BLOG · AUS DEM BESTAND
Szenen des Alltags.
Das Genrebild
Der Vorgang statt der Handlung
Das Genrebild zeigt Menschen bei etwas — nicht bei einer historischen Tat, sondern bei der Arbeit, beim Warten, beim Reden. Es braucht keine Vorgeschichte, um verständlich zu sein.
Leo Primavesis „Schmied in Neapel“, um 1896 mit Bleistift gezeichnet, und die „Frauen bei der Handarbeit“ von 1892 sind solche Blätter. Eduard Hildebrandts „Fischerknaben“ gehören dazu, ins 19. Jahrhundert datiert. Alle drei halten einen Ablauf fest, nicht ein Ereignis.
Chodowiecki: Alltag in Auflage
Im 18. Jahrhundert war die Radierung das Medium, in dem Alltagsszenen ein großes Publikum fanden. Daniel Nikolaus Chodowieckis „Der bankerottirende Schuhflicker“ von 1775 erzählt in einem Blatt eine soziale Lage; „Die ländliche Ruhe bei Sonnenuntergang“ setzt dagegen ein friedliches Gegenbild.
„La Cavalcata infortunata“ von 1784 zeigt einen missglückten Ausritt — Komik als Bildthema. Solche Blätter waren wohlfeil, wurden gesammelt und in Almanachen verbreitet.
Der Ort macht die Szene
Oft ist es der Ort, der die Szene trägt: Carl Friedrich Grünwalds Blatt aus dem Loschwitzer Grund um 1814, Giuseppe Moriccis Ponte Vecchio um 1850, Ignace Duviviers „Kairo mit Palmen“ aus dem 19. Jahrhundert.
Die Online-Ausstellung stellt fünfzig Blätter von 33 Künstlern zusammen — von der Werkstattnotiz bis zur ausgeführten Szene. Wer sie durchsieht, findet weniger große Geschichten als viele kleine Beobachtungen.
Aus der Ausstellung