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Farbe auf Papier. Das Aquarell

BLOG · AUS DEM BESTAND

Farbe auf Papier.
Das Aquarell

Warum das Aquarell für Reise und Studium die Technik der Wahl war — und woran man ein gutes Blatt erkennt.

H. W. Fichter Kunsthandel·17.10.2025

Die Technik der Reisenden

Ignace Duvivier: Binger Mäuseturm und Burg Ehrenfels, um 1800
Ignace Duvivier: Binger Mäuseturm und Burg Ehrenfels, um 1800
Otto Wagner: Von Civitella nach Olevano, um 1831
Otto Wagner: Von Civitella nach Olevano, um 1831
Gustav Seelos: Bau der Brennerbahnlinie, 1864
Gustav Seelos: Bau der Brennerbahnlinie, 1864

Aquarellfarbe ist leicht, trocknet schnell und braucht wenig Gerät. Für Reisen war das entscheidend: ein Kasten, ein Pinsel, Wasser. Deshalb sind so viele Reiseblätter des 19. Jahrhunderts Aquarelle.

Ignace Duvivier arbeitete um 1800 am Rhein und in Sachsen, Otto Wagner um 1831 auf dem Weg von Civitella nach Olevano, Gustav Seelos 1864 an der Brennerbahn. Alle drei nutzten dieselbe Technik für sehr verschiedene Aufgaben.

Lasur und Vorbehalt

Eduard Hildebrandt: Weite Landschaft, wohl Ceylon, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Weite Landschaft, wohl Ceylon, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Gebirgslandschaft, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Gebirgslandschaft, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Weite Landschaft mit Bergen, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Weite Landschaft mit Bergen, 19. Jahrhundert

Anders als Deckfarbe lässt Aquarell das Papier mitarbeiten: Weiß entsteht nicht durch Farbe, sondern durch Aussparung. Wer das Blatt liest, sieht die Reihenfolge — welche Lasur zuerst lag, wo der Pinsel angesetzt und wo er ausgespart hat.

Eduard Hildebrandts weite Landschaften, in unserem Bestand ins 19. Jahrhundert datiert, leben von diesem Verfahren: dünne Schichten über hellem Grund, kaum eine Korrektur. Ein Aquarell verzeiht wenig — das macht gute Blätter erkennbar.

Vom Studienblatt zum Bild

Leo Primavesi: Violinespieler beim Notenstudium, 1899
Leo Primavesi: Violinespieler beim Notenstudium, 1899
Leo Primavesi: Junge Frau im Interieur, 1891
Leo Primavesi: Junge Frau im Interieur, 1891
Johann Paul Wallot: In den Hügeln über Olevano, 1858
Johann Paul Wallot: In den Hügeln über Olevano, 1858

Manche Aquarelle sind fertige Bilder. Leo Primavesis „Violinespieler beim Notenstudium“ von 1899 und die „Junge Frau im Interieur“ von 1891 sind durchgeführte Kompositionen mit Figur, Raum und Licht.

Andere bleiben Notiz, wie Johann Paul Wallots Blatt aus den Hügeln über Olevano von 1858. In der Online-Ausstellung stehen beide Arten nebeneinander — fünfzig Blätter von 23 Künstlern, vom flüchtigen Farbfleck bis zum ausgeführten Interieur.

Zur Online-Ausstellung: Farbe auf Papier

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