeuteten Berghängen legen nahe, hier die auch von zahllosen nordeuropäischen Künstlern dargestellte Schlucht von Sorrent zu erkennen. In einer weiteren undatierten Ölstudie1, die d'Azeglios Sorrentaufenthalt von 1827 zuzuordnen ist, hat er den nahezu identischen Bildausschnitt gewählt, den Vordergrund und die Ränder aber unausgeführt gelassen und einen zweiten, intakten Brückenbogen wiedergegeben. Obwohl viele Maler und Zeichner dem Ort in ihren Bildern nachspürten, so auch der von d'Azeglio bewunderte Hackert, geriet die Schlucht zum Ausgangspunkt sehr unterschiedlicher, idealisierender, romantisierender oder geologisch exakter Bildkonstruktionen. D'Azeglio wiederum steigert das Erhabenheits-Potential des Motivs noch durch ein vermutlich phantastisches Bildelement, das keine historischen Bilddokumente von Sorrent überliefern: den rechts herabstürzenden Wasserfall.
Den von Reisenden des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts bei der Alpenüberquerung als besonders pittoresk erlebten Elementen, der Schlucht und der kühn gespannten Brücke, fügt d'Azeglio damit ein weiteres alpin konnotiertes Element hinzu.2 Zwar sind Wasserfälle etwa bei Hackert oder Koch durchaus in südlichen Landschaften zu finden, ihre Wildheit jedoch wird dort häufig entschärft. Aus einem weiteren Grund muss die Teufelsbrücke den Landschafts- und Historienmaler interessiert haben, war sie doch 1799 Schauplatz einer berühmten Schlacht zwischen russischen und französischen Truppen, die mit einer Niederlage Napoleons endete. In mehreren Werken hat sich d'Azeglio als Historienmaler mit Schlachten auf freilich undramatischeren Brücken beschäftigt.3
In unserer Studie hat d'Azeglio folglich ein Werk geschaffen, das keine authentische Wiedergabe eines realen Ortes ist, sondern Norden und Süden auf imaginäre Weise verbindet. Der Begegnung mit nordalpinen Künstlern kam für den aus Sicht angelsächsischer Reisender flamboyanten Italiener große Bedeutung zu. Gerade die Künstlerreisen, die er u.a. mit dem Niederländer Verstappen unternahm, bildeten einen wichtigen Aspekt der Professionalisierung des vielseitig begabten Aristokraten. In seinen späten Erinnerungen Miei Ricordi (Florenz 1867) stellte er die ästhetische Existenz über sein politisches Wirken. Doch im Kontext des Risorgimento waren die professionellen Ambitionen programmatisch, da sie das adelige und das bürgerliche Lebensmodell zu homogenisieren versprachen.4

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1 Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea Torino. Inv. Nr. P/93. A.-Kat. Turin 2002, Nr. 33.
2 1827 bereiste er auch die Schweiz, siehe das Verzeichnis der Skizzenbücher, A.-Kat. Turin 2002, S. 81.
3 A.-Kat. Mailand 1998, S. 48-50 und Kat. Nr. 23 (Combattimento a Gagliano fra spagnoli e francesi, vor 1833, Mailand, Galeria Brera), Nr. 24 (Ritorno della battaglia, um 1833, Alessandria, Privatslg.) und Nr. 59 (Battaglia, um 1855, Turin, Privatslg.).
4 Mazzoca 2002, S. 13.

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