BLOG · AUS DEM BESTAND
Reisen nach Italien.
Blätter aus dem Süden
Ein Ziel über Generationen
Wer im 19. Jahrhundert Malerei studierte, wollte nach Italien. Rom war Ziel und Standquartier zugleich: von dort brachen die Künstler in die Umgebung auf, in die Albaner- und Sabinerberge, an die Küste bei Neapel und Amalfi. Was sie mitbrachten, waren selten fertige Bilder, sondern Blätter — Bleistiftstudien, Federzeichnungen, Aquarelle, aus denen später im Atelier Gemälde wurden.
In unserem Bestand lässt sich dieser Weg über Jahrzehnte verfolgen. Heinrich Franz Drebers Figuren- und Kompositionsstudien entstanden um 1855 mit dem Bleistift, Carl Wilhelm Götzloff hielt das Mühlental bei Amalfi um 1823 mit der Feder fest, Leo Primavesi zeichnete 1895 römische Ruinen. Drei Techniken, drei Generationen, dieselbe Landschaft.
Olevano — derselbe Ort, vier Jahrzehnte
Manche Orte kehren im Bestand immer wieder. Olevano Romano, ein Bergort östlich von Rom, war unter den in Rom arbeitenden Künstlern als Zeichengrund beliebt — der Blick über die Ebene, die Felsen, die Häuser übereinander.
Bei uns beginnt die Reihe mit Ludwig Richters Blick auf Olevano vom Norden, um 1823 mit dem Bleistift gezeichnet. Otto Wagner nahm um 1831 den Weg von Civitella nach Olevano auf, Johann Paul Wallot arbeitete 1858 in den Hügeln über dem Ort und in einem seiner Höfe, und 1880 hielt George Loring den Blick auf Olevano in einer Radierung fest. Wer die vier Blätter nebeneinander legt, sieht denselben Ort in vier Handschriften.
Vom Blatt zur Fotografie
Gegen Ende des Jahrhunderts kommt eine neue Bildgattung dazu. Die Ansichten, die Künstler zuvor gezeichnet hatten, gaben nun Fotoateliers in Serie heraus: Alinari in Florenz, Giorgio Sommer in Neapel, Carlo Naya in Venedig. Ihre Albuminpapierabzüge, in unserem Bestand um 1880 datiert, waren Reiseandenken und Arbeitsmaterial gleichzeitig.
Nebeneinander gestellt ergeben Zeichnung und Fotografie ein doppeltes Bild derselben Sehnsucht: das eine mit der Hand gesucht, das andere in Sekunden belichtet. Beide zeigen dieselben Plätze — und beide zeigen, wie sehr dieser Süden ein Bildthema war, lange bevor er ein Reiseziel für viele wurde.
Aus der Ausstellung