BLOG · AUS DEM BESTAND
Gesichter.
Das Bildnis auf Papier
Zwei Zustände einer Platte
Ein gedrucktes Porträt entsteht in Stufen. Der Radierer arbeitet die Platte durch, druckt zwischendurch ab, prüft, arbeitet weiter — jeder solche Abzug ist ein „Zustand“. Bei uns liegen von Daniel Nikolaus Chodowieckis Bildnis des Mr. de Vollange, 1798, sowohl der zweite als der dritte Zustand.
Solche Paare sind selten und lehrreich: Sie zeigen, was der Künstler noch verändert hat, nachdem das Bild im Grunde schon stand. Auch die Probedrucke seiner Folge „12 Blätter verschiedenen Inhalts“ von 1779 gehören zu dieser Werkstattseite der Graphik.
Bildnis als Studie
Nicht jedes Porträt war als Porträt gedacht. Leo Primavesis Bleistiftblätter um 1898 — eine junge Frau im Korsett, ein Mädchenkopf in Rötel, eine Schlafende — sind Studien: entstanden, um eine Haltung, ein Licht, eine Falte zu prüfen.
Anton Burgers Blatt „Paul Weber im Atelier“ von 1848 zeigt einen Kollegen bei der Arbeit. Solche Blätter sind Bildnis und Werkstattnotiz gleichzeitig, und sie sind oft unmittelbarer als ein Auftragsporträt.
Der lange Bogen
Die Auswahl reicht weit. Ernst Friedrich Rietschel zeichnete 1841 den Bildhauer Bertel Thorvaldsen mit dem Bleistift. Honoré Daumiers Lithographie von 1834 ist eine Satire auf König Louis-Philippe — ein Bildnis, das keines sein will. Und ein unbekannter Scherenschnitt um 1843 zeigt den Künstler Moritz von Schwind: Bildnis ohne Gesichtszüge, nur Umriss.
In der Online-Ausstellung stehen fünfzig Bildnisse von 36 Künstlern zusammen. Wer durchsieht, merkt schnell, wie viele verschiedene Aufgaben ein Porträt erfüllen kann.
Aus der Ausstellung