Albert Christoph Dies

  • 11. Februar 1755 Geboren in Hannover

  • 1775 Italienreise | langjähriger Aufenthalt in Rom | tätig im Umkreis deutscher Künstler in Rom, darunter Jakob Philipp Hackert (1737-1807), Johann Christian Reinhart (1761-1847) und Joseph Anton Koch (1768-1839) | Kolorierung von Stichen für Giovanni Battista Piranesi (1720-1778)

  • 1792-94 Arbeit an der Grafikserie Malerisch radirte Prospecte von Italien gemeinsam mit Johann Christian Reinhart und Jakob Wilhelm Mechau für den Verleger Johann Friedrich Frauenholz in Nürnberg

  • 1796 Flucht mit seiner Frau aus Rom vor politischen Unruhen | der Sohn Giovanni Dies bleibt zurück

  • 1797 Übersiedlung nach Wien | Bestellung zum Galeriedirektor der Familie Esterházy

  • 1810 verfasste die erste Biografie des Komponisten Joseph Haydn (1732-1809)

  • 29. Dezember 1822 Tod Albert Christoph Dies in Wien

spaziergaenge_titel

Der Künstler als Autodidakt

Die Biografie des Künstlers Albert Christoph Dies kann nur in ein Gerüst weniger bekannter - soll heißen in Publikationen zugänglicher - Daten geflochten werden. Stets gilt der 1755 in Hannover geborene Künstler als Autodidakt, der sich durch das Kopieren angesehener Landschaftskünstler, insbesondere Claude Lorrain (1600-1682) und dem Zeitgenossen Jakob Philipp Hackert (1737-1807), schulte. Seine unabhängig gestaltete Ausbildung unterschied sich in diesen Übungszeichnungen jedoch kaum von der Lehre anderer Künstler des 18. Jahrhunderts - mit der Ausnahme, dass ihm die anleitende Hand eines Meisters fehlte. Carlo Schmid spricht wenigstens von der Nähe zu einem unbekannten Maler in Hannover, der Dies offenbar erste Anleitungen gegeben hatte. Es bleibt dabei zu spekulieren, ob ihm das zu einer freieren Entfaltung seiner künstlerischen Tätigkeit verholfen haben könnte oder ihn vielmehr stärker an die barocken und klassizistischen Vorbilder band und ihn als begabten Stil-Kopisten auszeichnete.

aldies_d_15-006

Ab 1775 war Dies in Rom anzutreffen. Nach einer Wanderung durch Deutschland und die Schweiz habe sich der Künstler entschlossen nach Italien zu gehen und sollte für einige Jahre in Rom leben und dort sogar Familie gründen. Er verdingte sich mit dem Verkauf von Kopien nach Hackerts beliebten Landschaften, die er zu günstigen Preisen anbot und gerade an weniger vermögende Reisende veräussern konnte. Darüber hinaus kolorierte er Stiche für die großen in Rom ansässigen Grafikmanufakturen von Giovanni Battista Piranesi sowie Louis Ducros und Giovanni Volpato. Über diese Tätigkeit weiß selbst Johann Wolfgang von Goethe in seinem Reisebericht Italienische Reise zu berichten, in dem er das Geschick des Künstlers bei der Ausmalung einer Zeichnung des Dichters lobt.

Kurze Beschäftigung mit der druckgrafischen Kunst

Ein großer Auftrag wurde dem Künstler zuteil, als er 1792 von Johann Christian Reinhart und dem Nürnberger Verleger Johann Friedrich Frauenholz zu dem Projekt der Grafikserie der Mahlerisch radirten Prospecte von Italien berufen wurde. Von den insgesamt 72 Blättern mit Landschaften und bislang wenig beachteten Sehenswürdigkeiten und Naturschauspielen in der Campagna Romana sollte Dies, der wie die beiden anderen Künstler nur wenig Erfahrung in der Kunst der Druckgrafik hatte, 24 Ansichten erstellen. Seine Arbeit wurde vom Verleger jedoch in einem an Reinhart gerichteten Brief aus dem Jahre 1792 stark kritisiert. Er warf ihm "[...] eilfertige Behandlung, die eine gewisse unangenehme Rauhigkeit über das Ganze verbreitet, eine nachlässig gearbeitete Luft und Mangel an Haltung, wodurch der größte Reiz der Landschaft verloren geht [...][vor]" (Carlo Schmid 1998, S. 168).

aldies_d_5-006
aldies_d_14-006

Schmid erkennt, dass die Kritikpunkte durchaus auch als subjektives Missfallen einzustufen sind, das in diesem Fall wohl nicht einmal auf die autodidaktische Ausbildung des Künstlers zurückzuführen ist. Von Reinhart, dem Schriftführer der drei Künstler im Briefwechsel mit dem Verleger wurden die Ansichten Dies' jedenfalls verteidigt.
Jedoch auch in dem Versuch Dies', den Wünschen Frauenholz' nachzukommen, der die Darstellungen mit erklärenden Texten versehen lassen wollte, lässt sich eine Ablehnung erkennen. Die von Dies verfassten Texte - im Übrigen ohne das Wissen der beiden anderen Künstler, die bewusst auf erläuternde Beschreibungen verzichten wollten - missfielen dem Verleger nicht zuletzt dadurch, dass sie offenbar oberflächlich und ohne Berücksichtigung der neusten Fachliteratur verfasst worden waren. Nichts desto weniger verlegte Frauenholz auch abseits der Mahlerisch radirten Prospecte einzelne Radierungen von Albert Christoph Dies, bis dieser mit dem seinerseitigen Abschluss an dem Projekt um 1794 die Technik der Druckgrafik wieder aufgab.

Seit 1793 herrschten in Rom antifranzösische Ausschreitungen, die letztlich zum Italienfeldzug Napoleon Bonapartes und der Eroberung Roms durch Französische Revolutionstruppen im Jahr 1798 führten. Von den politischen Tumuluten beunruhigt, verließ Dies im Mai 1796 mit seiner Frau Rom um über Salzburg nach Wien zu ziehen. Endgültig ließ er sich im Jahre 1797 in Wien nieder und wurde bald zum Galeriedirektor des Adelshauses Esterházy berufen. Gesundheitlich angegriffen verlebte er seinen Lebensabend in Wien und betätigte sich zeitweise auch als Schriftsteller indem er die Biografie des Komponisten Joseph Haydn verfasste und 1810 mit dem Titel Biographische Nachrichten von Joseph Haydn herausgab.
Im Alter von 67 Jahren starb Albert Christoph Dies in Wien am 29. Dezember 1822.

Benedikt Ockenfels

aldies_d_13-006

Literaturempfehlungen

+
Chat