BLOG · AUS DEM BESTAND
Farbe auf Papier.
Das Aquarell
Die Technik der Reisenden
Aquarellfarbe ist leicht, trocknet schnell und braucht wenig Gerät. Für Reisen war das entscheidend: ein Kasten, ein Pinsel, Wasser. Deshalb sind so viele Reiseblätter des 19. Jahrhunderts Aquarelle.
Ignace Duvivier arbeitete um 1800 am Rhein und in Sachsen, Otto Wagner um 1831 auf dem Weg von Civitella nach Olevano, Gustav Seelos 1864 an der Brennerbahn. Alle drei nutzten dieselbe Technik für sehr verschiedene Aufgaben.
Lasur und Vorbehalt
Anders als Deckfarbe lässt Aquarell das Papier mitarbeiten: Weiß entsteht nicht durch Farbe, sondern durch Aussparung. Wer das Blatt liest, sieht die Reihenfolge — welche Lasur zuerst lag, wo der Pinsel angesetzt und wo er ausgespart hat.
Eduard Hildebrandts weite Landschaften, in unserem Bestand ins 19. Jahrhundert datiert, leben von diesem Verfahren: dünne Schichten über hellem Grund, kaum eine Korrektur. Ein Aquarell verzeiht wenig — das macht gute Blätter erkennbar.
Vom Studienblatt zum Bild
Manche Aquarelle sind fertige Bilder. Leo Primavesis „Violinespieler beim Notenstudium“ von 1899 und die „Junge Frau im Interieur“ von 1891 sind durchgeführte Kompositionen mit Figur, Raum und Licht.
Andere bleiben Notiz, wie Johann Paul Wallots Blatt aus den Hügeln über Olevano von 1858. In der Online-Ausstellung stehen beide Arten nebeneinander — fünfzig Blätter von 23 Künstlern, vom flüchtigen Farbfleck bis zum ausgeführten Interieur.
Aus der Ausstellung